Die US-Spezialkräfte arbeiten an einer möglichen Ablösung des leichten Maschinengewehrs MK 46. Das Naval Surface Warfare Center (NSWC) Crane hat hierzu im Auftrag des U.S. Special Operations Command (USSOCOM) eine sogenannte „Analysis of Interest“ für ein „Flyweight Assault Machine Gun“ (FAMG) veröffentlicht. Gesucht wird demnach eine leichte, tragbare Waffe mit Gurtzuführung im Kaliber 5,56 x 45 mm.
Nach Angaben der U.S. Navy soll das FAMG als Ablösung für die derzeit eingesetzten MK 46-Maschinengewehre dienen. Ziel ist demnach eine gegenüber der bestehenden Waffe technisch weiterentwickelte Lösung, die Fortschritte bei Werkstoffen, Fertigungsverfahren und weiteren Technologien nutzt. Die Waffe soll es dem Bediener ermöglichen, bei gleichzeitig hoher Feuerkraft beweglich zu bleiben und Ziele bis zur maximalen Einsatzentfernung der Patrone wirksam zu bekämpfen.
Eine der wesentlichen Anforderungen betrifft dabei wenig überraschend das Gewicht. Das FAMG soll einschließlich Tragegriff, Zweibein, Schulterstütze, Gehäuse und Rohr maximal 11,5 Pfund (rund 5,2 kg) wiegen. Als anzustrebender Zielwert werden 10 Pfund beziehungsweise rund 4,5 kg genannt. Optiken und sonstiges Zubehör sind bei der Gewichtsvorgabe ausdrücklich nicht berücksichtigt. Auch bei den Abmessungen wird eine kompakte Auslegung gefordert. Die Gesamtlänge soll bei höchstens 39 Zoll (rund 99 cm) liegen, wobei als Zielwert 35 Zoll (rund 89 cm) angegeben werden.
Besonderes Gewicht legt die Ausschreibung auch auf die Zuverlässigkeit des Systems. Für die sogenannte Class-I Mean Rounds Between Stoppages (MRBS) Kennzahl werden mindestens 1.400 abgegebene Schuss ohne waffenbedingte Störung gefordert; als Zielwert nennt die US-Seite mehr als 2.000 Schuss.
Die geforderte effektive Reichweite für Flächenziele liegt bei mindestens 500 m. Gleichzeitig soll die Waffe eine möglichst geringe Streuung aufweisen. Für Einzelschüsse wird eine als Average Extreme Spread (AES) bezeichnete Streuung von höchstens 10 MOA auf 100 m verlangt, für Feuerstöße liegt diese bei maximal 11 MOA.
Das FAMG soll zudem unter extremen Temperaturbedingungen von -20 bis +165 Grad Fahrenheit, was etwa -29 bis +74 Grad Celsius entspricht, störungsfrei funktionieren. Vorgesehen ist dabei eine Prüfung nach dem entsprechenden US-Testverfahren TOP 3-2-045.
Die konstruktiven Anforderungen sehen unter anderem ein Schnellwechselrohr vor. Dieses soll innerhalb von maximal 30 Sekunden gewechselt werden können. Für die Lebensdauer des Rohres werden in der Entwicklung mindestens 15.000 Schuss gefordert, wobei 20.000 Schuss als Zielwert genannt werden. Rohr und sämtliche restlichen druckbelasteten Teile der Waffe sollen auch mit Hochdruckmunition funktionieren. Außerdem wird eine Kadenz zwischen 400 und 650 Schuss pro Minute verlangt.
Bei den Schnittstellen setzt USSOCOM auf eine umfangreiche Integration von Ziel- und Anbausystemen. So werden unter anderem insgesamt 15 Zoll MIL-STD-1913-Picatinny-Schiene an der 12-Uhr-Position und sieben Zoll an der 6-Uhr-Position gefordert. Zusätzlich soll der Handschutz über mehrere nutzbare M-LOK-Schnittstellen verfügen. Die Waffe muss verschiedene optische und optronische Systemen, darunter Nachtsichtgeräte, Laserzielmarkierer und Feuerleitsysteme, aufnehmen können.
Auch die Belastbarkeit des Systems ist Gegenstand der Anforderungen. In der Entwicklungsprüfung soll das FAMG eine mittlere Lebensdauer des Gehäuses von 100.000 Schuss nachweisen; 200.000 Schuss werden als Zielwert genannt. Für das Rohr werden 15.000 Schuss als Anforderung und 20.000 Schuss als Zielwert angegeben.
Die Konstruktion soll darüber hinaus einen möglichst geringen Rückstoßimpuls aufweisen. Das Zweibein soll schnell aus- und eingeklappt werden und höhenverstellbar sein. Zudem wird die Möglichkeit, die Gurtzuführung von einer Seite auf die andere umzustellen, befürwortet.
Die technischen Anforderungen zeigen damit, dass USSOCOM bei einem möglichen Nachfolger des MK 46 mehrere bislang teilweise gegenläufige Eigenschaften miteinander verbinden will: ein deutlich reduziertes Gewicht, kompakte Abmessungen, hohe Zuverlässigkeit und Lebensdauer sowie die Möglichkeit zur Integration moderner Optiken und weiterer Anbausysteme.
Für die weitere Untersuchung setzt NSWC Crane auf Beiträge aus der Industrie. Bestandteil des vorgesehenen Verfahrens sind unter anderem ein virtueller „Pitch Day“, begrenzte Sicherheitserprobungen, Nutzertests sowie Verifikations- und operationelle Tests. Die eingereichten Lösungsvorschläge sollen anhand der geforderten primären Leistungsmerkmale sowie weiterer sekundärer Eigenschaften bewertet werden.
Sollte das Vorhaben in ein konkretes Beschaffungsprogramm überführt werden, dürfte insbesondere die Kombination aus einem Gewicht von etwa 4,5 bis maximal 5,2 kg in Verbindung mit einer Hochdruckpatrone und den vergleichsweise hohen Anforderungen an Zuverlässigkeit und Lebensdauer eine wesentliche technische Herausforderung darstellen.
Kristóf Nagy


















