Nachdem es der US-Küstenwache am 20. Dezember nicht gelungen war, den unter US-Sanktionen stehenden Öltanker M/V Bella 1 zu entern, ist es einem Prisenkommando der US-Streitkräfte heute gelungen, das Schiff zu entern und in US-Besitz zu nehmen.
Wie es aus einem Beitrag des U.S. European Command auf der Plattform X hervorgeht, wurde das Schiff im Nordatlantik aufgrund eines Haftbefehls eines US-Bundesgerichts beschlagnahmt, nachdem es von der USCGC Munro, einem Schiff der US-Küstenwache, verfolgt worden war.
Der Tanker soll gegen US-Sanktionen verstoßen und iranisches Öl transportiert zu haben – in der Vergangenheit beförderte es venezolanisches Rohöl, laut Medienberichten ist das Schiff derzeit jedoch leer. Die M/V Bella 1 war auf dem Weg nach Venezuela von der US-Küstenwache aufgebracht worden und war nach einem gescheiterten Enterversuch in Richtung Nordatlantik umgekehrt. Dabei wurde das Schiff offenbar durchgehend von der US-Küstenwache verfolgt.
Während der Flucht wurde die M/V Bella 1 auf den Namen Marinera umbenannt und fuhr von da an unter russischer Flagge. Medienberichten zufolge hat Russland zudem ein U-Boot und andere Schiffe in Bewegung gesetzt, um den Tanker über den Atlantik zu eskortieren. Beide Maßnahmen haben die USA offensichtlich nicht davon abgehalten, das Schiff heute Nachmittag mittels eines Prisenkommandos der US-Streitkräfte aufzubringen.
Von der Bella-1-Besatzung geschossene Bilder, die vom russischen Sender RT veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass das Prisenkommando durch US-Spezialkräfte gestellt wurde. Zu sehen ist ein Hubschrauber des Typs MH-6M Little Bird inklusive erkennbaren Kommandosoldaten an den Kufen des Hubschraubers.
Der Hubschraubertyp wird ausschließlich von Piloten des 160th Special Operations Aviation Regiment (Airborne), kurz 160th SOAR, geflogen. Das 160th SOAR, auch als Night Stalkers bekannt, stellt die Lufttransportkomponente der Spezialkräfte der US-Streitkräfte. Die kleinen wendigen Little Birds können jeweils bis zu vier Kommandosoldaten direkt an den einsatzkritischen Sektionen eines Schiffes absetzen. Da der Hubschraubertyp über keine Luftbetankungsfähigkeit verfügt und zudem nur eine begrenzte Reichweite aufweist, dürfte der Zugriff von einer in der Nähe befindlichen Seeplattform erfolgt sein.
Dem U.S. Southern Command ist es in der Karibischen See zudem fast zeitgleich gelungen, mit der M/T Sophia einen weiteren Tanker zu entern und in US-Besitz zu nehmen.
Waldemar Geiger











