Mit der wachsenden Bedeutung des Weltraums für die Bundeswehr und anderen Behörden mit Sicherheitsaufgaben gewinnt auch die Resilienz der über Satelliten bereitgestellten Dienste an Relevanz. Hier kommt das Konzept „Responsive Space“ zum Tragen. Die Bundesregierung versteht darunter die Fähigkeit, ausgefallene Weltraumsysteme kurzfristig zu ersetzen oder durch schnell in den Orbit verbrachte Fähigkeiten gezielt neue Schwerpunkte zu setzen, so ein Sprecher des BMVg.
Um entsprechende Konzepte zu erproben, haben BMVg und Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) eine gemeinsame Mission zur Demonstration nationaler Fähigkeiten in den Bereichen Responsive Space und Rapid Launch ins Leben gerufen, wie er weiter ausführte. Ziel der „Responsive Launch Demonstration“ sei es aufzuzeigen, ob und wie es möglich ist, Satelliten in einem vordefiniert kurzen Zeitfenster zu beschaffen, diese sicher in den Orbit zu verbringen und deren Betrieb zu gewährleisten. Der Haushaltsausschuss des Bundestags habe die dafür vorgesehenen Mittel vor der parlamentarischen Sommerpause bewilligt, so der Sprecher.
Wie einem Monitoring-Bericht des Finanzministeriums vom Juni zu entnehmen ist, wird eine Demonstrationsmission mit maximal vier Satelliten vorbereitet. Der Start sei für Ende 2027 vorgesehen und die Satelliten sollen bis 2028/2029 ihren Betrieb aufnehmen. „Damit wird eine wichtige Grundlage für die Umsetzung der Weltraumsicherheitsstrategie dargestellt“, heißt es in dem Papier. Der Mehrwert der Maßnahme liege in der Stärkung der notwendigen deutschen industriellen Kompetenzen im Kleinsatellitenmanagement sowie dem Aufbau von Infrastruktur für nationale Launchersysteme und europäische Startmöglichkeiten zur Schaffung eines souveränen Zugangs zum All, auch im Krisenfall.
Laut Monitoring-Bericht startete die Ausschreibung für das Vorhaben Ende März dieses Jahres, bei dem zwei New-Space-Unternehmen ausgewählt werden sollen. Bis zum 15. August sollte die „Rapid Space Demonstration Mission“ beauftragt sein. Dieser Zeitplan wurde jedoch offenbar nicht gehalten. Wie ein Sprecher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) auf Nachfrage von hartpunkt mitteilte, ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen und eine Beauftragung daher nicht erfolgt. Das DLR ist mit der Umsetzung der Ausschreibung beauftragt. Insider hoffen auf eine Vergabe in den kommenden Wochen.
Mit Spannung wird nun erwartet, welche Unternehmen bei dem Vorhaben das Rennen machen werden. Dabei dürfte es unter anderem darauf ankommen, wie das Thema nationale Souveränität und deutsche intellektuelle Eigentumsrechte in der Ausschreibung gewichtet werden. Zu den New-Space-Unternehmen, die in Frage kommen, dürfte nach Einschätzung von Insidern unter anderem das Start-up Reflex Aerospace gehören, das nicht nur über deutsche Wurzeln verfügt, sondern auch nachgewiesen hat, dass es in sehr kurzer Zeit Satelliten herstellen kann. Beobachter sehen überdies Berlin Space Technologies (BST) als möglichen Kandidaten, da das Unternehmen die erforderliche deutsche DNA aufweist und bereits seit mehr als einer Dekade kleine Satelliten baut und in den Orbit schickt.
Bisher ist es bei der Bundeswehr üblich, dass sich der für ein Projekt beauftragte Satellitenhersteller auch um die Transportkapazitäten ins All kümmert. Beobachter gehen davon aus, dass dies auch bei der Demonstrationsausschreibung der Fall sein dürfte. Damit müssten sich die Gewinner um einen Startslot bei einem deutschen Micro-Launcher-Unternehmen bemühen. An der Spitze bei der Entwicklung solcher kleinen Trägerraketen dürfte Isar Aerospace stehen, gefolgt von den Start-ups Rocket Factory Augsburg und HyImpulse, wobei noch keiner der drei Player eine Nutzlast in den Orbit gebracht hat.
Das Rapid-Launch-Projekt deckt sich erstaunlich gut mit einem anderen Vorhaben der Bundeswehr: Der Nutzung von sogenannten Schwert- und Schild-Satelliten zur Verteidigung der eigenen Weltraum-Assets. Beobachter vermuten deshalb, dass es sich um das gleiche Projekt handelt.
Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom Juli zufolge sollen 2027 mit deutschen Trägerraketen im Rahmen eines Programms, das auch als „Schwert und Schild“ bezeichnet wird, zwei Störsatelliten ins All gebracht werden. Insgesamt gehe es dabei sogar um vier Satelliten, die mithilfe von zwei Trägerraketen in den Orbit transportiert werden: neben den zwei Störsatelliten auch zwei defensive „Inspektorsatelliten“.
Bereits im Sommer vergangenen Jahres hatte das DLR eine Marktsichtung für das Vorhaben „Schild“ gestartet, in dessen Rahmen kurzfristig ein Satellit beschafft werden soll. Dieser Satellit solle sich anderen Satelliten im All annähern und diese inspizieren können, hieß es damals. Gefordert wurde, den Inspektionssatelliten von einem deutschen Launcher in die Umlaufbahn zu bringen. Geführt werden soll er dann von der Bundeswehr.
Parallel dazu untersuchte das DLR die kurzfristige Beschaffung eines zweiten Satelliten im Rahmen des „Schwert“-Ansatzes. Dieser Trabant soll sich ebenfalls gegnerischen Satelliten annähern und diese durch elektromagnetische Störungen bei der Zielerfassung oder Aufklärung ausschalten können – also ein echter offensiver Satellit.
Beobachter gehen davon aus, dass es sich bei Schwert und Schild eher um Satelliten in einem erdnahen Orbit handeln dürfte. In der Bekanntmachung hieß es damals, dass der Satellit innerhalb von 11 Monaten gebaut, getestet und für einen Start geliefert werden soll. Sollte diese Zeitvorhabe auch noch für die Responsive Launch Demonstration gelten, bestünde auch bei verspäteter Vergabe noch ein ordentlicher Zeitpuffer. Beobachter sehen dabei weniger beim Satellitenbau einen möglichen Engpass, sondern eher bei den Launch-Kapazitäten, da hier noch Expertise aufgebaut werden muss.
Lars Hoffmann

















