Die nächtlichen Drohnenangriffe Russlands auf Ziele in der Ukraine und das kürzlich erfolgte Eindringen russischer Täuschdrohnen in den polnischen Luftraum haben Debatten über die Fähigkeit der NATO auf dem Gebiet der Drohnenabwehr ausgelöst und die Frage aufgeworfen, wie eine effektive und effiziente Abwehr vergleichsweise kostengünstiger Drohnen organisiert werden muss – insbesondere dann, wenn diese über einen langen Zeitraum in großen Stückzahlen gegen das eigene Territorium eingesetzt werden.
Es ist unbestritten, dass eine Abwehr kostengünstiger Langstreckendrohnen mittels Kampfflugzeugen, bei denen die Flugstunde mehr kostet als der ganze Drohnenschwarm, oder mit teuren Flugkörpern, die aus hochkomplexen bodengebundenen Luftverteidigungssystemen verschossen werden, keine durchhaltefähigen Ansätze darstellen.
Als Lösung werden insbesondere in den sozialen Medien vermeintlich günstige und schnell verfügbare Systeme – zumeist drohnengestützt – angepriesen, die eine Kostenparität oder sogar ein Verhältnis zu Gunsten der Abwehrlösung gegenüber den angreifenden Systemen versprechen. Das Grundproblem vieler dieser „Quick-Fix-Lösungen“ liegt jedoch darin, dass sie oftmals zu spät kommen und das Problem zudem nicht nachhaltig lösen, wie ein Blick in die Ukraine zeigt. Zudem mag ein einzelner Abfangversuch mit solchen Systemen kostengünstig sein, der Aufbau einer flächendeckenden Drohnenabwehr ist und bleibt trotzdem sehr teuer.
Generell muss vorweggeschoben werden, dass die Organisation einer Drohnenabwehr in der Ukraine nicht mit der im restlichen Europa verglichen werden kann. Der Luftraum in der Ukraine ist seit der russischen Vollinvasion für jeglichen zivilen Flugverkehr gesperrt. Zudem unterliegen die ukrainischen Luftverteidiger nicht den gleichen Restriktionen, was mögliche Kollateralschäden am Boden oder den Einsatz von Störmaßnahmen im elektromagnetischen Spektrum angeht, wie es beispielsweise polnische, lettische oder deutsche Luftverteidiger tun, die eine Drohnenabwehr in einem rege durch den zivilen Flugverkehr genutzten Luftraum organisieren müssen. Wie herausfordernd eine solche Situation sein kann, sieht man am Beispiel des Azerbaijan-Airlines-Flugs 8243, der von den russischen Luftverteidigern mit angreifenden ukrainischen Drohnen verwechselt und bekämpft wurde. Dabei kamen 38 der 67 an Bord befindlichen Personen ums Leben.
Für viele europäische Nationen kommt erschwerend hinzu, dass der Luftraum nicht nur von Linienmaschinen mit Profis im Cockpit genutzt wird, sondern auch von zahlreichen Hobbypiloten. Gleichzeitig würde in einem im Friedensbetrieb operierenden Europa jeglicher durch die Flugabwehr verursachter Kollateralschaden am Boden, insbesondere dann, etwa wenn Personen durch auf den Boden fallende Trümmerteile zu Schaden kommen würden, skandalisiert werden. In diesem Zusammenhang ist der jüngste Einflug einer russischen Drohne in den rumänischen Luftraum von Interesse. Die Drohne wurde dort über fast eine Stunde hinweg von rumänischen und deutschen Kampfflugzeugen „begleitet“, bevor diese in den ukrainischen Luftraum abdrehte. Rumänischen Angaben zufolge erhielten die Piloten zwar die Erlaubnis zum Abschuss der Drohne, machten aber von dieser nicht Gebrauch, um Kollateralschäden zu vermeiden.
Die Herausforderungen in der Ukraine sind daher gänzlich andere als im übrigen Europa. Während man dort eher mit der Komplexität und der schieren Masse an Bedrohungen zu kämpfen hat, bei der täglich mehrere hundert Langstreckendrohnen abgewehrt werden müssen, ist es in Europa – zumindest solange man nicht aktiv am Krieg teilnimmt – die Komplexität der Aufgabe, einzelne Bedrohungen so abzuwehren, dass weder die Bevölkerung noch die Wirtschaft zu Schaden kommen. In der Ukraine praktikable Lösungen können daher nicht eins zu eins als Blaupause für eine Drohnenabwehr in Friedenszeiten hergenommen werden, auch wenn einzelne technische Teilaspekte durchaus nützlich sein könnten.
