Voraussetzungen für den erfolgreichen Einsatz der Panzerwaffe im Zeitalter der Drohnenkriegsführung

Waldemar Geiger

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Die Drohnenkriegsführung wird zumindest in der öffentlichen Betrachtung zunehmend als das Ende der Kampfpanzerära betrachtet. Richtig implementiert und besser umgesetzt, werden Drohnen die Panzerwaffe jedoch nicht überflüssig machen, sondern vielmehr stärken.

In den Konflikten der 2000er und 2010er Jahre spielte die Panzerwaffe keine wirklich entscheidende Rolle. Der Hauptgrund dafür lag jedoch nicht in den Defiziten des Kampfpanzers selbst, sondern in der Art dieser Konflikte, bei denen die Bekämpfung von Aufständischen statt eines Duells mit einem ebenbürtigen Gegner im Vordergrund stand. Dem Kampfpanzer erging es daher ähnlich wie der Flugabwehr, vielen westliche Streitkräfte haben Investitionen in die Modernisierung dieser Waffensysteme vernachlässigt oder diese Fähigkeiten gänzlich ausgemustert.

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Die Kampferfolge Aserbaidschans im Bergkarabach-Konflikt gegen Armenien, bei denen modernste Panzerabwehrhandwaffensysteme sowie Kampfdrohnen zum Einsatz kamen, sowie die Abwehrleistungen ukrainischer Streitkräfte in den ersten Monaten der russischen Vollinvasion haben insbesondere weniger fachkundige Beobachter dazu verleitet, Abgesänge auf den Kampfpanzer zu starten. Das zunehmende Aufkommen der Drohnenkriegsführung im Ukraine-Krieg hat dann zu einem weiteren Abgesang auf den Kampfpanzer geführt. Fachleute, die sich eine Expertise abseits des gelegentlichen Studiums von Social-Media-Videos angeeignet haben, kommen zu einer deutlich differenzierteren Analyse.

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So wird zwar einhellig die Meinung vertreten, dass die Entwicklung der Drohnenkriegsführung – verbunden mit der Fähigkeit massenhaft abstandsfähige Präzisionswaffen gegen stationäre und bewegliche Ziele einsetzen zu können – eine Bedrohung für den Einsatz der Panzerwaffe auf dem aktuellen und zukünftigen Gefechtsfeld darstellt, jedoch kein Kill-Kriterium. Der Umstand, dass sowohl Russland als auch die Ukraine weiterhin beträchtliche Ressourcen für die Beschaffung, Instandsetzung und Modernisierung von Kampfpanzern aufwenden, ist nur ein Indiz für die weiterhin gegebene Relevanz der Waffensysteme auf dem Gefechtsfeld. Ähnliches gilt für die jüngst erfolgte Ankündigung des israelischen Verteidigungsministeriums, weitere Mittel bereitstellen zu wollen, um die bestehenden Panzer-Produktionskapazitäten des Landes ausbauen zu können. Es existiert schlichtweg keine Alternative die in puncto Feuerkraft, Mobilität und Schutz an den Kampfpanzer heranreicht. Nur gepanzerte Kampftruppen sind in der Lage, Raum schnell und nachhaltig zu nehmen. Kein anderes Waffensystem kann eine vergleichbare Stoßkraft entfalten und so viel „einstecken“ wie ein Kampfpanzer. Wer dies nicht glaubt, kann sich selbst anhand zahlreicher Videos im Netz überzeugen, in denen Kampfpanzer älteren Typs das Gefecht trotz mehrerer erfolgreicher Drohneneinschläge weiterführen. Gleichwohl entwickelt sich auch die Drohnenkriegsführung weiter, so dass zukünftig sicherlich auch mit Tandem-Hohlladungsgefechtsköpfen bewaffnete Strike-Drohnen das Bedrohungsniveau für Panzer nochmals erhöhen werden.

