Der Anti-Drohnen-Kampf – Europas Verteidigung formt sich neu

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Mit der EU-Initiative „Drone Wall“ und nationalen Sofortprogrammen nimmt Europas Abwehr gegen unbemannte Bedrohungen Gestalt an. HENSOLDT liefert bereits heute Technologien, die aus Einzellösungen ein interoperables Gesamtbild machen. 

Die Debatte über die wachsende Bedrohung durch Drohnen hat in den vergangenen Wochen deutlich an Fahrt aufgenommen. Vielfältige Experten warnen jüngst vor einer „unmittelbaren Gefahr“ für Deutschland. Hintergrund sind nicht nur die Erfahrungen aus der Ukraine und dem Nahen Osten, sondern auch über 500 verdächtige Drohnensichtungen im deutschen Luftraum allein im ersten Quartal 2025. Parallel wurde in Dänemark nach mehreren Vorfällen an Flughäfen und mutmaßlich russischen Hybridoperationen von offizieller Seite bereits von „hybriden Angriffen“ gesprochen. 

Die Bedrohungslage zeigt sich auf mehreren Ebenen: Drohnen legen Flughäfen stundenlang lahm, wie zuletzt in Kopenhagen und Aalborg; in der Ukraine verursachen FPV-Drohnen für wenige Hundert Dollar Schäden in Millionenhöhe; in Israel wurden innerhalb eines Jahres mehr als 1.300 Drohnen eingesetzt. Deutschland selbst ist nahezu täglich mit sicherheitsrelevanten Überflügen konfrontiert. 

Vor diesem Hintergrund hat die EU die bereits seit Monaten diskutierte Initiative einer „Drone Wall“ konkretisiert. Ziel ist es nicht, eine physische Barriere entlang der Außengrenzen zu errichten, sondern ein abgestuftes Verteidigungssystem gegen unbemannte Bedrohungen zu etablieren. Die „Drone Wall“ soll – ähnlich wie die European Sky Shield Initiative (ESSI) im Bereich der bodengebundenen Luftverteidigung – als gesamteuropäisches Programm verstanden werden, das bestehende nationale Fähigkeiten vernetzt, stationäre wie mobile Systeme einbezieht und die Zahl einsatzfähiger C-UAS-Lösungen deutlich erhöht.  

Damit rückt die Frage nach lieferbaren Systemen und interoperabler Software noch stärker in den Mittelpunkt. 

Effektive Drohnenabwehr entsteht aus der Verbindung von Sensorik, Effektoren und modularer Führungssoftware – präzise koordiniert zum Schutz von kritischer Infrastruktur und Bevölkerung.
Effektive Drohnenabwehr entsteht aus der Verbindung von Sensorik, Effektoren und modularer Führungssoftware – präzise koordiniert zum Schutz von kritischer Infrastruktur und Bevölkerung. (Bild: HENSOLDT AG)

Elysion als Baustein für sofortige Einsatzfähigkeit 

HENSOLDT verweist auf das System Elysion C-UxS, das bereits an die Bundeswehr geliefert wurde. Dabei handelt es sich um ein modulares Counter-UxS-System, das verschiedene Sensoren und Effektoren integriert. Kern des Ansatzes ist eine multisensorische Datenfusion: Radare, elektrooptische Systeme und Funkaufklärung werden kombiniert, um Drohnen frühzeitig zu erkennen, zu verfolgen und innerhalb von Sekunden zu klassifizieren. 

Ein wesentliches Merkmal ist die Fähigkeit zur automatisierten Entscheidungsunterstützung. KI-gestützte Algorithmen bewerten Bedrohungen, reduzieren Fehlalarme und liefern Handlungsempfehlungen in Echtzeit. Damit soll die kognitive Belastung der Bediener auch in Szenarien mit Schwarmangriffen oder elektronischen Täuschungen reduziert werden.  

„Die aktuelle Bedrohung ist dynamisch und schwer vorhersehbar. Entscheidend ist, dass wir Systeme haben, die sofort einsatzfähig sind und dennoch kontinuierlich weiterentwickelt werden können“, sagt Daniela Hildenbrand, Expertin für Drohnenabwehr bei HENSOLDT. 

Elysion stellt die taktische Lage intuitiv dar und ermöglicht dem Nutzer Interaktionsmöglichkeiten, um auf eine Situation zu reagieren – auch auf Tablets.
Elysion stellt die taktische Lage intuitiv dar und ermöglicht dem Nutzer Interaktionsmöglichkeiten, um auf eine Situation zu reagieren – auch auf Tablets. (Bild: HENSOLDT AG)

Früherkennung durch leistungsstarke Sensoren 

Ein weiterer Beitrag zur Drohnenabwehr ist die Integration leistungsstarker Sensorik.  