Selbst wenn man die rechtlichen und gesellschaftspolitischen Aspekte ausblendet und sich rein auf die technische Lösung der Drohnenabwehr fokussiert, ist die Sache noch lange nicht so einfach und günstig lösbar, wie es mitunter angepriesen wird.
Grenzen der günstigen Drohnenabwehrlösungen
Hersteller von Effektoren – dabei kann es sich um Patronen, Flugkörper oder Abfang- bzw. Jagddrohnen handeln – propagieren zwar immer wieder die Fähigkeit einer günstigen Drohnenabwehr, unterschlagen dabei aber immer wieder Kosten für die Aufklärung der Drohnen und Skalierung der eigenen Lösung. So ist es zwar hervorragend, wenn ein Effektor nur ein Bruchteil einer anfliegenden Drohne kostet, es hilft aber kaum weiter, wenn die effektive Reichweite dieses Effektors auf wenige hundert Meter bzw. ein bis zwei Kilometer begrenzt ist.
Da man den Anflug-Vektor von Drohnen schwer vorhersagen kann, muss man diese kostengünstigen Effektoren entweder auf einer anderen Plattform montieren, die die entsprechende Mobilität verleiht, oder das Land mit Unmengen solcher Effektoren vollpflastern, bis eine großflächiger Raumschutz aufgebaut werden kann.
In diesem Zusammenhang ist es von grundsätzlicher Bedeutung, dass man den Unterschied zwischen Reichweite und effektiver Reichweite kennt und versteht. So kann ein Projektil beispielsweise 5.000 m weit fliegen, dies heißt aber nicht gleichzeitig, dass man Drohnen mit diesem Projektil auf genau diese Entfernung effektiv bekämpfen kann. Ein Projektil braucht beispielsweise Zeit, um die Strecke zwischen Kanone und dem Ziel zu überbrücken. Diese Zeit kann das Ziel für Manöver nutzen, so dass der errechnete Treffpunkt nicht mehr gültig ist. Dafür müssen keine komplexen Ausweichmanöver geflogen werden, es reicht beispielsweise eine Veränderung der Fluggeschwindigkeit. Gleichzeitig wirken sich mit zunehmender Entfernung außenballistische Faktoren wie Wind, Erdanziehungskraft, etc. auf die Treffpunktlage aus. Mit zunehmender Entfernung zwischen Flugabwehrkanone und Ziel sinkt daher auch die Trefferwahrscheinlichkeit.
Flugkörper und Drohnen können diese Nachteile aufgrund der Manövrierfähigkeit kompensieren, haben dafür aber andere Nachteile. So sind beispielsweise die schnellsten Jagddrohnen ungefähr um den Faktor 10 langsamer als aus Flugabwehrkanonen verschossene Geschosse. Sie verfügen daher bei sehr vielen Anflugvektoren über eine vergleichsweise geringe Geschwindigkeitsdifferenz zwischen sich selbst und der anfliegenden Drohne. Je nach Anflugvektor der Zieldrohne verändert sich daher auch die effektive Reichweite der Jagddrohne, obwohl diese selbst theoretisch 10, 20 oder 30 Kilometer weit fliegen könnte, beträgt die effektive Reichweite dann zuweilen nur fünf Kilometer oder noch weniger.
Genau diese Kosten für den Aufbau eines effektiven Raumschutzes bzw. der Verleihung der Mobilität zur Erhöhung der effektiven Reichweite werden in vielen Sales Pitchs gerne unterschlagen. Ebenso die Kosten für den Aufbau eines Sensorverbundes für die effektive und frühzeitige Aufklärung der Drohnenbedrohung. Dabei ist eben jene Aufklärungsfähigkeit die Basis für jegliche effektive Drohnenabwehr. Was man nicht sieht, wird man auch nicht bekämpfen können.
Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Ukraine ein hervorragendes Luftlagebild hat, mit dem es die anfliegenden Drohnen, Raketen und Marschflugkörper frühzeitig und sicher erkennen, identifizieren und klassifizieren kann. Dieses Luftlagebild kommt aber nicht von ungefähr. Es beginnt mit einer engmaschigen Satellitenüberwachung möglicher Startplätze, wird verfeinert mittels eines Austausches von Aufklärungsdaten verbündeter Staaten die sowohl den Luftraum als auch das elektromagnetische Spektrum weiträumig überwachen und setzt sich weiter fort mit der Gewinnung von eigenen Aufklärungsdaten durch eine Radarsensordichte die wohl weltweit einzigartig ist. Eine vergleichbare Sensordichte müsste in den europäischen Nationen erstmal großflächig aufgebaut werden. Die Kosten dafür müssten strenggenommen, wenn auch nur anteilig, der Drohnenabwehr mit zugeschlagen werden.
Selbst wenn man diesen Aspekt außer Acht lässt, ist die vermeintlich günstige Drohnenabwehr deutlich teurer als es auf den ersten Blick erscheint. Der Grund dafür liegt im Aufbau der Drohnenabwehr selbst.
Genau genommen gibt es nicht die eine Drohnenabwehr, es gibt eine Vielzahl an vermeintlich günstigen Lösungen mit denen sich mal mehr, mal weniger unterschiedliche Drohnenbedrohungen bekämpfen lassen. Die geringen Kosten für solche Systeme können zumeist nur durch eine strikte Fokussierung auf spezifische Aufgaben erzielt werden, das heißt die meisten günstigen Drohnenabwehrlösungen sind auf die Abwehr spezifischer Bedrohungen maßgeschneidert. Was einerseits eine Stärke darstellt, ist gleichzeitig eine Schwäche: Sobald sich die Bedrohung ändert, sinkt auch die Leistungsfähigkeit und somit auch der Nutzen dieser Lösungen.
Auch hier gibt es plakative Beispiele aus der Ukraine. Um beispielsweise der anfänglichen Bedrohung durch russische Shahed/Geran-Langstreckendrohnen effektiv begegnen zu können hat die Ukraine aus der Not heraus, weil einfach nichts anderes auf die Schnelle verfügbar war, mit Sky Fortress ein vernetztes Drohnenabwehrsystem entwickelt und implementiert, das im Kern aus tausenden kostengünstigen akustischen Sensoren sowie zahlreichen mobilen Flugabwehrtrupps bestand. Die Drohnen konnten mittels der Akustiksensoren geortet und deren Flugvektor bestimmt werden. Basierend darauf wurden mobile Flugabwehrtrupps in Bewegung gesetzt, die die Drohnen dann optisch aufklären und mit den lafettierten schweren Maschinengewehren bzw. Maschinenkanonen bekämpfen konnten. Diese Art der Drohnenabwehr war aber nur so lange erfolgsversprechend, solange die Drohnen tief genug für die akustische Ortung und Bekämpfung mittels einfacher Maschinengewehre/Maschinenkanonen geflogen sind.
Es hat nicht lange gedauert, bis die russischen Streitkräfte eine Anpassung der Taktik vorgenommen haben und die Drohnen nun oberhalb der effektiven Bekämpfungsreichweite der Maschinengewehre fliegen ließen. Ab diesem Zeitpunkt war eine großflächige Drohnenabwehr mit den vergleichsweise einfachen Mitteln nicht mehr in der vorher gegebenen Effektivität abbildbar. Sky Fortress ist damit sicherlich nicht gänzlich obsolet geworden, es reichte aber nicht mehr zur Abwehr der russischen Langstreckendrohnenbedrohung aus.
Aktuell in der Entwicklung und teilweise in Einführung befindliche günstige Drohnenabwehrlösungen weisen ähnliche Risiken auf. So ist beispielsweise anzunehmen, dass ein großer Teil der derzeitigen Jagddrohnen massiv an Effektivität verlieren wird, sobald die russischen Langstreckendrohnen mit leistungsfähigeren Antrieben ausgerüstet werden.
Wie bereits angesprochen, eignen sich günstige Drohnenabwehrlösungen oftmals nur für bestimmte Bedrohungen, während sie für andere gänzlich ungeeignet sind. So gibt es beispielsweise Systeme, die sehr gut große Langstreckendrohnen bekämpfen können, aber keinen Beitrag zum Schutz von kleinen Aufklärungs- oder Strike-Drohnen leisten können. Man bräuchte strenggenommen eine Bandbreite an mehreren unterschiedlichen kostengünstigen Drohnenabwehrsystemen, um die große Bandbreite an unterschiedlichen Drohnenbedrohungen effektiv bekämpfen zu können. Und von diesen unterschiedlichen Systemen braucht man eine große Menge, um einen effektiven Raumschutz – zumindest für die Dauer der Wirksamkeit dieser Systeme – aufbauen zu können. In diesem Fall sprechen wir auch nur über die Drohnenbedrohungen im aktiven Krieg. Die gänzlich unterschiedliche Bedrohung von Sabotage- und Spionagedrohnen im Friedensfall – deren Abwehr gänzlich anderen Regularien und Mechanismen unterliegt – ist hier noch überhaupt nicht berücksichtigt.