Somit muss sich auch die Panzerwaffe weiterentwickeln, um auf dem zukünftigen Gefechtsfeld eine vergleichbare Rolle wie im Kalten Krieg zu spielen. Denn eins ist klar: Für die moderne Kriegsführung ist der Kampfpanzer unverzichtbar. Ein jahrelanges Eingraben und sich gegenseitige Beschießen auf weite Distanzen bis eine Seite ermattet sollte im 21. Jahrhundert einen Anachronismus darstellen. Betrachtet man es aus der Ferne, ähnelt das heut in der Ukraine oftmals zu beobachtende Gefecht im Grunde der Kriegsführung des 1. Weltkrieges, mit dem Unterschied, dass die Wirkung auf Distanz nicht ausschließlich durch die Artillerie erzielt wird, sondern durch Artillerie und Drohnen. Aus der Kriegsgeschichte wissen wir jedoch, dass die Panzerwaffe mit ihrer mobilen Art der Gefechtsführung ein probates Mittel ist, um genau solche Stellungskriege zu vermeiden. Die Stoßkraft der Panzerwaffe ermöglicht Durchbrüche und Vorstöße in die Tiefe des feindlichen Hinterlandes und bildet damit die Voraussetzung für eine schnelle Entscheidung.

Damit großangelegte Panzervorstöße auch zukünftig möglich sein können, muss neben dem Boden und der Luft auch der bodennahe Luftraum – in dem sich die Masse der neuen Drohnenbedrohung für den Panzer tummelt – beherrscht werden. Zusammengedampft auf das Wesentliche erscheint die Lösung dafür vergleichsweise einfach: Wenn keine feindlichen Drohnen fliegen können, dann gibt es auch keine Drohnenbedrohung.

Die Drohnenbedrohung

Das Erreichen dieses Zustandes ist keine Utopie. Strenggenommen ist der Zustand verhältnismäßig schnell erreichbar. Denn für den erfolgreichen Einsatz der Panzerwaffe ist es zunächst einmal nicht notwendig, einen „drohnenfreien“ Luftraum auf der ganzen Frontbreite zu erzielen. Man muss einen solchen Luftraum lediglich dort kreieren, wo die Panzerwaffe kämpft und nur für den Zeitraum, in dem die Panzerwaffe kämpft. Anstatt 1.000 oder 2.000 km Frontlinie 24 Stunden am Tag sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr, wären dies eher 50 bis 100 km und Zeitperioden von Tagen und wenigen Wochen. Weiterhin sind Wege zu finden (beispielsweise Drohnennetze), wie die Versorgung der im Raum kämpfenden Truppe nachhaltig sichergestellt werden kann, ohne dass die für den Angriff notwendige Präsenz an Drohnenabwehrfähigkeiten und Mitteln dauernd vor Ort verbleiben muss.

Zudem sollte man sich der Art der Drohnenbedrohung für die Panzerwaffe gewahr werden. Die Hauptbedrohung geht von zwei Drohnentypen aus. Auf der einen Seite sind da hochentwickelte Strike-Drohnen bzw. Loitering Munition wie beispielsweise die russische Lancet. Solche Drohnen tragen Gefechtsköpfe die dazu geeignet sind, selbst hochgeschützte Kampfpanzer beim ersten Treffer zu erfolgreich zu bekämpfen. Solche Systeme sind aber auch teuer in der Herstellung und vom Preis her mit denen von Panzerabwehrlenkflugkörpern vergleichbar. Den zweiten Drohnentyp stellen günstige FPV-Drohnen dar, die zwar nur wenige hundert Euro in der Herstellung kosten sollen, aber für sich alleine keine Wirkung gegen Kampfpanzer garantieren. Aus unterschiedlichen Interviews mit FPV-Piloten und Frontberichten geht hervor, dass der Einsatz dieser einfachen und kostengünstigen Drohnen mehrere Herausforderungen birgt.

