Die Bundeswehr beabsichtigt offenbar den Abschluss einer Rahmenvereinbarung für die Beschaffung von rund 500 Raketenartilleriesystemen des Typs MARS 3 – auch bekannt als EuroPULS. Das hat hartpunkt aus mehreren gut informierten Kreisen erfahren. Rund die Hälfte der im Rahmenvertrag enthaltenen Systeme ist dem Vernehmen nach für die Bundeswehr vorgesehen, die andere Hälfte stünde bei Interesse verbündeten Nationen zur Verfügung, die über den Vertrag die Systeme zu den gleichen Konditionen wie die Bundeswehr beschaffen könnten. Mit dem Sachverhalt vertraute Kreise gehen davon aus, dass die parlamentarische Befassung für dieses Beschaffungsvorhaben im zweiten Halbjahr 2026 erfolgen soll.
Auch bei der Munition will man im Verteidigungsministerium offenbar größerer Rahmenverträge schließen. Hier gehen Beobachter davon aus, dass die parlamentarische Befassung bereits im ersten Halbjahr erfolgen könnte. Gut informierten Kreisen zufolge sollen in einem ersten Aufschlag Artillerieraketen mit einer Reichweite von 150 km für mehrere Milliarden Euro beschafft werden. Bis 2030 soll der Truppe dem Vernehmen nach eine niedrige fünfstellige Zahl dieser Raketen zulaufen. In den Folgejahren plant man offenbar mit weiteren Zuläufen von mehreren Tausend Raketen pro Jahr.
Beobachter gehen zudem davon aus, dass in einem nächsten Schritt weitreichendere Raketen mit einer Reichweite von 300 km sowie Loitering-Munition-Systeme mit vergleichbaren Reichweiten beschafft werden sollen. Zudem besteht offenbar ein Bedarf für Sperrraketen mit einer Reichweite von über 100 km. Ebenso werden dem Vernehmen nach Überlegungen über die Beschaffung weiterer Varianten – wie beispielsweise einer Rakete mit Suchzündermunition (SMArt) – angestellt. Entsprechende Bedarfe wurden in der Vergangenheit durch Bundeswehrvertreter an unterschiedlicher Stelle formuliert.
Mittel- bis längerfristig wäre wohl auch eine Beschaffung von Raketen oder Flugkörpern mit einer Reichweite von 500 km im Bereich des Möglichen. Hier ist aber öffentlich noch wenig bekannt. Produktseitig könnte dies unterschiedlich abgebildet werden.
So entwickelt MBDA Deutschland beispielsweise seit geraumer Zeit an einer Joint Fire Support-Missile, die von unterschiedlichen Plattformen (Land, Luft und See) verschossen werden soll und deren angepeilte Reichweite mit rund 500 km angegeben wird. Aber auch die ursprünglich als Seezielflugköprer konzipierte RBS15 von Saab sowie die NSM Kongsberg werden immer wieder als mögliche Flugkörperkandidaten für die Bewaffnung des MARS 3 genannt.
Auf dem Feld klassischer Artillerieraketen sieht es ähnlich aus. Theoretisch stünde in wenigen Jahren eine breite Auswahl zu Verfügung. Neben der Precision Strike Missile von Lockheed Martin, sollen sowohl der südkoreanische Rüstungskonzern Hanwha als auch Elbit Systems Raketen mit einer Reichweite von 500 km entwickeln. Dies kann man zumindest indirekt aus dem jüngst erfolgten Raketenartillerie-Beschaffungsvorhaben der norwegischen Streitkräfte ableiten. Dort war von Anfang an die Beschaffung einer 500km-Rakete vorgesehen, die von allen Teilnehmern angeboten werden musste. Sowohl Hanwha als auch KNDS Deutschland (MARS 3) haben an dem Vorhaben teilgenommen, schlussendlich hat sich Norwegen für das südkoreanische Angebot entschieden. Für welchen Weg sich Deutschland bei einer möglichen 500km-Rakete entscheiden wird, bzw. ob es überhaupt zu einer solchen Forderung kommen wird, steht aktuell in den Sternen. Der Vorteil des MARS 3 wäre es zumindest, dass das System technisch gesehen für den Verschuss aller aufgezeigter Flugkörper und Raketen geeignet ist. Da die Bundeswehr das Raketenartilleriesystem zudem mit einem deutschen Feuerleitsystem beschafft, wäre auch die Integration der Bewaffnung vergleichsweise „einfach“ umsetzbar.
Waldemar Geiger

















