Die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR prüft im Rahmen einer Markterkundung mit der Bezeichnung „Ilum“ die Verfügbarkeit bodengestützter Lasersysteme zur Wirkung gegen Satelliten. Die angestrebte Erstbefähigung soll innerhalb von rund drei Jahren erreicht werden, wie aus einer Mitteilung auf der europäischen Vergabeplattform TED hervorgeht.
Als mögliche Anwendungen nennt das DLR unter anderem das Blenden und Beschädigen optischer Satellitensensoren sowie die Laserablation von Weltraumschrott. Die Behörde will ermitteln, welche entsprechenden Systeme bereits verfügbar sind beziehungsweise innerhalb eines überschaubaren Zeitraums entwickelt werden könnten.
Bei „Ilum“ handelt es sich nicht um ein Vergabeverfahren, sondern um eine unverbindliche Informationsabfrage. Unternehmen wurden aufgefordert, der Deutschen Raumfahrtagentur ihre Fähigkeiten und mögliche Lösungen darzustellen. In Deutschland arbeiten Rheinmetall und MBDA eng im Bereich Laser zusammen und sollen einen Wirklaser für Marineschiffe entwickeln. Beobachter gehen davon aus, dass MBDA auch im Bereich Counter-Space-Laser über entsprechende Fähigkeiten verfügt und als Anbieter infrage kommt.
Darüber hinaus haben sich Trumpf und Rohde & Schwarz zusammengeschlossen, um Laser für militärische Anwendungen zu entwickeln. Auch das deutsche Start-up INLEAP Photonics arbeitet an militärischen Laseranwendungen zur Drohnenabwehr. Wie diese Unternehmen im Weltraumsegment aufgestellt sind, ist nicht bekannt.
Wie hartpunkt aus gut informierten Kreisen erfahren hat, haben sich die australische Firma EOS Space Systems, Plath sowie ein drittes deutsches Unternehmen für ein Angebot im Rahmen von Ilum zusammengeschlossen. EOS ist nach eigenen Angaben seit Jahrzehnten auf die optische Weltraumüberwachung mit laserbasierten Systemen spezialisiert. Das Unternehmen entwickelt und betreibt Systeme für Space Domain Awareness (SDA), Satelliten-Laserentfernungsmessung und Space Control. Zudem verfügt es nach eigenen Angaben über eigene technische Expertise in den Bereichen Konstruktion, Entwicklung und optische Fertigung.
Wirkung bis in 45.000 Kilometer Höhe
Den veröffentlichten Angaben zufolge sucht das DLR Systeme, die gegen Weltraumobjekte in Orbithöhen zwischen 100 und 45.000 Kilometern eingesetzt werden können. Damit reicht das betrachtete Einsatzspektrum von erdnahen Orbits bis weit in den Bereich geostationärer und darüber hinausgehender Bahnen.
Die Zielzuweisung soll nach einer Voreinweisung anhand präziser und CCSDS-konformer Bahndaten erfolgen. CCSDS steht für Consultative Committee for Space Data Systems. Nach der Zielzuweisung soll das System das Objekt aktiv und/oder passiv erfassen und verfolgen, solange es sich innerhalb des Sichtfeldes befindet. Zudem verlangt das DLR eine Verifikation der Zielerfassung, um eine Fehlzuordnung – beispielsweise zu einem Satelliten auf einer anderen Umlaufbahn – zu vermeiden.
Das DLR unterscheidet in der Markterkundung mehrere mögliche Kernfunktionalitäten. Dazu zählt zunächst das zeitweise Blenden optischer Sensoren von Aufklärungssatelliten („Deny“). Darüber hinaus wird nach Systemen gefragt, die optische Sensoren beschädigen oder zerstören können („Degrade“ beziehungsweise „Destroy“).
Als weiteres Wirkprofil wird die Beeinträchtigung anderer Satellitenkomponenten durch Laserwirkung genannt. Schließlich soll auch die Beeinflussung von Weltraumschrott durch sogenannte Laserablation betrachtet werden. Das DLR verlangt dabei, dass während der Laserwirkung eine unbeabsichtigte Einwirkung auf andere Weltraum- oder Luftfahrtobjekte im Strahlengang ausgeschlossen wird.
Das DLR lässt die spätere Systemarchitektur ausdrücklich offen. In der Bekanntmachung heißt es, derzeit sei noch nicht absehbar, ob für die Erst- und Vollbefähigung ein einzelnes System mit sämtlichen Kernfunktionalitäten oder mehrere Systeme mit jeweils unterschiedlichen Wirkfähigkeiten bevorzugt werden.
Erstbefähigung ab 2029
Für die Herstellung einer Erstbefähigung sieht das DLR einen Zeitraum von rund 36 Monaten vor. Eine vollständige Befähigung soll innerhalb von sechs Jahren erreicht werden. Eine Auftragsbekanntmachung soll im Januar 2027 erfolgen.
Die Fragen des DLR an die Industrie gehen über die technischen Eckdaten des Lasers hinaus. Gefragt wird unter anderem nach den wichtigsten Zulieferern und deren Bedeutung für das angebotene Produkt. Die Unternehmen sollen außerdem darlegen, welche Informationen sie bei einer späteren Angebotsaufforderung vom Bedarfsträger benötigen würden, um ein qualifiziertes Angebot erstellen zu können. Die Deutsche Raumfahrtagentur erhält damit einen Überblick darüber, welche industriellen Wertschöpfungsketten und Systemkompetenzen für eine spätere Counter-Space-Fähigkeit zur Verfügung stehen.
Lars Hoffmann