So sollen aufgrund von eigenen und feindlichen Störmaßnahmen im Durchschnitt nur 20 Prozent der Drohnen überhaupt das Ziel erreichen. Selbst wenn ein Ziel erreicht wird, verpufft die Wirkung der Drohne oftmals an der Panzerung des Fahrzeuges. Das Netz ist voll von Videos die zeigen, wie Kampfpanzer mehrere FPV-Drohnen „schlucken“ und den Auftrag weiter fortsetzen. Man stelle sich vor, eine Panzerfaust, hätte eine Trefferwahrscheinlichkeit von 20 Prozent und danach noch nicht mal eine Garantie, dass selbst ein getroffener Panzer bekämpft worden ist –  keine Armee der Welt würde diese Panzerfaust beschaffen. Beim Lesen dieser Zeilen wird einem sicherlich Zweifel aufkommen, schließlich hat man ja sicherlich selbst unzählige Videos aus dem Ukraine-Krieg gesehen, die erfolgreiche Angriffe von FPV-Drohnen auf Fahrzeuge – selbst hochgeschützte Kampfpanzer – zeigen. Hier sollte jedoch bedacht werden, dass generell nur Erfolgsvideos vorgeführt werden und dass man Videos von gescheiterten Drohneneinsätzen nie zu Gesicht bekommt. Darüber hinaus zeigen viele dieser Videos – besonders die die Kampfpanzer betreffen – , wie Drohnen bereits im Vorfeld aufgegebene oder immobilisierte Waffensysteme bekämpfen. Wer genau hinsieht, kann zudem sehr oft durch Artillerieeinschläge verursachte Krater erkennen. Zu beachten ist auch der Aspekt, dass die Masse sowjetischer Panzertechnik abseits des Kampfpanzers keinen Schutz gegen Panzerabwehrwaffen bietet. Selbst Schützenpanzer bieten – insbesondere von der Seite – nur Schutz vor kleinkalibrigem Flachfeuer. Dies ist auch einer der Gründe dafür, dass russische Besatzungen improvisierte Panzerung an die Fahrzeuge anbringen.

Wer sich zudem mit Statistik auskennt, weiß auch wie der Terminus „Durchschnitt“ richtig zu deuten ist. Er bezieht sich nämlich auf die Gesamtheit und nämlich nicht, dass von fünf gestarteten Drohnen in einem Frontabschnitt eine immer durchkommt, sondern fasst alle Drohneneinsätze zusammen. Viel wahrscheinlicher ist, dass es Frontabschnitte gibt, wo die Drohnen „ungestört“ operieren können und somit ein Großteil der eingesetzten Drohnen das Ziel erreicht, während in den „gestörten“ Gebieten fast keine der „FPV-Drohnen“ erfolgreich ist. Zudem beziehen sich alle Angaben auf eine recht statische Gefechtsführung. In einem dynamischen Umfeld mit unklarem Frontverlauf dürfte der Einsatz der Drohnen sich deutlich schwieriger gestalten. Auch der Einsatz von Lichtwellenleiter-Drohnen dürfte in einem solchen Szenario schwieriger werden, da Feindbewegungen auch die Bewegung eigener Truppenteile auslösen und so die Gefahr der Lichtwellenleiter-Unterbrechung deutlich zunimmt.

Wird man sich dieses Umstandes bewusst, erscheint die Lösung nicht mehr unmöglich, wenn auch noch immer nicht trivial.

Drohnenabwehr der Zukunft

Die Frage der Fragen ist nun also, wie man einen Teilabschnitt einer Front für einen begrenzten Zeitraum relativ „drohnenfrei“ bekommt, so dass das klassische Gefecht der verbundenen Waffen wieder erfolgversprechend gekämpft werden kann. Die Antwort darauf besteht aus einem Mix aus unterschiedlichen Systemen und Taktiken, die sich aus der Geschichte der Kriegsführung ableiten lassen. Drohnen sind und bleiben unterm Strich betrachtet nichts anderes als vergleichsweise simple Flugzeuge. Flugzeuge sind in der Kriegsführung aber nichts Neues. Der Unterschied zwischen klassischen Kampfflugzeugen und Drohnen liegt vereinfacht gesagt in der Masse. Während Kampfflugzeuge teure und hochkomplexe Waffensysteme sind, von denen selbst die wohlhabendsten Nationen nur wenige tausend Exemplare besitzen, sind Drohnen äußerst günstig und daher durch den Masseneinsatz gefährlich. Wo es früher ausreichend war, einzelne Flugabwehrfähigkeiten vorzuhalten, die große Räume schützen konnten, erfordert die Drohnenabwehr einen quantitativ höheren Ansatz, der zudem im Hinblick auf Sensorik und Effektorik mehrschichtig aufgebaut sein muss. Schließlich müssen Drohnen wie alle anderen Ziele auch zuallererst aufklärt werden, bevor man diese bekämpfen kann.

