Die Deutsche Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) startet eine Markterkundung für die Beschaffung eines verlegefähigen Bodensegments, das zum Betrieb militärischer Satelliten eingesetzt werden soll. Das geht aus einer am 23. September veröffentlichten Mitteilung auf der europäischen Vergabeplattform TED hervor. Gesucht wird eine schlüsselfertige und mobile Lösung, mit der Satelliten der Bundeswehr in unterschiedlichen Erdumlaufbahnen operativ gesteuert werden können.
Bei dem Vorhaben handelt es sich ausdrücklich noch nicht um ein Vergabeverfahren. Mit der Markterkundung will die Deutsche Raumfahrtagentur zunächst einen Überblick über verfügbare Technologien, Anbieter, Entwicklungszeiten und voraussichtliche Kosten gewinnen. Unternehmen können bis zum 19. Oktober 2026 entsprechende Unterlagen und Referenzen einreichen.
„Das Bodensegment bildet bei Raumfahrtmissionen die essenzielle infrastrukturelle Schnittstelle zwischen der terrestrischen Welt und weltraumgestützten Systemen“, heißt es in der Mitteilung.
Das geplante Bodensegment soll den Betrieb militärischer Satelliten in Umlaufbahnen vom Low Earth Orbit (LEO) über den Medium Earth Orbit (MEO) bis zum geostationären Orbit (GEO) ermöglichen. Vorgesehen sind insbesondere Funktionen für Telemetrie, Tracking und Command (TT&C) sowie für den Empfang und die Weiterleitung von Nutzlastdaten.
Ein wesentliches Merkmal ist die Verlegefähigkeit des Bodensegmentes. Die erforderlichen Systeme sollen entweder in fahrzeugintegrierten Lösungen oder in standardisierten 20-Fuß-Containern untergebracht werden, „um die Satelliten nomadisch aus diesen zu kommandieren“. Gefordert werden Lösungen, die für Straßen-, Schienen-, See-, Binnenschiffs- und Lufttransport geeignet sind und auch auf unbefestigtem Grund betrieben werden können.
Das Bodensegment soll dabei weitgehend autark betrieben werden können. Eine Versorgung über das öffentliche Stromnetz oder über Generatoren, die einen mehrtägigen Betrieb ermöglichen, wird gefordert. Zudem soll das System auch ohne externe Datenverbindung und unabhängig von GNSS betrieben werden können. Für die Kommunikation mit übergeordneten Stellen sind kabelgebundene, mobilfunkbasierte und satellitengestützte Datenverbindungen vorgesehen.
Besondere Anforderungen gelten für die Informationssicherheit. Die Datenverbindungen sollen Verschlüsselungen bis zur Geheimhaltungsstufe GEHEIM ermöglichen und über redundante Kommunikationswege verfügen.
Technisch soll das System in die bestehende militärische Kommunikations- und Führungsarchitektur integriert werden können. Gefordert wird unter anderem die Kompatibilität mit Federated Mission Networking (FMN) sowie dem Plattformanteil der Multidomain Combat Cloud.
Das Missionskontrollzentrum soll Arbeitsplätze für das Betriebspersonal sowie die notwendige Rechner- und Kommunikationsinfrastruktur umfassen. Die Software für das Missionskontrollzentrum ist allerdings ausdrücklich nicht Bestandteil der aktuellen Markterkundung.
Für das Antennensystem werden mehrere Frequenzbereiche gefordert. Es soll Kommunikation unter anderem im S-, X-, Ku- und Ka-Band ermöglichen und auch mit Laser Communication Terminals (LCTs) umgehen können. Das System muss Satelliten abhängig von ihrer Umlaufbahn verfolgen sowie Daten senden und empfangen können.
Nach derzeitiger Planung soll das Vorhaben eine Laufzeit von 24 bis 36 Monaten haben und voraussichtlich im April 2027 beginnen. Die Markterkundung soll nach Angaben der Deutschen Raumfahrtagentur zur Weiterentwicklung nationaler Fähigkeiten für Weltraumoperationen und zur Steigerung der Resilienz beitragen.
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