Großbritannien und Deutschland kommen bei ihren Planungen zur gemeinsamen Entwicklung von Flugkörpern großer Reichweite für den „Deep Precision Strike“ nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums voran. Wie das Ministerium nach einem gestrigen Treffen des Ministers für Verteidigungsbereitschaft und Industrie, Luke Pollard, mit seinem deutschen Amtskollegen, Rüstungsstaatssekretär Jens Plötner, in Berlin schreibt, wurden Fortschritte bei der Stärkung der nationalen Sicherheit für Großbritannien und Deutschland bei dem bilateralen Gespräch zu Deep Precision Strike erzielt.
Der Mitteilung zufolge wollen beide Länder eine Familie zukünftiger Stealth-Marschflugkörper und Hyperschallwaffen mit einer Reichweite von mehr als 2.000 Kilometern entwickeln, die voraussichtlich in den 2030er Jahren in Dienst gestellt werden soll. Das Programm konzentriere sich zunächst auf bodengestützte Fähigkeiten, werde aber auch Luft- und Seestreitkräfte einbeziehen, um eine Abschreckung auf große Entfernung und operative Flexibilität zu gewährleisten, heißt es.
Während das britische Verteidigungsministerium bereits in der Vergangenheit über die gemeinsamen Pläne bei Hyperschallwaffen berichetet hatte, wird jetzt erstmals die Entwicklung von konventionellen Marschflugkörpern erwähnt. Für diese dürfte offenbar eine größere Reichweite als bei den amerikanischen Tomahawks vorgesehen sein.
Die Gespräche bauen den Angaben zufolge auf dem Trinity-House-Abkommen auf, das Großbritannien und Deutschland im Oktober 2024 unterzeichnet hatten. Die deutsch-britische Zusammenarbeit steht laut Mitteilung weiteren Ländern offen. Pollard wird mit den Worten zitiert: „Die Beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland sind unglaublich stark, und wir haben einen Schritt nach vorne in unserer Arbeit zur Entwicklung modernster Flugkörperfähigkeiten gemacht.“
Beobachter gehen davon aus, dass dem europäischen Lenkfklugkörperhersteller MBDA, der über nationale Gesellschaften in Deutschland und Großbritannien verfügt, eine Schlüsselrolle bei der industriellen Umsetzung zukommen könnte.
So leitet MBDA Deutschland das vom European Defence Fund (EDF) aufgelegte Projekt HYROGLIVE, bei dem ein repräsentatives Modell eines Hyperschallgleitfahrzeugs (HGV) entworfen werden und ein HGV-Demonstrator im Flug getestet werden soll. Hieraus lassen sich Erkenntnisse für Abwehrwaffen gegen Hyperschall-Bedrohungen ziehen, genauso wie für offensive Waffen. Überdies verfügt MBDA Deutschland über umfangreiche Kenntnisse bei Marschflugkörpern. Das Unternehmen baut unter anderem den Luft-Boden-Marschflugkörper Taurus, der als eine der leistungsfähigsten Waffen seiner Klasse gilt.
Lars Hoffmann
