Erste Schicht – Flugabwehr

Die erste Schicht einer mehrschichtig ausgelegten Drohnenabwehr bildet die Flugabwehr. Diese müsste aber im Gegensatz zum Ansatz aus dem Kalten Krieg sowohl in der Anzahl der Wirksysteme als auch der Variation der Systeme quantitativ spürbar gesteigert werden. Wo im Kalten Krieg vielleicht zwei Flugabwehrkanonenpanzer Gepard eine im Schwerpunkt angreifende Panzerkompanie vor Bedrohungen aus der Luft geschützt haben, müsste dies zukünftig deutlich anders organisiert werden. Als Blaupause dürfte sich hier eher die ehemalige Struktur der Panzerjäger, als die der Flugabwehr eignen, die erst ab der Divisionsebene abgebildet wurde. Die mit der Hauptaufgabe „Drohnenabwehr“ betrauten Kräfte müssten sich zukünftig bis auf der Ebene des Bataillons wiederfinden.

Hauptaugenmerk dieser Kräfte läge in der Bekämpfung leistungsfähiger Strike-Drohnen sowie insbesondere feindlicher Aufklärungsdrohnen, die die Voraussetzung für einen erfolgreichen FPV- und Strike-Drohnen-Einsatz bilden. Damit der Einsatz eigener Drohnen trotzdem weiterhin möglich ist, müssen diese Systeme über ein möglichst genaues Luftlagebild verfügen und zielsicher zwischen eigenen sowie feindlichen Systemen unterscheiden können.

Als Konsequenz dürfte daher nicht nur der Bedarf an vorne mitfahrenden Flugabwehrkanonenpanzern – diesmal in der moderneren Ausprägung Skyranger 30 auf Boxer – deutlich steigen. Die Fahrzeuge müssten unter Umständen auch in größerer Zahl und noch weiter vorne mit der Kampftruppe operieren. Unter Umständen bedarf aus dazu auch eines Skyrangers auf Kette, damit dieser mit der Mobilität der Panzertruppen mithalten und diese im Gefecht eng begleiten kann. Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass man eine generell größere Dichte an Flugabwehrkanonensystemen braucht. Es würde sicherlich bereits ausreichen, wenn möglichst viele solche Systeme im Vorfeld einer Operation in dem jeweiligen Raum zusammengezogen werden könnten, um so eine zeitlich und räumlich begrenzte relativ höhere Dichte im Operationsgebiet der Panzerwaffe herstellen zu können.

Mit seiner Sensorik, die Drohnen auch während der Bewegung aufklären kann, und den geplanten Effektoren – Bordkanone und Drohnenabwehrflugkörper – ist der Skyranger zwar für die Abwehr der Drohnenbedrohung bestens gerüstet, gleichwohl ist auch seine Reichweite beschränkt und zudem haben bodengebundene Radare immer den Nachteil, dass sich mögliche Bedrohungen unbemerkt im Radarschatten (Bewuchs, Bauten, Geländeerhebungen, …) annähern können.

Es bedarf daher auch einer luftgestützten Drohnenabwehrkomponente, um so Ziele jenseits der Bekämpfungs- und Detektionsreichweite des Skyrangers angreifen zu können. Während Flugabwehrkanonenpanzer den Schutz am Boden organisieren, sorgen Schutzdrohnen, die die Kampftruppen begleiten, für weiteren Schutz des bodennahen Luftraums vor feindlichen Drohnen. Ähnlich wie in der klassischen Luftkriegsführung, bei der nur ein Teil der Luftverteidigung durch bodengebundene Luftverteidigungssysteme und Sensoren organisiert ist und insbesondere im frontnahen Einsatz durch luftgestützte Mittel ergänzt wird – luftgestützte Sensoren erweitern dabei die Aufklärungsreichweite und Jagdflugzeuge, die zur Luftüberwachung oder Patrouille mit Kampfauftrag (Combat Air Patrol) eingesetzt werden und verteidigen den Einsatzraum gegen feindliche Kampfflugzeuge –, muss auch die Drohnenabwehr mehrdimensional gedacht werden.

