Der stark in der Ukraine engagierte deutsche Drohnen- und Softwarespezialist Quantum Systems arbeitet gegenwärtig am Ausbau seiner Fähigkeiten zur Bekämpfung schneller Angriffsdrohnen wie der russischen Geran 4 und 5, die über einen Jetantrieb verfügen. Wie Martin Karkour, Chief Revenue Officer bei Quantum Systems, heute bei einem Pressebriefing in Berlin sagte, will sein Unternehmen zeitnahein Folgemuster der Abfangdrohne Skyron-400, das mehr als 600 Stundenkilometer fliegen kann, auf den Markt bringen und an Kunden ausliefern. Bei der Skyron-400 handelt es sich um eine raketenmotorgestützte Abfangdrohne, die Karkour zufolge durch einen nicht weiter spezifizierten Staat im Mittleren Osten beschafft wurde.
Gegenwärtig läuft die Entwicklung der schnelleren Skyron-600, sagte Karkour. Hintergrund der Entwicklung dürften die Änderungen der russischen Drohnenkriegsführung sein. So werden seit einiger Zeit deutlich schnellere, jetrangetriebene Drohnen, etwa des Typs Geran 4 und 5, eingesetzt. Damit müssen auch die Abwehrdrohnen schneller werden, um ihr Ziel zu erreichen. Nach Angaben von Quantum Systems fliegen neue russische Angriffsdrohnen überdies in deutlich größeren Höhen als in der Vergangenheit. Damit müssen die Abwehrdrohnen auch in Höhen von vier Kilometern oder noch darüber hinaus operieren können. Die Herausforderung dabei ist das Energiemanagement der elektrisch angetriebenen Abfangdrohnen, sodass diese nicht bereits einen Großteil ihrer Energie für das Erreichen der notwendigen Einsatzhöhe verbrauchen.
Zusammen mit ukrainischen Partnern testet Quantum Systems dabei verschiedene Konzepte. So könnten die Abfangdrohnen beispielsweise mithilfe eines Raketenboosters in die Höhe (bis zu 3.000 m) transportiert werden. Ein anderes Konzept sieht vor, mehrere Interceptor-Drohnen unter den Tragflächen einer Starrflügeldrohne quasi als Mutterschiff auf Einsatzhöhe zu bringen. Das Mutterschiff könnte dann auf Patrouillenflug gehen. Ein weiteres Konzept sieht den Einsatz einer Helikopterdrohne zur Verbringung in die notwendige Einsatzhöhe vor. Diese Ansätze sollen offenbar in den kommenden Monaten weiter untersucht werden.
Die Tests in der Ukraine erfolgen jedoch nicht mit der Skyron-600, sondern mit der „SPYS“, einer in der Ukraine von Quantum WIY Industries, einem Joint Venture von Quantum Systems und dem ukrainischen Drohnenhersteller WIY Drones, entwickelten Abfangdrohne. Die Abfangdrohne soll Medienberichten zufolge Geschwindigkeiten von fast 500 km/h erreichen können und wird Quantum Systems zufolge bereits zusammen mit ukrainischen Streitkräften zur Abwehr von Geran-Drohnen mit Jetantrieb eingesetzt. Deutschland hat erst wenige Tage zuvor die Finanzierung von mehreren Zehntausend SPYS-Abfangdrohnen zugesichert, von denen der Hersteller eigenen Angaben zufolge TausendeSysteme pro Monat fertigen und ausliefern kann.
Mit Blick auf die rasante technologische Entwicklung in der Ukraine warnte Karkour davor, dass in Deutschland Drohnen für die Bedrohungen der Vergangenheit beschafft werden könnten. Es werde oftnach bestimmten Produkten, wie etwa Netzdrohnen oder Interzeptoren, gefragt, jedoch nicht danach, welche Fähigkeiten benötigt würden. Dabei sei es sehr wichtig, Fähigkeiten ständig weiterentwickeln zu können.
So sei Quantum Systems eigenen Angaben zufolge eines von rund drei bis fünf Unternehmen, die Geran-Drohnen mit Jetantrieb in der Ukraine bekämpfen können. Um dies zu erreichen, habe der deutsche Drohnenspezialist seit Kriegsbeginn in der Ukraine eine lange Lernphase durchlaufen und seine Produkte ständig anpassen müssen.
Für Deutschland stellen sich die Fragen,„wie kann ich aus Geld eine Fähigkeit machen? Wie kann ich aus der Fähigkeit eine Verfügbarkeit machen? Und wie können wir aus einer Verfügbarkeit auch eine Wirkung erzielen?“, sagte Karkour. Dies gehe nur mit Unternehmen, die über die Produkte und die Fähigkeit zur kontinuierlichen Weiterentwicklung verfügen.
Wenn in diesem und dem kommenden Jahr von verschiedenen Ressorts in Deutschland Drohnenabwehrmittel ausgewählt werden, sollte dabei auch berücksichtigt werden, dass die Unternehmen mit der Veränderung der Drohnenbedrohung Schritt halten können, empfiehlt Karkour. Ein solches Unternehmen müsse auch die Produktion skalieren können.
Seinen Worten zufolge sollte dabei das Gesamt-Abwehrsystem aus Sensoren, Effektoren und Datenverarbeitung, durch das ein Lagebild entsteht, betrachtet werden. Denn der einzelne Effektor könne bereits nach kurzer Zeit veraltet sein.
Lars Hoffmann


















