Der norddeutsche Panzerbauer Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG) wird im Rahmen der Rüstungsmesse DSEi in London erstmals sein neues Condor-Panzerkonzept öffentlich vorstellen, welches sowohl die Rolle eines Feuerunterstützungspanzers als auch eines Flugabwehrkanonenpanzers in einem System vereint. Das Fahrzeug wurde auf Basis eines modernisierten Leopard-1-Chassis entwickelt und verfügt über eine neuentwickelten unbemannten 30mm-Maschinenkanonenturm vom Typ „Turra 30 – SA“ des slowakischen Herstellers EVPÚ, welcher auch zur Bekämpfung von Flugzielen geeignet ist. hartpunkt hatte die Gelegenheit, im Vorfeld einige Details zu dem neuen Waffensystem zu erfahren.
Der Condor wurde FFG zufolge entwickelt, um den neuesten Bedrohungen auf dem Gefechtsfeld gerecht zu werden. Ziel des Ansatzes war es, moderne Waffentechnologie mit kampferprobten Komponenten zu kombinieren, um ein effektives, agiles und zuverlässiges Waffensystem zu schaffen. Dafür setzt der Condor auf ein verbessertes Leopard-1-Kampfpanzerchassis und einem neuen, hochmodernen Turm mit einer 30-mm-Maschinenkanone und einem verbesserten Schutzkonzept.
„Mit dem Condor konnten wir ein leistungsstarkes und effizientes Flugabwehrsystem auf Basis der einsatzerprobten und verfügbaren Leopard-1-Platform entwickeln. Unser Ziel war es, ein schnell verfügbares System zum notwendigen schnellen Ausbau der Luftverteidigungsfähigkeiten zu realisieren. Die Nutzung des EVPU-Turmsystems erlaubt zudem die Verwendung weiterer Wirkmittel die Fähigkeit zur Feuerunterstützung infanteristisch eingesetzter Truppen durch den Condor“, erklärte FFG-Geschäftsführer Jörg Kamper gegenüber hartpunkt.
Der Panzer soll in der Lage sein, bei allen Sichtbedingungen und auch während der Fahrt wirken zu können. Da der Turm mit programmierbarer Air-Burst-Munition feuern kann, eignet sich dieses Fahrzeug auch für die Luftverteidigung. Dank der Doppelgurtzuführung der 30-mm-Maschninenkanone kann der Condor zwei Munitionstypen im Turm mitführen, sodass die Besatzung je nach Aufgabe zwischen den Munitionstypen wechseln kann. Dadurch kann das Fahrzeug sowohl Boden- als auch Luftziele gleichermaßen gut bekämpfen und innerhalb von Sekunden seine Rolle von einem „Flugabwehrkanonenpanzer“ zu einem „Feuerunterstützungspanzer“ wechseln.
Darüber hinaus verfügt der Condor über ein hochmodernes Lagebewusstseins- und Zielerfassungssystem. Dieses trägt zu einer deutlich verbesserten Effektivität und Überlebensfähigkeit gegenüber den heutigen Bedrohungen bei. Zudem ist das flexible System so konzipiert, dass es über das notwendige Wachstumspotenzial verfügt, um auch zukünftigen Bedrohungen gerecht zu werden. Da der Condor auf dem Kampfpanzer Leopard 1 basiert, können viele weltweit verfügbare Ersatzteile für die Reparatur des Fahrgestells verwendet werden.
Die Flensburger Panzerschmiede gibt das Gefechtsgewicht des 7,18 m langen, 3,41 breiten und 3,05 m hohen Fahrzeuges mit weniger als 40t an. Um die Leopard-1-Wanne für die Bedrohungen des modernen Gefechtsfeldes zu wappnen, wurde das Fahrzeug mit zusätzlicher Seiten- und Dachpanzerung ausgestattet. Zudem verfügt es über ein digitales Bordnetzwerk und ein neues Sitzkonzept, bei dem Kommandant (in Fahrtrichtung links) und Kraftfahrer (in Fahrtrichtung rechts) nebeneinander Platz finden.
Der unbemannte Maschinenkanonenturm Turra 30 – SA ist nach Angaben von EVPÚ in der Lage, unterschiedliche 30mm-Maschinenkanonen – darunter auch die Mk44 von Bushmaster – aufzunehmen. Als Sekundärbewaffnung dienen ein koaxiales Maschinengewehr und Panzerabwehrlenkflugkörper vom Typ Spike bzw. Konkurs. Neben leistungsfähigen Elektrooptiken verfügt der stabilisierte Turm auch über ein Multimissionsradar sowie ein Panzerabwehrhandwaffenbeschussdetektor und ein Scharfschützen- und Handwaffenbeschussortungssystem. Die Elevation der Waffenanlage wird mit minus 10 bis plus 70 Grad angegeben.
Neues Leopard-1-Antriebsstrangkonzept
FFG sieht Mobilität als einen entscheidenden Faktor für einen verbesserten Systemschutz und hat den Condor daher mit einem neuen Antriebsstrang ausgestattet, der mehr Leistung und Drehmoment als die veraltete Antriebseinheit des Leopard 1 bietet und gleichzeitig leichter und sparsamer ist.
Bereits für den Wisent 1 hat FFG eine Zweikreisbremsanlage für den Leopard 1 entwickelt, die auch im Condor Anwendung findet, sodass die Fahrzeuge nach den aktuellen Vorgaben der Straßenverkehrsordnung uneingeschränkt zulassungsfähig sind. Dies ist insoweit nicht trivial, weil es nur für ältere Fahrzeuge eine Ausnahmeregelung gibt. Bei neuen Fahrzeugen ist die Trennung zwischen der normalen Bremsanlage und der Feststellbremse zwingend vorgeschrieben. Die Realisierung der Zweikreisbremsanlage war nach Aussage von FFG insofern herausfordernd, da die Leopard-1-Wanne nur sehr wenig Platz bietet.
Unter der Federführung von FFG wurde dazu ein neues Antriebsaggregat speziell in den Condor integriert, das jedoch gleichermaßen für den Einbau in alle Fahrzeuge der Leopard-1-Familie geeignet ist.

Es besteht aus dem modernen Achtzylinder-Dieselmotor 8V199TE23 von Rolls-Royce Power Systems mit einer Leistung von bis zu 1.080 PS, gekoppelt mit einem modifizierten ZF 4 HP 250 Automatikgetriebe und einem neuen, von FFG entwickelten Zweizyklus-Kühlsystem, und ist rund 300 kg leichter als die ursprüngliche Antriebseinheit.
Das neue Antriebsaggregat verbessert FFG zufolge die Leistungsfähigkeit der Plattform durch ein verbessertes Leistungsgewicht, einen geringeren Kraftstoffverbrauch und eine längere Lebensdauer und ist zudem ein direkter Plug-and-Play-Ersatz für das Originalaggregat. Durch die Integration dieses neuen Antriebsaggregats kann das bewährte und kampferprobte Leopard-1-Fahrgestell auch in den kommenden Jahrzehnten kostengünstig und wirtschaftlich weiter eingesetzt werden.
Waldemar Geiger
















