INLEAP Photonics startet Serienproduktion für Drohnenabwehrlaser in Hannover

Lars Hoffmann

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Der Laserspezialist INLEAP Photonics hat gestern seine neue Produktionshalle für laserbasierte Drohnenabwehrsysteme am Unternehmensstandort Hannover im Beisein des niedersächsischen Ministerpräsidenten Olaf Lies sowie zahlreicher Gäste eröffnet. Am Standort sollen Lasersysteme mit der Bezeichnung INLEAP FASTLIGHT HELD in Serie gefertigt werden. Der Hochlauf der Serienproduktion und weitere Auslieferungen beginnen dem Unternehmen zufolge im November 2026.

Bei INLEAP FASTLIGHT HELD (HELD steht für High Energy Laser Drone) handelt es sich den Angaben des Unternehmens zufolge um ein mobiles System zur laserbasierten Drohnenabwehr auf einer geländegängigen, unbemannten Bodenplattform – das Wort Drone in HELD bezieht sich dabei auf das unbemannte Träger-Kettenfahrzeug als „Landdrohne“ (im Titelbild auf einem Pick-Up verlastet). Es erkennt, verfolgt und identifiziert eine Drohne und richtet den Laserstrahl gezielt auf deren Schwachstellen, um sie innerhalb weniger Sekunden zu neutralisieren.

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Mithilfe der ultraschnellen Laserstrahllenkung lassen sich dem Hersteller zufolge auch bewegliche Ziele präzise verfolgen und abwehren. Das System ermögliche den ferngesteuerten Schutz mobiler Einheiten, temporär gesicherter Bereiche und kritischer Infrastruktur. Wie Dr.-Ing. Marius Lammers, CEO und Gründer von INLEAP Photonics, am Rande der Veranstaltung erläuterte, verfügt das auf Lithium-Ionen-Batterien basierende Akkusystem des Fahrzeugs über genug elektrische Energie, um 250 Drohnen zu bekämpfen und 40 Kilometer zu fahren. Um eine Drohne überhaupt zu erfassen, wurden im Chassis an der Frontseite ein Radar-Panel und an allen vier Seiten optische Sensoren verbaut.

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„Kleine, schnell bewegliche Drohnen stellen hohe Anforderungen an die Präzision der Neutralisierung. Nach der KI-basierten Detektion der Schwachstelle einer Drohne lenkt unsere Technologie den Laserstrahl in Sekundenbruchteilen auf das identifizierte Ziel und hält ihn auch bei Bewegung präzise ausgerichtet. Mit HELD machen wir diese Fähigkeit für mobile Einsatzszenarien nutzbar“, so Dr.-Ing. Felix Wellmann, CTO und Gründer von INLEAP Photonics.

Mit der neuen Produktionslinie will INLEAP Photonics den Schritt von der Prototypenentwicklung in die industrielle Serienfertigung gehen. Die neue Fertigung ist im Start-up nach dem One-Piece-Flow-Prinzip organisiert. Jedes INLEAP-FASTLIGHT-HELD-System durchläuft dabei sechs aufeinander abgestimmte Produktionsstationen einzeln und ohne Zwischenlager. Das verkürze die Durchlaufzeiten und schaffe die Voraussetzung, die Fertigung bei steigender Nachfrage flexibel hochzufahren, so das Unternehmen. Aktuell beschäftigt INLEAP Photonics 50 Mitarbeitende, bis Ende 2027 soll die Zahl am Standort Hannover auf über 100 steigen.

„Mit dem Start unserer Serienproduktion schaffen wir die Grundlage, um auch größere Aufträge zuverlässig abzubilden und auf den Bedarf von militärischen Kunden mit entsprechenden Produktionskapazitäten reagieren zu können“, sagt CEO Lammers. Seinen Angaben zufolge strebt das Unternehmen nach dem Ausbau eine Jahresproduktion im dreistelligen Bereich an.

