Mit dem One Way Effector 500 Plus (OWE 500+) soll das Deutsche Heer zukünftig auf Divisionsebene über eine massenproduzierbare und kostengünstige Wirkmittelkategorie verfügen, mit dem Ziele in einer Entfernung von rund 500 km im Sättigungsangriff bekämpft werden können.
Wie hartpunkt berichtete, verfolgt die Bundeswehr bei der Beschaffung von OWE-500+-Wirkmitteln offenbar eine zweigleisige Strategie. Neben einer Beteiligung an einer europäischen Initiative für solche Wirkmittel im Rahmen von ELSA (European Long Range Strike Approach) wurde dem Vernehmen nach auch das auf Beratung, Analyse und Testdienstleistungen spezialisierte Unternehmen IABG mit der Durchführung einer nationalen Studie beauftragt. Wie es heißt, sollen im Rahmen der Studie mögliche OWE-500+-Lösungen von vier Anbietern genauer untersucht werden. Dabei handelt es sich nach hartpunkt vorliegenden Informationen um Destinus, Diehl Defence, Helsing und MBDA Deutschland.
Im Rahmen des Besuchs von Verteidigungsminister Boris Pistorius bei MBDA Deutschland am Donnerstag den 30. Oktober 2026 hat das Unternehmen dem Minister sein Portfolio an unterschiedlichen Langstreckenwaffen vorgeführt, wie aus einem heute veröffentlichten Video von MBDA Deutschland hervorgeht. Dabei wurde auch ein bislang unbekannter Flugkörper gezeigt.
Der weiß gehaltene Flugkörper mit roten Winglets weist, insbesondere was Größe und Form angeht, große Ähnlichkeiten zum „DELUGE“ – früherer Name „One Way Effector“ – von MBDA France auf. Sodass mit großer Sicherheit davon ausgegangen werden kann, dass es sich bei dem namenlosen Flugkörper von MBDA Deutschland ebenfalls um einen Flugkörper der Klasse OWE 500+ handelt.
MBDA Deutschland wollte den Sachverhalt auf Anfrage von hartpunkt jedoch nicht kommentieren und auch keine Angaben zum Namen des Waffensystems machen.
Im Gegensatz zum französischen DELUGE verfügt der deutsche Flugkörper über eine stumpfere Spitze, etwas anders gestaltete Winglets sowie ein externes, an der Oberseite der Flugzelle angebrachtes Strahltriebwerk. Beim DELUGE ist das Triebwerk in die Flugzelle integriert.
Ansatz OWE 500+
Die OWE 500+ sollen in der Lage sein, Nutzlasten von rund 50 kg über eine Distanz von 500 km präzise ins Ziel zu bringen. Mit dem Sachverhalt vertraute Kreise gehen davon aus, dass die Streitkräfte bei einer Massenproduktion Stückpreise von rund 100.000 Euro anvisieren. Dadurch soll die Bundeswehr in der Lage sein, auch über längere Zeit hinweg mehr als 100 solcher Wirkmittel pro Tag zu verschießen und im Bedarfsfall nachzubeschaffen. Beobachter halten dies für durchaus realistisch.
Mögliche Produktionsengpässe könnte es höchstens bei der Herstellung von Nutzlasten geben, wenn spezifische Gefechtsköpfe benötigt würden. Offenbar wird auch die Idee verfolgt, mit den Systemen bei Bedarf Artilleriegranaten ins Ziel zu bringen. Die Wirkung solcher Granaten wäre dann möglicherweise geringer als die eines optimierten Gefechtskopfs der 50-kg-Klasse. Dafür sind die Granaten in großen Stückzahlen verfügbar und nachproduzierbar.
Waldemar Geiger
