Summiert man die Einzelkosten für die Beschaffung vieler einzelner „günstiger“ Lösungen zum Aufbau eines effektiven Raumschutzes, erscheinen die Lösungen dann in Summe gar nicht mehr so günstig. Rechnet man zudem das Risiko ein, dass eine solche günstige Lösung dann noch während der Implementierungsphase oder kurz danach obsolet werden kann, weil der Gegner sich bereits darauf eingestellt hat, kippt die Rechnung gänzlich.
Generalist vs. Spezialist
In Anbetracht dieser Systematik lohnt sich ein Blick auf den Mitte der 1970er Jahre in die Bundeswehr eingeführten Flugabwehrkanonenpanzer Gepard, der seit Sommer 2022 durchgehend in der Ukraine zum Einsatz kommt und sich dort dermaßen bewährt, dass die Ukraine Berichten zufolge den Aufbau einer Gepard-Produktionslinie in der Ukraine anstrebt. Im Gegensatz zur „maßgeschneiderten“ günstigen Drohnenabwehrlösung mit teilweise begrenzter Nutzungsdauer, kann der seit 50 Jahren in Nutzung befindliche Gepard noch heute gegen eine große Zahl von Drohnenbedrohungen eingesetzt werden und zudem noch nachweislich russische Marschflugkörper und weitere Bedrohungen aus der Luft bekämpfen. Flugabwehrkanonenpanzer übernehmen quasi die Rolle des Generalisten und können gegen eine große Bandbreite an Bedrohungen eigesetzt werden.
Interessant ist hier zudem die jüngst erfolgte Beauftragung Rheinmetalls, wonach das Unternehmen Flugabwehrkanonensysteme vom Typ Skyranger 35 auf der Leopard-1-Plattform in die Ukraine liefern soll. Da das Land den Skyranger vor der Bestellung ausgiebig erproben durfte, dürfte dies neben dem Versuch eines Aufbaus eigener Fertigungslinien für den Gepard ein weiteres deutliches Indiz dafür sein, dass man selbst nicht daran glaubt, der russischen Drohnenbedrohung nicht allein mittels einfacher und günstiger Drohnenabwehrlösungen Herr werden zu können.
Der Erfolg und die Langlebigkeit des Gepards kommen nicht von ungefähr, sie ist konzeptionell begründet. Das Waffensystem ist zwar komplex und vergleichsweise teuer, es vereint aber Sensorik, Effektorik, Schutz und Mobilität – und das alles in hoher Qualität – in einer Plattform.
Viele der derzeit im medialen Fokus stehenden Systeme decken hingegen nur einen Teil dieses Gesamtkomplexes ab. Das macht sie nicht überflüssig, ganz im Gegenteil. Günstige Jagddrohnen können eingebettet in ein Gesamtsystem die Leistung des Gesamtsystems in puncto Effektivität oder Effizienz verbessern. Entscheidend dabei ist die Einbettung.
Es ist sicherlich nachvollziehbar, dass viele Produzenten günstiger Drohnenabwehrlösungen – viele davon aus der Ukraine – die Gunst der Stunde aufgreifen und die eigenen Produkte in den Vordergrund stellen. Jedem Entscheidungsträger für den Aufbau einer effektiven Drohnenabwehr sollte jedoch folgender Punkt gewahr sein: Die ukrainischen Streitkräfte publizieren seit geraumer Zeit täglich die Anzahl der angreifenden wie auch die Anzahl der abgewehrten – abgeschossen oder aufgrund von Störmaßnahmen abgelenkten – russischen Langstreckendrohnen. Interessant an diesen Zahlen ist das Delta, welches auch dann auftritt, wenn Russland nur mit rund 100 Drohnen angreift. So gibt der Generalstab der Ukraine beispielsweise an, dass Russland die Ukraine in der Nacht zum 17. September 2025 mit insgesamt 172 Shahed- und Gerbera-Kampfdrohnen sowie Drohnen anderer Typen angriffen hat, davon mehr als 100 Shahed-Drohnen. Davon wurden nach Angaben des Generalstabs nur 136 abgeschossen bzw. unterdrückt. Was mit den 36 übrigen Drohnen passiert ist, geht aus der Meldung nicht hervor.
