Einsatzsystem Luftlandeplattform – Bundeswehr erhält erste Serienfahrzeuge des Caracal

Waldemar Geiger

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Das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw hat am 29. Oktober 2026 eigenen Angaben zufolge erste Caracal-Serienfahrzeuge von Rheinmetall erhalten. Wie aus einer heutigen Mitteilung des BAAINBw hervorgeht, werden die Fahrzeuge mit der offiziellen militärischen Bezeichnung „Einsatzsystem Luftlandeplattform“ (EinsSysLLPlattf) in die Bundeswehr eingeführt. Neben der Bundeswehr haben auch die Niederlande die ersten Caracal-Fahrzeuge erhalten.

Deutschland und die Niederlande haben 2022 entschieden, den Fuhrpark ihrer Luftlandetruppen gemeinsam zu ersetzen. Deutschland fungiert in diesem binationalen Projekt mit den Niederlanden als federführende Nation und Vertragspartner der Industrie. Das BAAINBw hatte dazu im Juli 2023 mit Rheinmetall eine Rahmenvereinbarung zur Herstellung und Lieferung von bis zu 3.058 Fahrzeugen – in den Varianten Fahrzeug für den Personen-, Gruppen- und Materialtransport sowie Sanitätsfahrzeug – vom Typ Caracal für die deutschen und niederländischen Streitkräfte geschlossen. In einem ersten Schritt wurden aus dem Rahmenvertrag 1.508 Fahrzeuge – 1.004 für Deutschland und 504 für die Niederlande – fest bestellt. Die Auslieferung der ersten Serienfahrzeuge war ursprünglich für November 2025 vorgesehen.

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Die deutschen und niederländischen Fahrzeuge werden mit demselben Fahrwerk, Antriebsstrang und Chassis ausgestattet, was logistische Vorteile in der Nutzungsphase bietet. Die Rüstsätze werden sich jedoch aufgrund der Berücksichtigung besonderer nationaler Forderungen voneinander unterscheiden. Als Basis für den Caracal dient die Fahrzeugplattform der Mercedes-Benz G-Klasse Baureihe 464, auf der auch das bereits erfolgreich bei der Bundeswehr eingeführte Fahrzeugsystem „Wolf 2“ basiert.

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„Die Verwendung des gleichen Fahrgestells bringt eine Reihe von Synergieeffekten mit sich. Dabei stehen insbesondere Logistik und Instandhaltung im Vordergrund. Zudem orientiert sich die Bedienung weiterhin an der zivilen Mercedes-Benz G-Klasse, was die Ausbildung in der Truppe erleichtert“, schreibt das BAAINBw.

Der Caracal ist der Mitteilung zufolge als modularer, multifunktionaler Mobilitäts- und Waffenträger der Luftlandetruppe für luftbewegliche Operationen und weltweite Einsätze vorgesehen.

Wie aus der Mitteilung zudem hervorgeht, erhält die Bundeswehr zunächst die Fahrzeugvariante 1 – den Personal-/Materialtransporter – des Caracal, die missionsspezifisch ausgerüstet werden kann. Zudem werden die deutschen und niederländischen Luftlandekräfte die Fahrzeugvariante 2 – das Sanitätsfahrzeug – erhalten.

Die Bundeswehr plant hartpunkt vorliegenden Informationen zufolge, insgesamt 2.054 Fahrzeuge in den vier Grundvarianten zu beschaffen. Davon wurden jedoch nur 1.004 Systeme in den Grundvarianten Personal-/Materialtransport (Variante 1) und Sanitätsfahrzeug (Variante 2) fest beauftragt. Die restlichen Fahrzeuge sowie die Varianten 3 und 4 (eine davon ist eine 6×6-Variante des Fahrzeugs) sind Bestandteil einer noch nicht ausgelösten Option in der Rahmenvereinbarung. Die Kosten für die Festbestellung aus dem Jahr 2023 belaufen sich dem Vernehmen nach auf 832 Millionen Euro (Fahrzeuge) sowie 566 Millionen Euro (Führungs- und Sanitätsausrüstung). Fünf der bestellten Fahrzeuge sind Erprobungsmuster, von den 999 Serienfahrzeugen sollen 884 Fahrzeuge in der Variante 1 – von der es zehn Untervarianten geben wird – sowie 115 Fahrzeuge in der Variante 2 bestellt werden. Die Untervarianten sind Personaltransport, Gefechtsstandfahrzeug, Führungsunterstützungsfahrzeug, Spähfahrzeug, Fernspähfahrzeug, Instandsetzungsfahrzeug, Joint-Fire-Support-Team-Fahrzeug, Joint-Fire-Support-Coordination-Team-Fahrzeug, Combat-Control-Team-Fahrzeug sowie Diensthundeführerfahrzeug. Alle Varianten (1 bis 4) sind im Hubschrauber CH-47F innenlastfähig und verfügen über einen Motor mit der Emissionsklasse Euro 3, damit sie auch mit im Einsatz potenziell nur zur Verfügung stehendem minderwertigem Diesel betrieben werden können.

Der Caracal ist das Ergebnis einer Partnerschaft zwischen Rheinmetall, der Mercedes-Benz AG und der Armoured Car Systems GmbH (ACS). Die Arbeitsteilung sieht vor, dass ACS die Bodenbaugruppen inklusive des modularen Aufbaus fertigt und an Mercedes-Benz übergibt, wo diese mit einem G-Klasse-Antriebsstrang „verheiratet“ werden. Anschließend gehen sie für den Endausbau an Rheinmetall.

Der Caracal ist mit einem Sechszylinder-183-kW-Dieselmotor (249 PS) Euro 3 ausgestattet, der das Fahrzeug auf bis zu 130 km/h beschleunigen kann und ein Drehmoment von 600 Nm entwickelt. Mit 4,35 m Länge, 1,81 m Breite und 1,85 m Höhe zählt das Fahrzeug zu den kompaktesten Plattformen seiner Klasse. In Verbindung mit dem 4×4-Allradantrieb verfügt der Caracal über eine hohe Geländegängigkeit, die es dem Fahrzeug erlaubt, Steigungen von bis zu 60 Prozent zu erklimmen. Die Kletterfähigkeit beträgt 33 Zentimeter, die Grabenüberschreitfähigkeit 50 Zentimeter.

Das Fahrzeug ist so konzipiert, dass es bei Bedarf mit adaptiven, modularen Schutzelementen ausgestattet werden kann. Die Bewaffnung des Fahrzeugs erfolgt über eine Drehringlafette auf dem Dach, die unterschiedlich schwere Maschinenwaffen aufnehmen kann, sowie eine Beifahrerlafette, die für die Aufnahme von Maschinengewehren vorgesehen ist.

Waldemar Geiger