LFME – deutsche Panzertruppe wird erstmals neue Ausbildungsmittel für die taktische Schießausbildung erhalten

Waldemar Geiger

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Im Windschatten der Beschaffung der modernsten Kampfpanzervariante Leopard 2 A8 hat sich die Bundeswehr entschieden, erstmals mehrere Sätze des „Live Firing Monitoring Equipment“ (LFME) zu kaufen, das zur Überwachung von Datenströmen sowie des Besatzungsverhaltens im Rahmen der taktischen Schießausbildung eingesetzt wird.

Mittels des LFME werden Ausbilder und Leitende der Panzertruppe nicht mehr darauf angewiesen sein, Panzerbesatzungen ausschließlich von außen sowie über den taktischen Funkkreis zu überwachen. Das LFME erlaubt es den Ausbildern, auf Systemdaten von bis zu 16 Fahrzeugen in Echtzeit zuzugreifen sowie den Datenfunk, den Bordfunk, den taktischen Funkkreis und Videofeeds der Waffenoptiken und des Kampfraums zu überwachen. Bei Bedarf wären die Ausbilder sogar in der Lage, die Waffenanlage aus der Ferne zu blockieren und so eine ungewollte Schussabgabe zu verhindern. Auch die nachträgliche Nachvollziehung der Befehlsgebung ist auf diese Weise möglich.

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Eine Aufzeichnung der übertragenen Daten, in Kombination mit unterschiedlichen Möglichkeiten Marker zu setzen und Parameter für besondere Ereignisse festzulegen, erlaubt es dem System, die Ereignisse in einem kurzen Video zusammenzuschneiden, das dann für die unmittelbare Nachbesprechung des Rennens eines Gefechtsschießendurchgangs genutzt werden kann. Alternativ können die Daten und Videomitschnitte für eine spätere Feinauswertung archiviert oder der Besatzung für die eigene Manöverkritik zur Verfügung gestellt werden.

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Hersteller des in den 1980er Jahren entwickelten und seitdem mehrmals modernisierten Überwachungssystems ist das Münchener Systemhaus KNDS Deutschland. Der Panzerbauer hat das LFME bereits an ein Dutzend unterschiedlicher Nationen verkauft. Zu den Hauptnutzern zählen die Schweiz und die Niederlande, die das LFME sowohl in ihren Kampf- als auch Schützenpanzern im Rahmen der Ausbildung im scharfen Schuss einsetzen.

In der Bundeswehr ist das LFME ebenfalls seit geraumer Zeit im Einsatz, jedoch nicht in der Truppe, sondern in der WTD 91, wo das System als „Überwachungs- und Schussverblockungsanlage“ für Munitionstests des Schützenpanzer Puma und des Leopard-2-Kampfpanzers genutzt wird.

Das LFME-System an sich besteht neben der Software aus den Komponenten Ausbilderstation, Zielkamera und Fahrzeugausstattung. Die Ausrüstung eines Fahrzeugs mit LFME im Rahmen der Schießvorbereitung soll KNDS zufolge bei den neuen Systemen wie beispielsweise dem Leopard 2 A7/A8 innerhalb von 30 Minuten möglich sein. Die Übertragung der Daten erfolgt per Funk. Die Ausbilderstation kann je nach Kundenwunsch stationär für Kontrolltürme auf Schießplätzen oder mobil in einer auf Lkw verlastbaren Kabine realisiert werden.

Funktionsweise und Nutzen

Der Sinn und Zweck des Live Firing Monitoring Equipment ist mit einem Satz einfach erklärt: Möglichst hohe Transparenz für den Ausbilder schaffen. Dabei ist es irrelevant, ob der Ausbilder der Leitende eines Gefechtsschießens ist oder der Panzerkommandant selbst, der die Abläufe seiner eigenen Besatzung aus der Außenperspektive sehen will. Da das LFME alle schießrelevanten Daten – bspw. Entfernungsermittlung, Blickrichtung der Optiken, Ausrichtung der Waffenanlage oder des Blenden-MG, den Haltepunkt, die Trefferlage, Aufklärungszeitraum des Ziels, Bekämpfungszeitraum etc. – sammelt und archiviert, kann jeder Schuss detailliert nachverfolgt und entsprechend besprochen werden.

Übersicht der LFME-Systemkomponenten
Übersicht der LFME-Systemkomponenten (Bild: KNDS Deutschland)

Die Videoübertragung des Kampfraumes erlaubt es zudem, die Tätigkeiten des Ladeschützen zu monitoren und entsprechende Mängel beim Ladevorgang zu erkennen und abzustellen.

