Die Bundeswehr baut nach Aussage von Verteidigungsminister Boris Pistorius gegenwärtig Strukturen auf, um Deutschland mittel- und langfristig auch im Weltraum wirksam verteidigen und abschrecken zu können. Die Bundeswehr sei ein wichtiger Teil einer gesamtstaatlichen Weltraumsicherheitsarchitektur, sagte der Minister heute in seiner Rede auf dem Weltraumkongress des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) in Berlin.
Unter dem Begriff Architektur verberge sich eine resiliente Struktur aus Satellitenkonstellationen, Bodenstationen, gesicherten Startfähigkeiten und Services, so der Minister. Ein Gesamtpaket, das Schutz und Wirkung gleichermaßen gewährleiste. „Wir nehmen dafür auch richtig Geld in die Hand. Allein bis 2030 planen wir Haushaltsmittel in Höhe von 35 Milliarden Euro in Projekten einzusetzen“, kündigte Pistorius an. Dem Vernehmen nach soll die gesamte Summe aus dem Einzelplan 14 kommen.
Im Rahmen der neuen Architektur sollen seinen Worten zufolge eine Reihe von Maßnahmen umgesetzt werden: Darunter die Härtung der Systeme gegen Störungen und Angriffe. Ebenfalls sei die Cybersicherheit für alle Weltraumsysteme eingeschlossen, sagte Pistorius. Die Lageerfassung im Orbit soll durch Radare, Teleskope und durch den zukünftigen Einsatz von Wächtersatelliten verbessert werden.
Hintergrund der neuen Strategie ist die gewachsene Bedrohung der eigenen Weltraum-Infrastruktur durch Gegener wie Russland, die massiv in den Ausbau ihrer offensiven Weltraum-Fähigkeiten investieren. Als Beispiel dafür gilt die Störung von zivilen Satelliten durch Russland in den ersten Tagen des Ukraine-Kriegs.
Der Minister gab den Aufbau von Redundanzen und die Entwicklung von Offensivfähigkeiten bekannt. Auch im Weltraum sei Abschreckung erforderlich, um verteidigungsfähig zu sein. „Deutschland braucht außerdem gesicherte auch on-demand verfügbare Transportkapazitäten ins All – hier setzen wir auf einen Mix: kleine Trägerraketen für flexible Starts, mittelfristig aber auch europäische Schwerlastträger.“ Diese müssten im Wettbewerb entstehen und bestehen. „Wir brauchen ein eigenes militärisches Satelliten-Betriebszentrum im Weltraumkommando der Bundeswehr“, sagte der Minister. Nur so behalte man die Kontrolle über die eigenen Systeme und könne im Ernstfall schnell reagieren. Überdies forderte er, im Weltraum europäischer zu werden. Kein Land könne alles alleine leisten. „Jetzt muss es darum gehen, unsere Zukunft im All gemeinsam zu sichern.“
Die neue Architektur werde eine starke deutsche Säule in der NATO und für Europa sein, sie werde bestehende NATO- und EU-Programme ergänzen, sagte Pistorius. „Zum Beispiel haben wir kürzlich beim deutsch-französischen Verteidigungsministerrat eine enge Kooperation bei der satellitengestützten Frühwarnung beschlossen. Gleichzeitig werden wir Kooperationen mit internationalen Partnern auch außerhalb Europas ausbauen.“
Dies sei bei der Operation Olympic Defender gelungen, bei der Deutschland seit 2024 teilnehme. „Ein großer Mehrwert für uns neben den 5-Eyes-Nationen Mitglied zu sein. In der Combined Space Operations Initiative entwickeln wir gemeinsam in enger Zusammenarbeit mit unseren neun Partner in und außerhalb Europas die notwendigen Grundlagen.“
Pistorius kündigte die Beschaffung neuer Satellitenkonstellationen – zur Frühwarnung, zur Aufklärung, zur Kommunikation an. Dazu sollen auch Dual-Use-Systeme genutzt werden, also Technologien, die sowohl zivil als auch militärisch einsetzbar sind. „Wir werden Sie, die Industrie, gezielt einbinden: Strategische Partnerschaften und kooperative Modelle werden dabeikünftig viel stärker im Fokus stehen“, unterstrich der Minister.
„Innovationen von kleinen und mittleren Unternehmen fördern wir künftig unbürokratisch und frühzeitig – größere Unternehmen wollen wir als Systemintegratoren nutzen, die kleine Firmen, einschließlich Start-Ups, frühzeitig und dauerhaft einbinden.“ Gleichzeitig sollen seinen Worten zufolge marktverfügbare Lösungen in den Blick genommen werden, um schnelle Ergebnisse zu erzielen.
Wer Satelliten angreife, greife das Fundament des modernen Lebens an, betonte Pistorius. „Die Bedrohungslage ist hoch und die Entwicklungen sind rasant.“ Dieser Realität müsse man sich stellen und Lösungen finden. „Deutschland und Europa holen auf. Die Bundeswehr trägt ihren Teil dazu bei. Wir investieren in Schutz, in Resilienz, in Innovation.“
Neben dem Aufbau von Satellitenkonstellationen für Kommunikation und Aufklärung kündigte der Minister im Anschluss an seine Rede überdies die Investition in Raumflugzeuge und die Beschaffung smarter Wirkmittel wie Laser an. Das Adjektiv smart bezieht sich offenbar auf den Sachverhalt, dass die neuen Systeme keinen Weltraumschrott produzieren sollen.
Lars Hoffmann


