Erst kürzlich hat HENSOLDT das erste TRS-4D LR Langstreckenradar an der Marinetechnikschule in Parow als Test-, Referenz- und Ausbildungsanlage (TRA) installiert, das System steht kurz vor der Inbetriebnahme. Mit Systemen wie dem TRS-4D LR kann HENSOLDT zu einem umfassenderen Lagebild über Land- und Seegebieten, wie zum Beispiel über der Ostsee beitragen – in Kombination mit anderen Sensoren kann dies der Identifizierung dienen, ob und von wo Drohnen, zum Beispiel auch von Schiffen, gestartet wurden. 

Die Fähigkeit zur Früherkennung gilt als entscheidende Voraussetzung, um geeignete Abwehrmaßnahmen rechtzeitig einzuleiten und liefert den politischen Entscheidungsträgern belastbare Informationen für die Einordnung hybrider Bedrohungslagen.   

Außerdem bilden spezialisierte Radarsysteme wie die Spexer-2000-Familie von HENSOLDT das Rückgrat mobiler Abwehrlösungen. Sie kommen unter anderem im ASUL-System der Bundeswehr („Abwehrsystem kleine unbemannte Luftfahrzeuge“) wie auch künftig im Skyranger von Rheinmetall zum Einsatz. 

ASUL im operativen Einsatz 

ASUL wurde inzwischen mehrfach in realen Lagen eingesetzt, unter anderem für den Feldlagerschutz. Das System ist modular aufgebaut: Technologische Hauptkomponenten sind die HENSOLDT-Radare Spexer 2000 3D und die HENSOLDT Kamera NightOwl M, ergänzt durch Funkpeiler von Rohde & Schwarz sowie Effektoren von HP Wüst. Übergreifendes Steuerelement ist die Softwarelösung Elysion Mission Core, die Daten nahezu in Echtzeit zusammenführt, Bedrohungen bewertet und Bedienern intuitive Handlungsoptionen bietet. 

Damit zeigt sich, dass HENSOLDT nicht nur einzelne Produkte liefert, sondern im Verbund mit Partnern in der Lage ist, einsatzfähige integrierte Gesamtlösungen für den Schutz von Militär, kritischer Infrastruktur und hochrangigen Veranstaltungen bereitzustellen. 

ASUL: Bereits erfolgreich im Einsatz
ASUL: Bereits erfolgreich im Einsatz (Bild: Bundeswehr / Brandmöller)

Vernetzung schafft den Schutzschirm 

Eine weitere große Herausforderung liegt jedoch in der Vernetzung verschiedener Systeme über mehrere Domänen und Fähigkeitsbereiche hinweg. Hier setzt HENSOLDT auf die Software Suite MDOcore. Das Framework ist als offene, modulare Architektur konzipiert und soll Sensoren und Effektoren unterschiedlicher Herkunft in einem gemeinsamen Lagebild über Domänen zusammenführen. So bildet MDOcore das „Software-Rückgrat“ für spezifische Abwehrsysteme und kann diese zukünftig vernetzten. 

„Wir müssen Systeme schaffen, die nicht nebeneinander, sondern miteinander wirken. Genau das ermöglicht MDOcore: die Verbindung vorhandener Abwehrlösungen zu einem digitalen Schutzschirm – national und perspektivisch auch europäisch“, erklärt Sven Heursch, Leiter Software-defined Defence and Digitalisation bei HENSOLDT. 

Damit wird die bestehende Fragmentierung überwunden: Insellösungen einzelner Anbieter können nachträglich integriert werden. Durch standardisierte Schnittstellen und Container-Architekturen ist MDOcore in der Lage, nicht nur HENSOLDT-Systeme, sondern auch Fremdprodukte einzubinden.  

Politik darf sich nicht lähmen lassen 

Die Diskussion zeigt: Drohnenabwehr ist komplex – technisch, rechtlich und organisatorisch. Fragen zur Kompetenzverteilung zwischen Polizei und Bundeswehr sind ebenso offen wie die Integration in bestehende NATO- und EU-Strukturen. 

Dennoch warnen Fachleute davor, sich von dieser Komplexität lähmen zu lassen. Systeme wie Elysion und Sensoren wie das TRS-4D LR, die Spexer 2000-Familie und NightOwl sind verfügbar. Mit MDOcore wird zudem eine Softwarelösung entwickelt, die schrittweise Erweiterung und internationale Vernetzung ermöglicht. 

Für die Politik bedeutet dies: Sofortige Beschaffung schafft punktuellen Schutz. Die digitale Vernetzung kann im nächsten Schritt folgen – und so ein robustes, europäisches Abwehrnetz gegen die Drohnenbedrohung entstehen lassen.