Mit Radar- und ESM- sowie elektrooptischen Sensoren bestückte Aufklärungsdrohnen kommt dabei die Aufgabe zu, besonders tief fliegende Feinddrohnen aufzuklären und zu melden. Die Bekämpfung kann dann durch bodengebundene Systeme oder günstige Abfangdrohnen erfolgen, welche entweder von den Panzern mitgeführt werden oder von in der Luft befindlichen Mutterschiff-Drohnen gestartet werden. So können auch beispielsweise auch Ziele bekämpft werden, die außerhalb der Wirkreichweite des Skyrangers liegen.

Dabei ist es auch nicht problematisch, wenn eine solche Jagd- oder Interceptordrohne ein Vielfaches einer FPV-Drohne kostet, solange sie diese zuverlässig (beispielsweise Wahrscheinlichkeit > 90 Prozent) abwehren kann. Es sei in diesem Zusammenhang an den Umstand erinnert, dass ein Großteil der FPV-Drohnen sein Ziel nicht erreicht. Ökonomisch gesehen liegen die Kosten eines FPV-Einsatzes, bei dem nur 20 Prozent der Drohnen ihr Ziel erreichen, nicht bei 500 oder 1.000 Euro, sondern bei 2.500 bzw. 5.000 Euro.

Je nach Fortschritt der Entwicklung ist zukünftig sicherlich auch der Einsatz von wiederverwendbaren Jagddrohnen vorstellbar, die Feinddrohnen mit bordeigenen Waffen – Schrotflinten oder Sturmgewehren – bekämpfen.

Darüber hinaus dürften zukünftig auch die Heeresaufklärungstruppe sowie die Kräfte der Elektronischen Kampfführung (EloKA) ebenfalls einen wesentlichen Beitrag zur Drohnenabwehr beitragen. Einzelne Radarfähigkeiten der Aufklärungstruppe sowie weitere fahrzeuggebundene ESM-, Optik- und Akustik-Sensoren dürften sicherlich auch dazu geeignet sein, feindliche Drohnen aufzuklären und das Lagebild zu verdichten. Gleiches gilt für die EloKa, die zudem mittels leistungsfähiger Störfähigkeiten auch aktiv gegen den feindlichen Drohneneinsatz vorgehen könnte.

Schlussendlich müsste auch über den Aufbau von Fähigkeiten zur aktiven Drohnenbekämpfung nachgedacht werden. Der Kampftruppe voraus operierend, würde es diese Fähigkeit den Streitkräften ermöglichen, feindliche Drohnenkräfte und Mittel der Drohnenkriegsführung – Startplätze, Kommunikationssysteme, erkannte Pilotenstellungen, etc. – im Vorfeld aufklären und bekämpfen zu können, so dass diese sich gar nicht erst im Operationsraum der angreifenden Panzerverbände auswirken können. Ob eine solche Fähigkeit in einer eigenständigen Struktur – beispielsweise einem Drohnenverband auf Brigade- oder Divisionsebene – aufgeht oder innerhalb bestehender Strukturen wie der Streitkräftegemeinsamen Taktischen Feuerunterstützung abgebildet wird, ist dabei eher nebensächlich. Wichtiger wäre es, dass diese Fähigkeit zur Verfügung steht. Jede nicht gestartete Drohne ist schließlich eine, die es weniger zu bekämpfen gilt.

