Der Münchener Panzerbauer KNDS Deutschland und Hensoldt zeigen im Rahmen der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris den Kampfpanzer Leopard 2 A8 erstmals mit einem neuartigen Schutzsystem, das über die Fähigkeit der Optikdetektion verfügt.
Über dem Periskop des Kommandanten befindet sich ein aus dem Schützenpanzer Puma bekannter „dreibeiniger“ Aufbaut, der als Sensorträger fungiert. Im Gegensatz zum abstandsaktiven Softkill-Schutzsystem vom Typ MUSS (Multifunctional Self-Protection System) des Pumas befindet sich auf dem gezeigten Leopard 2 A8 ein anderes System, welches zwar große Ähnlichkeiten mit einem MUSS 2.0 aufweist, aber doch ein anderes Schutzsystem ist.
Nach Angaben von KNDS handelt es sich um eine in Weiterentwickelung befindliche Variante des MUSS. Weitere Details wollten weder KNDS noch Hensoldt auf Nachfrage benennen. Gleichwohl berichtete hartpunkt bereits im Februar 2025, dass Hensoldt vom BAAINBw mit der „Einrüstung der Erweiterung des Multifunktionalen Selbstschutz-System (MUSS)“ auf den Leopard 2 beauftragt wurde. Dabei ging es um ein Variante des MUSS, die selbst das MUSS 2.0 nicht hat. „Das MUSS ist ein elektrooptischer Sensor-/Effektorverbund welcher um die Fähigkeit der Optikdetektion erweitert werden soll“, hieß es in der damaligen BAAINBw-Mitteilung auf der europäischen Online-Vergabeplattform TED. „Da die Optikdetektion auf dem physikalischen Prinzip des Katzenaugeneffekts beruht, kann somit die Funktionsweise des MUSS übernommen werden. Die Leistungsbeschreibung umfasst die Integration des weiter entwickelten Systems in einen KPz LEOPARD 2A7, um die Fähigkeit der Optikdetektion zu realisieren“, schrieb das BAAINBw weiter.
Wie Hensoldt später mitteilte, handelt es sich dabei um das System ODAEON. In Zusammenarbeit mit dem BAAINBw entwickelt, soll das ODAEON die automatisierte Aufklärung feindlicher optischer Systeme auf dem Gefechtsfeld revolutionieren. „Die innovative Lösung ermöglicht in Echtzeit, optische Aufklärungssysteme, wie feindliche Drohnen und optische Zielerfassungssysteme, zu detektieren, der Besatzung zu melden und darzustellen“, beschreibt Hensoldt die Funktionsweise von ODAEON.
ODAEON basiert dem Unternehmen zufolge auf der bewährten Technologie des „MUSS Jammer Head 2“ (MJ2). „Die Weiterentwicklung wird in einem ersten Schritt die Detektions- und Analysefähigkeit feindlicher Optiken ermöglichen und kann in nachfolgenden Entwicklungsstufen mit weiteren Schutzfunktionen, wie etwa „Jamming“ und „Dazzling“ ergänzt werden“, schreibt Hensoldt. Mittels „Jamming“ können elektro-optische Systeme durch gezielte Störsignale gestört werden, während „Dazzling“ dazu führt, dass optische Systeme wie Kameras und Zielerfassungsgeräte durch starke Lichtimpulse übersättigt werden. Hensoldts Angaben nach erhöhen beide Verfahren den Schutz von Fahrzeugen, indem sie die gegnerische Aufklärung und Zielerfassung wirksam beeinträchtigen.
Hensoldt gibt zudem an, dass das als Multisensorsystem angelegte ODAEON in der Serienversion Schnittstellen zu bestehenden Systemen und weiteren sensorischen Mitteln zur Reduktion von möglichen Falschalarmen aufweisen wird. In einem weiteren Schritt sei eine Fusion der Technologien von ODAEON und MUSS geplant, um einen umfassenden Schutzansatz zu gewährleisten, so Hensoldt.
Waldemar Geiger

















