Das Deutsch-Französische Forschungsinstitut Saint-Louis (ISL) hat am 29. Juni mit der vollständig am ISL entwickelten und gebauten Railgun auf dem Testgelände des Instituts in Baldersheim zum ersten Mal im Freien einen Schuss abgegeben.
Der Schuss sei ein Meilenstein der Railgun-Freiflug-Anlage des ISL, einem vor zwei Jahren gestarteten Programm, das interdisziplinäres Fachwissen aus dem gesamten Institut zusammenführe, schreibt das ISL. Die Anlage baue auf den Grundlagenarbeiten des ISL im Bereich der elektromagnetischen Beschleunigung auf und hebe diese auf eine neue Stufe: im Freien, im freien Flug, unter Bedingungen, die sich den für die praktische Anwendung relevanten Bedingungen annähern.
Eine Railgun ist ein elektromagnetisches Abschussgerät, das elektrische Energie – anstelle chemischer Treibstoffe – nutzt, um ein Projektil zu beschleunigen. Der Übergang zu Freifeldbedingungen, also zum freien Flug, ist nach Angaben des ISL ein notwendiger Schritt über die Laborarbeit hinaus: Hier beginne die Bewertung einer Technologie unter Bedingungen, die denen des späteren Einsatzes näherkommen.
Die Technologie ist seit langem von Interesse für Verteidigungsforscher, unter anderem als möglicher langfristiger Beitrag zur Abwehr von Hyperschallbedrohungen. Ein elektromagnetisches Abschusssystem könne besser an verschiedene Flugbahnen angepasst werden. Die Realisierung dieses Potenzials hängt den Angaben zufolge jedoch von jahrelanger weiterer Forschung, Skalierung und Qualifizierung ab.
Frühere Arbeiten des ISL zur elektromagnetischen Beschleunigung wurden im Labormaßstab durchgeführt. Mit der neuen Anlage kann das ISL nach eigenen Angaben nun Dinge tun, die zuvor nicht möglich waren: die Energie schrittweise über mehrere Abschüsse hinweg skalieren, das Verhalten von Projektilen im freien Flug über nennenswerte Entfernungen untersuchen, die Forschung zur Integration in Abschussvorrichtungen vertiefen und an Munition arbeiten, die speziell für den elektromagnetischen Abschuss entwickelt wurde.
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