Pistorius kündigt weitere gemeinsame Rüstungsprojekte mit Großbritannien an

Lars Hoffmann

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Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius hat heute bei einer Pressekonferenz während des Besuchs seines britischen Amtskollegen Wes Streeting in Berlin den weiteren Ausbau der Zusammenarbeit in Rüstungsfragen angekündigt. Unter anderem soll schnell geprüft werden, ob und zu welchen Konditionen Deutschland in das Kampfflugzeugprojekt GCAP aufgenommen werden könnte.

„Das deutsch-britische Verhältnis ist so gut wie nie zuvor. Wir sind in den vergangenen Jahren noch enger zusammengewachsen“, sagte Pistorius bei der Konferenz. Das vor zwei Jahren unterzeichnete Trinity-House-Abkommen habe die bilaterale Zusammenarbeit noch einmal nachdrücklich und massiv gestärkt. Gemeinsam entwerfe man nicht nur Pläne, sondern setze diese auch ganz konkret um. Deutschland und Großbritannien entwickelten seinen Worten zufolge im Bereich Deep Precision Strike zwei Flugkörper mit einer deutlich größeren Reichweite als heutige Waffen und seien für die Beteiligung weiterer Partner offen.

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„Die Luftwaffen unserer Länder haben einen detaillierten Flugplan entwickelt“, sagte der Minister. Ziel sei es, die Zusammenarbeit weiter zu vertiefen. Beim Eurofighter werde etwa die gemeinsame Beschaffung von Flugkörpern geplant. Pistorius sieht zudem Synergieeffekte bei der Nutzung der A400M-Transportflugzeuge, des Transporthubschraubers CH-47 Chinook und des F-35-Kampfflugzeugs.

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Potenzial bestehe auch im Heeresbereich. „Ende 2025 haben wir gemeinsam die Radhaubitze RCH 155 unter Vertrag genommen“, so Pistorius. Die ersten Systeme würden seinen Angaben zufolge im Jahr 2028 erwartet.

Zudem arbeite man gemeinsam an drei Lösungen zur Überwindung von Gewässern. „Wir wollen unter anderem ein Schwimmbrückensystem Amphibie M3 EVO beschaffen.“ Die Beschaffung beim Brückensystem Dry Support Bridge über einen bestehenden britischen Vertrag sei bereits weit fortgeschritten. Beide Länder sähen laut Minister einen weiteren Bedarf beim Brückenlegesystem Rad auf Basis des Boxers.

Im Bereich der Marine sei die Kooperation beim Seefernaufklärer P-8 Poseidon ein „weiteres erfolgreiches Leuchtturmprojekt“. Deutschland habe bislang drei Flugzeuge erhalten und erwarte noch weitere zwei in diesem Jahr. Die Bundeswehr plane die Beschaffung des britischen Torpedos Stingray als Nachfolger des eigenen Leichtgewichtstorpedos. „Heute haben unsere Rüstungsdirektoren dazu ein Implementing Agreement unterzeichnet“, führte der Minister aus.

Als weiteres „Lighthouse“-Projekt bezeichnete Pistorius den Weltraum. In der Zusammenarbeit im Bereich Weltraum stecke enorm viel Potenzial, aber auch die Notwendigkeit, dort schnell voranzukommen, so der Politiker. Konkret gehe es dabei um die Weltraumüberwachung, die Erdbeobachtung sowie die Satellitenkommunikation. „Vor allem aber im Bereich der Startkapazitäten mit einer möglichen Nutzung eures Startplatzes in Schottland“, sagte Pistorius an seinen Amtskollegen gewandt. Deutschland würde sich seinen Worten zufolge sehr freuen, wenn Großbritannien Partner beim zukünftigen European Space Component Command und der Space Academy würde.

Der britische Minister betonte, dass sein Land offen sei für eine deutsche Beteiligung am Kampfflugzeugprojekt GCAP, bei dem Großbritannien mit Italien und Japan kooperiert. Die Entscheidung über eine deutsche Beteiligung werde jedoch gemeinsam mit Italien und Japan getroffen. „Und wir möchten verstehen, welche Anforderungen Deutschland hat und schauen, ob es da Synergien geben kann und ob wir unsere Interessen übereinander legen können“, so Streeting.

Pistorius ergänzte, dass die drei Partner Großbritannien, Italien und Japan fünf Jahre verhandelt hätten, um den gegenwärtigen Vertragsstatus zu erreichen. Zeit sei jetzt ein kritischer Faktor, weil die neue Fähigkeit Anfang der 2040er-Jahre bereitstehen müsse. Weitere fünf Jahre Verhandlungen über eine deutsche Beteiligung seien nicht möglich. Deshalb solle schnell geklärt werden, ob von allen drei Partnern die Bereitschaft bestehe, Deutschland ins Programm zu nehmen, und zu welchen Bedingungen dies möglich sei. „Wir haben erste Gespräche dazu geführt. Ich werde kurzfristig weitere Gespräche führen mit Guido Crosetto und meinem japanischen Kollegen“, kündigte Pistorius an. Das werde in den nächsten Tagen oder Wochen passieren. Dabei gehe es auch um den Workshare. „Und dann werden wir die nächsten Schritte gehen oder eben auch nicht.“

Lars Hoffmann