Nachdem der Haushaltsausschuss des Bundestages bereits im November die entsprechenden Mittel für den Abschluss einer Rahmenvereinbarung in Höhe von rund 580 Millionen Euro freigegeben hatte, ist das belgische Unternehmen Sioen Industries NV bereits am 18. Dezember 2025 vom Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw mit der Lieferung der sogenannten Stationären Multispektrale Tarnausstattung (SMT) beauftragt worden. Mittels der Rahmenvereinbarung sollen bis zu 219.261 Multispektral-Tarnnetz-Sätze, aufgeteilt auf verschiedene Ausprägungen und Netzgrößen, sowie bis zu 104.536 Sätze an Stützausstattungen für die Bundeswehr beschafft werden. Dies geht aus einer erst heute veröffentlichten Meldung des BAAINBw auf der europäischen Online-Vergabeplattform TED hervor. In einem ersten Schritt wird jedoch nur Tarnausstattung im Wert von etwa 48 Millionen Euro abgerufen, wie hartpunkt bereits vor geraumer Zeit mit Verweis auf gut unterrichtete Kreise berichtet hat.
Welche Tarnnetze genau beschafft werden, ist unbekannt. Die Sioen-Marke SIOCAM hat unterschiedliche Multispektralnetze – Einschicht, Mehrschicht, 2,5D – im Angebot, die je nach Ausstattung neben der optischen Signatur auch die Signatur im NIR-, SWIR-, TIR- und Radar-Bereich reduzieren. Aus der TED-Meldung geht hervor, dass sich Sioen gegen drei andere Hersteller durchgesetzt hat.
Das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw hat im Rahmen des Vorhabens „Stationäre Multispektrale Tarnausstattung (SMT)“ bereits im Sommer 2024 einen Teilnahmewettbewerb eröffnet, der die Bundeswehr mit eben jenen modernen Tarnnetzen versorgen soll, die nicht nur visuell tarnen, sondern auch die Signatur in weiteren Spektren reduzieren. Die SMT soll nach Angaben des BAAINBw den querschnittlichen Bedarf der gesamten Bundeswehr decken und die in Nutzung befindlichen Modelle zur stationären Tarnung ersetzen. Wie das BAAINBw in der TED-Mitteilung im Sommer 2024 schrieb, dient das Projekt der langjährigen Ausstattung aller Truppenteile und Projekte der Bundeswehr mit Tarnnetzen unterschiedlicher Größe für verschiedene Umgebungen (Wald, Wüste, Schnee, Urban) sowie der notwendigen Stützausstattung.
Künstliche Tarnmittel wie Tarnnetze oder Tarnanstriche im Verbund mit natürlichen Tarnmitteln wie Bewuchs können die visuelle Aufklärung erschweren, stoßen aber spätestens dann an ihre Grenzen, wenn die Aufklärung beispielsweise mittels Radartechnik oder Thermalkameras erfolgt. Um die Aufklärung durch solche Systeme zu erschweren, gibt es sogenannte Multispektraltarnnetze. Solche Netze sind in der Lage, mehr als nur ein Spektrum – das visuelle – zu tarnen. Wobei tarnen nicht bedeutet, dass man gänzlich unsichtbar wird, sondern vielmehr ein Zustand erreicht wird, der die Detektionsreichweite signifikant verringert. Multispektraltarnnetze sind in der Lage, mindestens zwei teilweise aber auch mehr Spektren zu tarnen. So kann beispielsweise die thermische (teilweise vom Nahinfrarotbereich bis hin ins UV-Spektrum) und oder elektromagnetische Signatur von Objekten verschleiert bzw. reduziert werden, so dass die Aufklärungsreichweite signifikant verringert wird. Die „höhere“ Tarnwirkung solcher Netze geht neben dem höheren Preis oftmals, abhängig vom Spektrum, auch mit einem höheren Gewicht sowie Einschränkungen beim Empfang von Funk- und Navigationssignalen einher.
Waldemar Geiger


















