Der vom US-Rüstungskonzern Lockheed Martin entwickelte und gebaute Patriot-Flugkörper PAC-3 MSE gilt insbesondere im Rahmen der Abwehr von ballistischen Raketen als besonders leistungsfähig. In den US-Streitkräften wird das Waffensystem Patriot aktuell nur mit diesen Flugkörpern bewaffnet, die über eine sogenannte Hit-to-Kill-Fähigkeit verfügen und ein gegnerisches Ziel durch einen Direkttreffer ausschalten können. Bis dato können die für die Raketenabwehr besonders wichtigen PAC-3-Flugkörper jedoch nur in den USA und Japan gefertigt werden. In Europa werden die Raketen hingegen nicht gebaut. Dabei wird es offenbar auch bleiben, wenn man den Ankündigungen im Zuge des NATO-Gipfels in Ankara Glauben schenken darf, wonach nur der Aufbau einer PAC-3-Wartungseinrichtung auf europäischem Boden angestrebt wird.
So schreibt Lockheed Martin in einer heute veröffentlichten Mitteilung, dass das Unternehmen die Zusage der Vereinigten Staaten, Deutschlands, der Niederlande, Polens und Schwedens begrüßt, die Einrichtung einer speziellen Wartungseinrichtung für die im Patriot-System zur Raketenabwehr verwendeten PAC-3-Flugkörper in Europa zu prüfen. Die gemeinsame zwischenstaatliche Vereinbarung wurde heute im Rahmen des NATO-Gipfel-Forums zur Verteidigungsindustrie unterzeichnet, das Teil des NATO-Gipfels 2026 in Ankara ist.
Die geplante Wartungseinrichtung für PAC-3-Raketen werde die wachsende Gemeinschaft der NATO-Verbündeten unterstützen, die Abfangraketen des PAC-3 Missile Segment Enhancement (MSE) und der PAC-3 Cost Reduction Initiative (CRI) einsetzen. Lockheed Martin will seine jahrzehntelange Erfahrung in den Bereichen Raketenproduktion, Instandhaltung, Technik und Lieferkettenmanagement einbringen, um den Aufbau der geplanten Anlage sowie die verbündeten Nationen zu unterstützen, die auf PAC-3-Fähigkeiten angewiesen sind.
Bei der PAC-3 handelt es sich um den leistungsfähigsten Raketenabwehr-Flugkörper des Patriot-Systems. Während der von Raytheon entwickelte Patriot-Flugkörper GEM-T, der offenbar Vorteile bei der Bekämpfung von Flugzeugen auf große Entfernung aufweist, in Zukunft zusammen mit MBDA Deutschland produziert wird, haben die USA offenbar kein Interesse daran, die modernere PAC-3 in Europa herstellen zu lassen. Auch bei der Gemeinschaftsproduktion von ATACMS-Boden-Boden-Raketen durch ein Joint Venture von Rheinmetall und Lockheed Martin, die heute bekanntgegeben wurde, handelt es sich um eine Waffe, die aktuell in den US-Streitkräften durch einen moderneren Flugkörper ersetzt wird.
Die geplante Anlage zu PAC-3-Wartung werde die Einsatzbereitschaft der integrierten Luft- und Raketenabwehr der NATO stärken, indem sie Wartungs- und Instandhaltungskapazitäten in der Region bereitstelle, die dazu beitragen, dass PAC-3-Raketen einsatzbereit bleiben, heißt es in der Mitteilung. „Die industrielle Zusammenarbeit stärkt die transatlantische Verteidigungsindustriebasis und trägt zum wirtschaftlichen Fortschritt und zur gemeinsamen Sicherheit bei“, so Jay Pitman, Präsident von Lockheed Martin International.
Die Nachfrage nach PAC-3 wächst nach Angaben des Herstellers weltweit weiter an. Im Januar wurde eine Rahmenvereinbarung mit dem US-Verteidigungsministerium geschlossen, um die Produktionskapazität für PAC-3 MSE zu verdreifachen. Im April vergab die US-Regierung einen Auftrag im Wert von 4,7 Milliarden US-Dollar an Lockheed Martin, um die Produktion von PAC-3 MSE in diesem Jahr weiter zu beschleunigen.
Lars Hoffmann
