Die Positionsabbildung der einzelnen an das LFME angebundenen Fahrzeuge auf einer digitalen Karte ermöglicht auch die Überwachung und Archivierung des taktischen Vorgehens der kämpfenden Panzer. So kann ein Kompaniegefechtsschießen nicht nur dazu genutzt werden, die taktische Gesamtleistung der Kompanie in Verbindung mit der Führerleistung zu bewerten. Es kann auf Wunsch die Leistung eines jedes einzelnen am Schießen beteiligten Besatzungsmitglieds genau dokumentiert, ausgewertet und nachbesprochen werden. Für die Nutzung des LFME ist es im Übrigen unerheblich, ob die Ausbildung im scharfen Schuss oder mit Manövermunition – umgangssprachlich Platzpatronen – erfolgt.

Die Auswertung an sich findet an einem oder mehreren Rechnerarbeitsplätzen statt, die typischerweise mit mehreren Monitoren ausgestattet sind. Je nach aktuellem Interessenschwerpunkt kann sich der Ausbilder einen oder mehrere Bildfenster größer ziehen und so Systemdaten des Panzers, den Videofeed der Optiken oder des Kampfraumes genauer anschauen. Wurde etwas Nachbesprechenswertes erkannt, kann ein Marker gesetzt werden, der das Auffinden des Momentes erleichtert. Zudem kann das System angewiesen werden, bestimmte Ereignisse automatisch für eine Nachbesprechung zusammenzuschneiden, so dass nicht die komplette Aufnahme des gesamten Rennens durchgegangen werden muss. So könnte beispielsweise jede Schussabgabe sowie zehn Sekunden davor und danach hintereinander zusammengeführt werden.

Übersicht von Fahrzeugen die an das LFME angebunden sind und Nationen die das System für unterschiedliche Zwecke beschafft haben.
Übersicht von Fahrzeugen die an das LFME angebunden sind und Nationen die das System für unterschiedliche Zwecke beschafft haben. (Bild: KNDS Deutschland)

KNDS arbeitet im Rahmen eines Entwicklungsprojektes zudem daran, weitere Features in die LFME-Software zu implementieren, die den Ausbilder bei der Erkennung von Bedienerfehlern und Ähnlichem unterstützen sollen.

Schlussbemerkung

Die Aufnahme und anschließende Sichtung der eigenen Leistung gehört seit mehreren Jahrzehnten zum täglich Brot im Spitzensport. Kein Trainer der Welt würde auf eine solche Fähigkeit verzichten wollen. Umso unerklärlicher ist es, dass die Bundeswehr im Jahr 2025 Gefechtsschießen sowie die taktische Ausbildung außerhalb des Gefechtsübungszentrum de facto auf die gleiche Art und Weise durchführt, wie es bereits zu den Anfängen der Bundeswehr praktiziert wurde. Der Ausbilder steht im Kontrollturm oder rennt der Truppe hinterher und notiert einzelne Aspekte, die er selbst zufällig wahrnimmt oder die ihm Hilfsausbilder zutragen, auf Papier.

Die Möglichkeit, einzelne Abschnitte vorzuführen und detailliert zu besprechen, ist nicht möglich.

Das LFME könnte in dieser Hinsicht ein Quantensprung für die Ausbildung der Panzerbesatzungen bedeuten. Konsequenterweise müsste das System zudem auch für die Schützenpanzerflotte beschafft werden, um auch gemeinsame Schießvorhaben von Panzertruppe und Panzergrenadieren entsprechend überwachen zu können. Das sich das System in der Ausbildung bewährt, dürfte angesichts der Erfahrungen der Schweizer und Niederländer nur eine Formalie darstellen. Die Niederlande hat KNDS Deutschland erst Anfang 2026 im Rahmen der Modernisierung der CV90-Schützenpanzerflotte mit der Modernisierung der dazugehörigen LFME-Systeme im Wert von 21,6 Millionen Euro beauftragt, wie aus einer entsprechenden Meldung des niederländischen Verteidigungsministeriums auf der europäischen Online-Vergabeplattform TED hervorgeht.

Daneben hat sich die Landmacht auch entschieden, die beschafften Radschützenpanzer Schakal für die LFME-Nutzung vorzurüsten, so dass mit Zulauf der Systeme auch entsprechende LFME-Systeme gekauft werden können. Für die deutschen Radschützenpanzer steht eine solche Entscheidung noch aus.

Waldemar Geiger