Panzerstahl ist in diesen Tagen ein gefragtes Gut. Denn im Rahmen der Bundeswehr-Aufrüstung werden in den kommenden Jahren tausende neue Fahrzeuge beschafft, die mit hochfestem Stahl geschützt werden müssen. Soll dieser Stahl im eigenen Land gesourct werden, stehen Lieferanten etwa aus dem Saarland oder Niedersachsen bereit.
Die niedersächsische Salzgitter AG ist gerade dabei, den Bundeswehr-Zertifizierungsprozess für Panzerstähle abzuschließen. Nach Aussage von Gunnar Groebler, Vorstandsvorsitzender des Stahlriesen, kann das Unternehmen jedoch noch mehr, nämlich ganze Baugruppen liefern. Denn die Salzgitter AG verfüge über umfangreiche Kapazitäten zur Weiterverarbeitung, sagt er. Wie er am Dienstag am Rande der Handelsblatt-Konferenz „Wirtschaftsfaktor Rüstung“ im Gespräch mit hartpunkt erläuterte, beherrscht sein Unternehmen zahlreiche Fertigungsverfahren, darunter Schneiden, Biegen, Schweißen, Bohren und Fräsen. „Insofern sind wir also in der Lage, auch Baugruppen für Fahrzeuge vorzufertigen und damit letztendlich insbesondere Systemhäusern ein deutlich kompletteres Angebot zu liefern als nur das einfache Blech“, so Groebler. Das stoße auf große Resonanz.
Die Salzgitter AG hatte das Segment der hochfesten Stähle, die für den Panzerbau geeignet sind, erst 2021 von thyssenkrupp übernommen und nach eigenen Angaben weiterentwickelt. Neben der Rezeptur für den Stahl gehört das richtige Walzen und der Abkühlungsprozess, welcher entscheidend für die späteren Stahleigenschaften ist, zum Kern-Know-how für die Panzerstahlfertigung.
Die Weiterverarbeitungsbetriebe des Konzerns sind den Worten Groebler zufolge schon lange mit der Verarbeitung von Sicherheitsstählen befasst, wenn auch bislang noch nicht mit dem eigenen, sondern mit Drittprodukten. Das werde jetzt umgestellt. Aber man sei voll zertifiziert und könne entsprechend in die einzelnen Rüstungsprojekte liefern, betont der Salzgitter-Chef. Sein Unternehmen könne prinzipiell auch die Wannen für den Kampfpanzer Leopard oder den Schützenpanzer Puma schweißen.
Wie der Salzgitter-Chef erläutert, ist sein Konzern bei der Produktentwicklung grundsätzlich soweit, sämtliche hochfesten Stähle für den Kampfpanzer Leopard zu liefern. Man befinde sich im Prozess, die im Rahmen der technischen Lieferbedingungen erforderlichen Zulassungen zu erlangen. Die Zuständigkeit dafür liegt bei der Wehrtechnischen Dienststelle 91 in Meppen. „Wir haben die erste Zulassung erhalten im Dickenbereich von 6 bis 16 Millimeter. Wir sind aktuell in den weiteren Freigabeprozessen. Ich erwarte, dass wir weitere Freigaben noch dieses Jahr erhalten seitens der Bundeswehr, sodass wir dann das Spektrum auch entsprechend abdecken können“, sagt Groebler.
Die Salzgitter AG befindet sich seiner Aussage zufolge mit verschiedenen Anbietern aus dem Bereich Defence in Gesprächen über die Belieferung mit Stählen. In der Zukunft erwartet er nicht nur Geschäft aus Deutschland, sondern auch aus Europa, da es nur wenige Anbieter für die angebotenen Spezialstahls gebe.
Für den Walzprozess verfügt das Unternehmen über modernes Fertigungs-Know-how mit einem Hochleistungsaggregat am Standort Ilsenburg mit einer Kapazität von etwa 200.000 Jahrestonnen, wie Groebler erläutert. Diese Kapazität werde auch für zivile Anwendungen eingesetzt, stehe aber prinzipiell für Rüstungsanwendungen zur Verfügung. Der Salzgitter-CEO geht davon aus, dass bei entsprechender Nachfrage die Fertigung schnell nach oben angepasst werden könnte. Denn die Stahlindustrie sei von Zyklen geprägt und in der Lage, einen schnelle Ramp-up zu gewährleisten. Groebler spricht in diesem Zusammenhang von atmender Produktion.
Lars Hoffmann














