Die Ausgabe der neuen DOKS-Kampfbekleidung (Defence Operational Clothing System) in den niederländischen Streitkräften wird sich erneut um einige Monate verzögern. Wie das niederländische Verteidigungsministerium in einer gestern veröffentlichten Mitteilung bekanntgab, wird die Kampfbekleidung nicht wie ursprünglich geplant im September 2026, sondern erst Anfang 2027 an die Soldatinnen und Soldaten ausgegeben. Als Grund für die Verzögerung wird das „extrem heiße Wetter“ aufgeführt, welches zu Stromausfällen in der Fabrik in Tunesien führte, die daher eine Zeit lang nicht produzieren konnte. „Wichtige Kleidungsstücke wie die Kampfjacke und die Kampfhose konnten daher nicht geliefert werden“, heißt es in dem Beitrag auf der Webseite des niederländischen Verteidigungsministeriums.
Dass sich Beschaffungsvorhaben verzögern können, ist weder neu noch ist das eine Seltenheit. Auch die um wenige Monate verzögerte Ausgabe eines neuen Kampfbekleidungssystems an die Truppe ist de facto eine Petitesse. Das interessante an dieser Meldung ist der Umstand, dass das niederländische Verteidigungsministerium dazu eigens kommuniziert hat und mit welcher Transparenz es das getan hat.
Auf der Seite des deutschen Verteidigungsministeriums oder der Bundeswehr muss man hingegen lange suchen, um ein vergleichbares, proaktives Handeln bei deutschen Rüstungsbeschaffungsvorhaben zu finden, unabhängig davon, ob es sich um „einfache“ Kampfbekleidung handelt, oder komplexe Waffensysteme.
Dabei schafft die transparente Kommunikation Vertrauen zum Dienstherrn und verhindert das Aufflammen von Gerüchten sowie sonstigen negativen Nebenerscheinungen. Insbesondere dann, wenn es sich eh um ein im Fokus stehendes Vorhaben handelt, wie es hier bei der DOKS offensichtlich der Fall ist.
Die niederländischen Streitkräfte versuchen schon seit mehreren Jahren, ein neues Kampfbekleidungssystem einzuführen. Nachdem Rechtsstreitigkeiten die ursprünglich für Anfang der 2020er Jahre geplante Einführung der DOKS-Kampfbekleidung verhindert und zu einer Neuausschreibung geführt haben, gab es auch im zweiten Anlauf Verzögerungen. Im Zuge der Erprobung wurde festgestellt, dass keines der bei der zweiten Ausschreibung eingereichten Bekleidungssysteme die Ansprüche der niederländischen Streitkräfte erfüllen konnte. Somit mussten Nachbesserungen erfolgen, bevor es zu einem Zuschlag kommen konnte.
Schlussendlich konnte sich das Angebot des deutschen Kampfbekleidungsspezialisten Hexonia durchsetzen, welches hartpunkt vorliegenden Informationen zufolge bereits im ersten Anlauf bezuschlagt werden sollte. Im März 2024 beauftragten die niederländischen Streitkräfte die Hexonia GmbH mit der Lieferung des sogenannten Defence Operational Clothing System (DOKS), wie hartpunkt berichtete. Zu dem Zeitpunkt wurde jedoch kommuniziert, dass die Ausgabe der Kampfbekleidung im Frühjahr 2026 erfolgen sollte.
Dem niederländischen Verteidigungsministerium zufolge ist die DOKS-Kampfbekleidung als mehrschichtiges und aufeinander abgestimmtes System konzipiert. Zu dem System gehören Kleidungsstücke wie Kampfhose, Kampfhemd, Feldbluse und Nässeschutzbekleidung. Die Bekleidung ist so ausgelegt, dass sie sowohl von Soldatinnen als auch von Soldaten bequem getragen werden kann.
DOKS-Historie
Die Niederlande hatten Mitte 2016 beschlossen, die Streitkräfte mit einer moderneren persönlichen Schutzausrüstung auszustatten. Die Umsetzung begann 2017. Nach einer Erhöhung des Verteidigungshaushaltes wurde 2018 beschlossen, das anfänglich für einen Teil der Streitkräfte bestimmte Projekt auf die kompletten Streitkräfte zu erweitern. DOKS ist für alle niederländischen Soldaten aller Teilstreitkräfte bestimmt. Insgesamt war geplant, ab Beginn der 2020er Jahre etwa 40.000 bis 45.000 Soldaten der Marine, des Heeres, der Luftwaffe und der Militärpolizei mit dem neuen Kampfbekleidungssystem auszurüsten.
Mitte 2020 kam es dann zu ersten Verzögerungen im Projekt, weil einer der unterlegenen Anbieter Einspruch gegen die Entscheidung eingereicht hatte. So wurde seitens der Niederlande beschlossen, die Truppe als Zwischenlösung mit einer Übergangs-Kampfbekleidung auszustatten.
Zu Jahresbeginn 2023 kam es zu erneuten Verzögerungen in dem Vorhaben, als das niederländische Verteidigungsministerium am 1. Februar 2023 in einer Pressemeldung mitteilte, dass die angebotene Kleidung von den zwei im Wettbewerb verbliebenen Teilnehmern die vorab festgelegten Anforderungen nicht erfüllt habe. Den Anbietern wurde daher die Möglichkeit eingeräumt, Verbesserungen an den Kampfbekleidungssystemen vorzunehmen.
Waldemar Geiger


