Zweite Schicht – qualifizierte Fliegerabwehr bzw. Drohnenabwehr

Während die „Profis“ die erste Verteidigungslinie gegen feindliche Luftfahrzeuge und Drohnen bilden, handelt es sich bei den zur qualifizierten Fliegerabwehr bzw. Drohnenabwehr befähigten Kräften um klassische Kampftruppensoldaten, die jedoch aufgrund einer besseren Ausbildung und Ausrüstung zu einem besseren Wirken gegen die Drohnenbedrohung befähigt sind. Am besten trifft wohl ein Vergleich mit dem sogenannten DMR-Schützen (Designated Marksman Rifle) in der Infanteriegruppe zu. Dieser verfügt zwar über ein leistungsfähigeres Zielfernrohrgewehr und kann daher weiter und gezielter als der Rest der mit Sturmgewehren ausgerüsteten Infanteriegruppe schießen, ein Scharfschütze ist er dadurch noch lange nicht. Nicht nur verfügt der Scharfschütze über eine leistungsfähigere Waffe; die spezielle Ausbildung des Scharfschützen befähigt ihn auch dazu, gänzlich anders zu operieren.

Konkret könnten hier bestimmte eingeführte Waffensysteme dazu ertüchtigt werden Drohnen – insbesondere Kleinstdrohnen – effektiver aufklären und bekämpfen zu können. Dazu zählen neben Schützenpanzern auch eine breitere Ausstattung der Infanterie mit entsprechenden Feuerleitvisieren, die Trefferwahrscheinlichkeit von Sturmgewehren gegen Drohnen im Nahbereich erhöhen. Da auch hier der Grundsatz gilt, dass nur die Ziele bekämpft werden können, die auch aufgeklärt wurden, müssten diese Kräfte entweder mit entsprechender Sensorik ausgestattet werden und/oder durch das Luftlagebild der Flugabwehr voreingewiesen werden.

Zusätzlich dazu könnten die Kampftruppe auch mit eigenen Schutzdrohnen für den Nahbereich ausgestattet werden. Je nach Bedarf und Eignung können diese entweder in einem extra dafür vorgesehenen Fahrzeug oder disloziert auf die ganze Gefechtsfahrzeugflotte mitgeführt werden.

Dritte Schicht – Drohnenabwehr aller Truppen

Ähnlich der klassischen Fliegerabwehr aller Truppen, muss verstanden werden, dass die Drohnenabwehr eine querschnittliche Tätigkeit ist. Egal ob Verpflegungstrupp, Nachschubsoldat oder im Angriff befindlicher Panzergrenadier, jede Soldatin und jeder Soldat verfügt über Augen und Ohren, mit denen er Drohnen detektieren kann. Wenn möglich kann die eigene Waffe oder das eigene Waffensystem zur Wirkung gegen die Drohne eingesetzt werden, wenn nicht, muss die Drohne samt Flugrichtung umgehend über das angebundene Battle Management System weitergemeldet werden, so dass zur Drohnenabwehr befähigte Kräfte sich dann dieser Gefahr annehmen können.

Vierte Schicht – Plattformschutz

Die letzte Schicht eines erfolgreichen Drohnenabwehrkonzepts bildet der Plattformschutz, also Systeme, die nicht den Raum, sondern nur das jeweilige Fahrzeug selbst schützen. Ein solcher Plattformschutz müsste zukünftig sowohl Systeme zur Detektion und Identifikation von Drohnen im Nahbereich mit Fähigkeiten zum Stören als auch kinetischen Bekämpfen vereinen.

Neben optisch aufklärenden Systemen sind dazu sicherlich auch Systeme zweckmäßig, die Drohnen anhand von akustischer und oder elektromagnetischer Signatur detektieren können. Was Störmaßnahmen angeht, sollte sowohl über den Einsatz von Jammern für den Nahbereich nachgedacht werden als auch die Integration von laserbasierten Softkill-Systemen, die in der Lage sind, Drohnensensorik zu blenden, und so selbst Lichtwellenleiter-Drohnen effektiv zu stören. Nebelmittelwurfanlagen zum Ausbringen von Multispektralnebel sind bereits heute Standard bei modernen Gefechtsfahrzeugen der Bundeswehr, so dass über die Integration dieses Schutzelementes nicht weiter nachgedacht werden muss. Die Befähigung von Waffenstationen zum gezielten Bekämpfen von angreifenden Kleinstdrohnen sollte ebenfalls dazu beitragen, die Drohnenbedrohung für das jeweilige Fahrzeuge noch weiter zu reduzieren. Die Drohnen, die es doch in die Nähe schaffen, müssten schlussendlich durch die zunehmend in Einsatz kommenden abstandsaktiven Hard-Kill-Schutzsysteme wie beispielsweise das vom Leopard 2 A8 bekannte Trophy abgefangen oder durch die Panzerung des Fahrzeuges (Käfig, Reaktiv- und Passivpanzerung) „geschluckt“ werden.

