Norwegen und Schweden haben gemeinsam den Einsatz unbemannter Bodenfahrzeuge im Verbund mit Drohnen in der Luft erprobt. Dies gaben die norwegischen Streitkräfte am 10. September 2026 in einer Mitteilung bekannt. Bei dem Versuch ging es nicht um die Demonstration einer fertigen Gefechtstaktik, sondern um die Frage, wie mehrere unbemannte Systeme koordiniert eingesetzt und von einer gemeinsamen Führungsstelle aus gesteuert werden können.
Das Forschungsinstitut der norwegischen Streitkräfte FFI (Forsvarets forskningsinstitutt) hat gemeinsam mit dem norwegischen Heer, den schwedischen Streitkräften und weiteren Forschungseinrichtungen einen umfangreichen Versuch mit unbemannten Bodenfahrzeugen (UGV) durchgeführt. Im Mittelpunkt stand ein Szenario, in dem eine Gruppe unbemannter Fahrzeuge eine gegnerische Stellung überwinden sollte. Unterstützt wurden die UGV dabei durch unbemannte Luftfahrtsysteme (UAS). Diese übernahmen Aufklärungsaufgaben und sollten Bedrohungen für die Bodenfahrzeuge frühzeitig erkennen beziehungsweise im Anschluss bekämpfen. Ziel des Versuches war es, ein schwedisches, ferngesteuertes Versorgungsfahrzeug unbeschadet durch den gegnerischen Wirkungsbereich zu bringen. Sämtliche Luft- und Bodenfahrzeuge wurden dabei von einer gemeinsamen Kommandostelle aus geführt.
FFI betont in der Mitteilung, dass es sich bei dem Versuch ausdrücklich nicht um eine taktische Übung handelte. Vielmehr sollte ein technologischer und konzeptioneller Erkenntnisgewinn erzielt werden. Die Beteiligten wollten Schwachstellen identifizieren, Fehler provozieren und feststellen, wo und wann die gegenwärtig verfügbaren Systeme an ihre Grenzen stoßen. Dabei standen unter anderem die Belastung der Bediener, die Führbarkeit der eingesetzten Systeme und die Kommunikation zwischen Mensch und Fahrzeug im Mittelpunkt. Ebenso wurde untersucht, ob sich die von Aufklärungsdrohnen und UGV gewonnenen Informationen sinnvoll in ein Battle Management System integrieren lassen.
Der in der Mitteilung beschriebene Versuch ist dabei nur ein Szenario von mehreren. Die Vorgehensweise sei bewusst schrittweise ausgelegt. Nach Angaben von FFI soll zunächst eine koordinierte, ferngesteuerte Operation zwischen mehreren unbemannten Systemen zuverlässig funktionieren. Fragen wie die Widerstandsfähigkeit der Telemetrieübertragung gegen elektronische Kampfführung werden zwar parallel bearbeitet, standen bei diesem konkreten Versuch jedoch nicht im Mittelpunkt.
Gerade dieser Ansatz verdeutlicht eine der wesentlichen Herausforderungen beim Einsatz von UGV. Nicht allein das einzelne Fahrzeug muss zuverlässig funktionieren. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel zahlreicher Systeme, von Sensoren und UAS über Bodenfahrzeuge und Kommunikationsnetze bis hin zu Führungs- und Informationssystemen.
Eine zentrale Fragestellung des Versuchs war deshalb die gleichzeitige Steuerung mehrerer unbemannter Fahrzeuge. Auch wenn zu der Anzahl der eingesetzten Systeme keine konkreten Angaben gemacht wurden, zeigen die mit der Mitteilung veröffentlichten Bilder eine Kolonne von acht UGV, die auf einem norwegischen Übungsgelände gleichzeitig operieren.
Neben dem technologischen Aspekt hat die Erprobung auch eine industrie- und rüstungspolitische Dimension. Norwegen und Schweden arbeiten bei der Entwicklung und Erprobung unbemannter Systeme eng zusammen. Auch Finnland ist in den Erfahrungsaustausch eingebunden.
Sven Bjerke, ein Wissenschaftler des Forsvarets forskningsinstitutt, verweist dabei in der Mitteilung des FFI auf gemeinsame Herausforderungen der nordischen Staaten. Dazu gehören insbesondere die schwierige Topografie sowie die Anforderungen an militärische Systeme bei winterlichen Bedingungen. Nach seiner Einschätzung berücksichtigen kommerzielle Anbieter diese spezifischen Anforderungen nicht immer ausreichend. Der Erfahrungsaustausch soll deshalb verhindern, dass die beteiligten Streitkräfte dieselben technischen und konzeptionellen Fehler mehrfach machen. Während Norwegen bei der Erprobung von UGV früh aktiv war, hat Schweden nach Einschätzung von FFI inzwischen bei der Konzeption und dem Ressourceneinsatz aufgeholt.
Für die beteiligten Streitkräfte entsteht damit ein Vorteil: Erfahrungen aus der praktischen Erprobung können zwischen den Ländern ausgetauscht werden, bevor entsprechende Systeme in größerem Umfang beschafft und in die Truppe eingeführt werden.
FFI erwartet für unbemannte Bodenfahrzeuge eine ähnliche Dynamik, wie sie in den vergangenen Jahren bei UAS zu beobachten war. Bei unbemannten Luftfahrzeugen habe sich innerhalb von fünf Jahren eine erhebliche Entwicklung vollzogen. Eine vergleichbare Entwicklung könne nun bei UGV bevorstehen, so die Wissenschaftler des Instituts. Der Vergleich mit UAS ist allerdings nur eingeschränkt übertragbar.
Während kleine Drohnen inzwischen vergleichsweise kostengünstig und in großer Zahl eingesetzt werden können, sind unbemannte Bodenfahrzeuge mit erheblich komplexeren Anforderungen konfrontiert. Sie müssen sich nicht nur autonom beziehungsweise ferngesteuert bewegen, sondern auch mit Gelände, Hindernissen, Vegetation und unterschiedlichen Bodenverhältnissen umgehen können.
Hinzu kommt die Frage der sicheren Kommunikation. Ein UGV, das auf dem Gefechtsfeld eingesetzt wird, muss auch unter erschwerten Bedingungen und Störmaßnahmen kontrollierbar bleiben. Die Entwicklung von UGV dürfte deshalb zunehmend in Richtung höherer Autonomie gehen. Neben der mangelnden Stabilität der Telemetrieübertragung ist insbesondere bei einer hohen Anzahl von gleichzeitig eingesetzten Systemen die manuelle Steuerung jeder einzelnen Plattform dauerhaft kein praktikabler Ansatz.
Kristóf Nagy


