Der Vertriebspartner für militärische Kunden ist das deutsche Start-up STARK, das auch erste Seriensysteme übernehmen wird und die Kettenplattform für das Drohnenabwehrsystem beisteuert. Lammers sieht weltweit einen großen Bedarf an Drohnenabwehrsystemen, insbesondere solchen, die keine Kollateralschäden verursachen. So läuft der Laserstrahl bei der eigenen Lösung genau auf dem Zielobjekt zusammen und fächert sich danach wieder auf, wie er erläutert. Damit sei das System sicher für Unbeteiligte und könne auch in nicht militärischen Liegenschaften eingesetzt werden.

Mit welchen potenziellen Auslandskunden das Unternehmen in Gesprächen ist, ließ er offen. Die Anwesenheit der polnischen Generalkonsulin auf der gestrigen Veranstaltung und die Gründung einer INLEAP-Niederlassung in Danzig im vergangenen Monat könnten jedoch darauf hindeuten, dass unter anderem in Polen Geschäftschancen gesehen werden.

Hightech-Wertschöpfung aus Niedersachsen

„Innovative Technologien für die Drohnenabwehr und den Schutz kritischer Infrastrukturen kommen zunehmend aus Niedersachsen. INLEAP Photonics zeigt, wie aus Spitzenforschung industrielle Wertschöpfung und neue Arbeitsplätze entstehen. Gerade bei sicherheitsrelevanten Technologien sind eigene Entwicklungs- und Produktionskapazitäten von strategischer Bedeutung. Dass ein Unternehmen aus Hannover diesen Weg von der Forschung bis zur Serienfertigung erfolgreich geht, stärkt den Innovations- und Industriestandort Niedersachsen“, sagte Olaf Lies, Ministerpräsident des Landes Niedersachsen.

An der Eröffnung nahm neben Lies auch Sven Weizenegger, Leiter des Cyber Innovation Hub der Bundeswehr (CIHBw), teil. Erst vor kurzem demonstrierte INLEAP Photonics mit dem CIHBw zum Abschluss des gemeinsamen Innovationsvorhabens „Laserdome“ auf dem zivil genutzten Flugplatz Strausberg bei Berlin öffentlich die laserbasierte Abwehr einer fliegenden Drohne.

Wie Lies am Rande der Veranstaltung im Gespräch mit hartpunkt erläuterte, sieht das Land Niedersachsen neben der Entwicklung der militärischen Lasertechnologie einen weiteren Schwerpunkt bei ballistischen Raketen. Der Ministerpräsident verwies in dem Zusammenhang auf den Standort Trauen in der Lüneburger Heide. Aktuell plant die ArianeGroup offenbar, dort ein neues Werk für Raketentreibstoffe zu bauen.

„Ich hänge jetzt nicht an der Idee, bestimmte Technologie zu wollen, und bestimmte Technologie nicht zu wollen. Sondern mir geht es darum, was ist Innovation und was bringt am Ende erstens mehr Sicherheit, aber zweitens hat es eben auch einen Mehrwert für die wirtschaftliche Entwicklung und für die Beschäftigung.“

Ein weiteres Thema sei Künstliche Intelligenz (KI) in der Anwendung, was man zusammen mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Osnabrück und in Oldenburg bearbeite. Auch autonomes Fahren stehe im Blickpunkt. Es gebe umfangreiche Kompetenzen in den niedersächsischen wissenschaftlichen Einrichtungen und Instituten, so Lies. „Wir haben aber eben auch Fähigkeiten im Land, nicht nur Technologie zu entwickeln, sondern auch zu erproben. Und die Kombination macht Niedersachsen, glaube ich, besonders stark.“

Der Ministerpräsident hatte vor drei Jahren bereits als Wirtschaftsminister des Landes das niedersächsische Cluster für Verteidigung gegründet. „Wir wollen, wenn es Entwicklungen im Bereich der Verteidigungsindustrie gibt, wirtschaftlich davon profitieren“, erläuterte er den Ansatz des Clusters. Anfangs umfasste es nur knapp 20 Unternehmen, mittlerweile ist es auf weit über 500 angewachsen. Inzwischen würden Zulieferer der Ebenen 1, 2 und 3 zum Teil der Verteidigungsindustrie. Dies führe in wirtschaftlich nicht ganz einfachen Zeiten zu einem gewissen Ausgleich für die Unternehmen. „Das führt zu Innovation, aber das führt eben auch zu Sicherheit“, so Lies.

Lars Hoffmann