Marine
Abnahme der Fregatte Baden-Württemberg erneut verschoben

Die eigentlich für dieses Jahr geplante Abnahme der Fregatte Baden-Württemberg, dem Typschiff der Klasse 125, durch den Auftraggeber wird erneut verschoben. Die Marine begründet dies mit  nicht erfolgreich abgeschlossenen Funktionsnachweisen in See.  Deshalb plane der Auftragnehmer, die Arbeitsgemeinschaft der Werften ThyssenKrupp Marine Systems und Lürssen (ARGE F125), ab dem 19. Januar 2018 eine längere Liegezeit für die Fehler- und Restpunktbehebung in Hamburg ein.

Während dieser Liegezeit werde die Unterstützung durch die militärische Fahrmannschaft nicht benötigt, so dass diese von Bord gehe. Bis  zum Wiedereintritt in die Funktionsnachweise See, mit militärischer Fahrmannschaft, wird die Fregatte den Angaben der Marine zufolge auf Werftflagge zurückgeflaggt. Damit geht die Verantwortung für das Schiff auf die ARGE F 125 über. Dies sei gängige Praxis.

Die neue Fregatte Baden-Württemberg befindet sich seit Juli 2017 in der Erprobung. Das Schiff wurde jedoch  noch nicht an die Bundeswehr übergeben. In dieser Phase zeige sich, ob das Schiff von der Industrie abgenommen werden könne, schreibt die Marine. Bei der Baden-Württemberg seien einige Tests jedoch nicht erfolgreich verlaufen.

Eigentlich hätte das Schiff bereits im September abgenommen werden sollen. Aufgrund von Problemen wurde der Abnahmetermin dann auf das Jahresende verschoben. Ein Mitarbeiter des Bundeswehr-Beschaffungsamtes BAAINBw hatte seinerzeit auf einer DWT-Veranstaltung die Verschiebung in erster Linie mit Schwierigkeiten bei den komplexen IT-Neuentwicklungen begründet. Dass die Besatzung während der Überarbeitung der Mängel von Bord geht, könnte jetzt auf größere Probleme hindeuten. Weder die Marine noch der federführende Hersteller TKMS wollten sich zu Details äußern.

Der Bau der Schiffsklasse F125, der bereits 2007 startete, gilt als Megaprojekt mit einem Finanzvolumen von etwa drei Mrd EUR. Die Komplexität des Vorhabens und zahlreiche neue Technologien haben bereits zu erheblichen Verzögerungen geführt. Ursprünglich sollte das erste Schiff bereits im Dezember 2014 abgeliefert werden.

Nach Aussage eines TKMS-Sprechers haben bei der Baden-Württemberg „notwendige Überarbeitungen“ zu Verzögerungen der Leistungsnachweise geführt. Aufbauend auf der erforderlichen Um- und Neuplanung des Nachweisprogrammes, sowie der damit einhergehenden Koordination aller notwendigen Ressourcen, plane die ARGE, die Baden-Württemberg im Jahr 2018 an das BAAINBw zu übergeben.

Darüber hinaus strebe die ARGE  an, die Ablieferungen der folgenden drei Schiffe weitgehend unberührt der vorgenannten Verzögerungen durchzuführen. Die Fregatte Nordrhein-Westfalen habe die schiffstechnischen Erprobungen erfolgreich durchlaufen, teilte der Sprecher mit. Aktuell wird seiner Aussage zufolge das Einsatzsystem erprobt. Die Ablieferung dieses Schiffes an das BAAINBw sei ebenfalls für 2018 geplant. Die Fregatte Sachsen-Anhalt soll demnach 2019 und die Rheinland-Pfalz 2020 übergeben werden.

Welche Lehren das  BMVg und die Industrie aus den Schwierigkeiten bei der F125 für das nächste noch größere Vorhaben – der Beschaffung des MKS 180 – ziehen, bleibt abzuwarten.  Aufgrund umfassender Fähigkeitsforderungen dürfte das MKS 180 noch komplexer als die F125 ausfallen, die in Fachkreisen auch als „großer Polizeikreuzer“ bezeichnet wird. Bei dem neuen Projekt steht der nächste Schritt unmittelbar bevor: Die drei verbliebenen Bieterkonsortien müssen kurz nach Weihnachten ihre Angebote für das zukünftige Marineschiff abgeben.
lah/12/22.12.2017