Einen Tag später griff Russland der Ukraine zufolge mit 75 Shahed- und Gerbera-Kampfdrohnen sowie Drohnen anderer Typen an, 40 davon gehörten zu der Shahed-Klasse. 48 dieser Drohnen konnten unterdrückt oder bekämpft werden, 26 hingegen trafen sechs unterschiedliche Ziele in der Ukraine. Dieses Delta ist praktisch täglich zu beobachten. Selbst die Ukraine mit all der dort aktuell herrschenden Kriegslage und der dort eingesetzten Dichte an Luftverteidigungssystemen und -mitteln ist – wie viele im Netz verfügbare Videos und Bilder zeigen – nicht in der Lage, einen 100prozentigen Schutz vor der russischen Drohnenbedrohung aufzubauen.
Und das obwohl praktisch alle Anbieter von Drohnenabwehrsystemen sich in dem Land engagieren. Zwischen dem Anpreisen der Verfügbarkeit einer günstigen und effektiven Drohnenabwehr und der in der Ukraine zu beobachtenden Realität scheint es also eine Diskrepanz zu geben.
Entweder fehlt es den Systemen an Effektivität, oder diese sind doch nicht in der notwendigen Masse verfügbar, wie manch Anbieter günstiger Drohnenabwehrlösungen es gerne behauptet.
Zusammenfassung
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass eine effektive und effiziente Drohnenabwehr nur schwer und wenn überhaupt nur für einen gewissen Zeitpunkt erzielen lässt. Dieser Umstand ist nicht neu, die Abwehr einer Bedrohung ist häufig kostspieliger als die mit der Bedrohung verbundenen Kosten selbst.
Ein Aggressor wird immer die Schwachpunkte eines Verteidigers suchen und in diese Lücke schlagen wollen. Der Einsatz russischer Langstreckendrohnen folgt genau diesem Muster. Mittels der günstigen Wirkmittel versucht man die Luftverteidigungsfähigkeiten eines Landes auf Dauer zu überlasten, indem der Quantität vor Qualität gestellt wird. Gleichzeitig passt man die Qualität der Drohnen stetig an, um diese vor einfachen Abwehrkonzepten schützen zu können. Der Fokus auf günstige, aber maßgeschneiderte Abwehrsysteme dürfte langfristig gesehen keine effektive Lösung für die Drohnenbedrohung darstellen. Die Beschaffung und Unterhaltung tausender moderner Flugabwehrkanonenpanzer würde aber selbst für die reichsten Nationen der Welt keine wirtschaftlich tragfähige Lösung bieten.
Einen langfristigen Ausweg aus diesem Dilemma wird man vermutlich nur mit einem Mix unterschiedlicher Maßnahmen finden, zu dem sowohl günstige Jagddrohnen als auch teure Flugabwehrkanonenpanzer sowie weitere – bisher vielleicht noch gar nicht erdachte – Lösungen gehören.
Unterm Stricht lässt sich aber sagen, dass es heute keine schnell ausrollbare Drohnenabwehrlösung gibt, die sowohl in Friedenszeiten als auch im Kriegsfall effektiv und gleichzeitig günstig ist. Dafür sind die Bedrohungslage und auch die Dynamik sowie die regulatorischen Leitplanken zu unterschiedlich. Der Aufbau einer effektiven Drohnenabwehr, die sowohl Bevölkerung als auch kritische Infrastruktur vor Spionage- oder Sabotagedrohnen schützt, erfordert gänzlich andere Mittel als dies im Gefecht stehende Streitkräfte zum Schutz der kämpfenden Truppe brauchen oder für die Abwehr einer langandauernden Langstreckendrohnen-Kampagne notwendig sind. Dieser Umstand muss sowohl der Bevölkerung als auch der Politik sowie weiteren Entscheidungsträgern bewusst sein. Drohnenabwehr ist komplex und vielschichtig, gleichzeitig entwickelt sich die Drohnenbedrohung stetig weiter, demensprechend ist auch die Abwehr dieser Bedrohung komplex und nicht mit einer einzigen schnellen Beschaffung erledigt.
Waldemar Geiger


