Fazit

Der Einsatz von Drohnen ist keine Einbahnstraße, die nur der vom Feind präferierten Art und Weise der Kriegsführung Nutzen bringen kann. Entscheidend ist ausschließlich das Vermögen der Streitkräfte die Drohnenkriegsführung besser führen zu können, als es der Gegner vermag. Westliche Nationen sind hier historisch im Vorteil was sowohl Einsatz als auch Entwicklung und Produktion von modernen Kriegstechnologien und -taktiken angeht. Gerade Deutschland hat eine sehr innovative Drohnenindustrie, von der auch ein Großteil Erfahrungen in der Ukraine sammelt. Kombiniert mit der traditionell starken deutschen sowie europäischen Rüstungsindustrie im Bereich der Landkriegsführung existiert eine sehr gute Ausgangsbasis für die Weiterentwicklung der Panzerwaffe im Zeitalter der Drohnenkriegsführung. Während sich die Diskussion aktuell sehr stark auf Aspekte „Drohne gegen Panzer“ oder „Drohne gegen Kampfhubschrauber“ sowie „Drohne gegen Artillerie“ fokussiert, wäre es ratsamer, den Fokus auf die Suche eines Weges zu richten, an dessen Ende die bestmögliche Kombination alle Elemente stehen könnte.

Das effektive Abstimmen und Zusammenbinden der einzeln aufgeführten Schutzsysteme und Schichten ist sicherlich nicht trivial, aber für die Industrie mit entsprechender Finanzierung und Priorisierung sicherlich leistbar. Viel herausfordernder und zeitaufwendiger wird die Aufgabe der Truppe, alle aufgeführten Kräfte und Mittel aufzustellen und die einzelnen „Zahnräder“ und „Zahnrädchen“ durch Ausbildung und Übung so abzustimmen, dass das Drohnenabwehr-Getriebe gut geölt genau die Leistung erbringt, die benötigt wird. Aber auch hier ist zu bedenken, dass die beschriebene Ambition einen möglichen Optimal-Zustand darstellt, bei dem die eigene Drohnenabwehr den Himmel „feindfrei“ hält, während die eigenen Drohnen unbehelligt operieren können. Es wäre schon viel gewonnen, wenn in den ersten Schritten der Himmel peu à  peu „feindfreier“ gehalten werden könnte. Gleichzeitig muss diese Fähigkeit mit dem Vorgehen der Kampftruppe synchronisiert werden, damit das mobil geführte Gefecht im Sinne des Gefechtes der verbundenen Waffen umgesetzt werden kann.

Die Bundeswehr sollte die Drohnenkriegsführung daher als Chance sehen bzw. nutzen, um das Gefecht der verbundenen Waffen weiterzuentwickeln. Sollte es beispielsweise gelingen, den bodennahen Luftraum zu beherrschen und so dem Feind den Einsatz seiner Drohnen verwehren, während die eigenen Drohnen wirken können, dürfte die Panzerwaffe noch mehr an Stoßkraft entfalten können, als es heute der Fall ist. Die eigenen Drohnen könnten beispielsweise das Situationsbewusstsein der Panzerbesatzungen bezogen auf feindliche Panzerabwehrfähigkeiten, Sperren und Kräfte verbessern und so das Schutzniveau der Truppe erhöhen und gleichzeitig ein agileres Vorgehen ermöglichen. Darüber hinaus könnten eigene Strike-Drohnen die Feuerunterstützungsfähigkeiten des Gegners unterdrücken helfen und den Einsatz mechanisierter Kräfte des Feindes behindern oder gänzlich abwehren.

Waldemar Geiger