Das U.S. Marine Corps beabsichtigt die Beschaffung und Einführung einer Drohnenabwehr-Munition im Kaliber 5,56 x 45 mm NATO. Wie aus einer auf der US-Vergabeplattform SAM.gov veröffentlichten Vorinformation hervorgeht, soll im Rahmen einer Direktvergabe ein Vertrag mit offener Laufzeit und Abrufmenge mit dem Unternehmen Drone Round LLC abgeschlossen werden. Gegenstand der Beschaffung ist die sogenannte „5.56 mm Drone Round L Variant“, eine Spezialmunition zur Bekämpfung kleiner unbemannter Luftfahrzeuge (sUAS).
Nach Angaben des Marine Corps handelt es sich bei Drone Round LLC um den einzigen Hersteller und Anbieter dieser Munition. Die Beschaffung wird mit einem dringenden Fähigkeitsbedarf für die unmittelbare Abwehr kleiner Drohnen begründet. In den Vergabeunterlagen wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Ausbleiben dieser Fähigkeit die Einsatzfähigkeit beeinträchtigen und das Risiko für Marineinfanteristen erhöhen könne.
Bereits im Juli 2024 hatte das Marine Corps in einer Marktsichtung nach Lösungen gesucht, die aus Bestandswaffen unterschiedlicher Kaliber bis 40 mm eine schrotähnliche Wirkung gegen kleine Drohnen bieten. Gefordert wurden damals sowohl spezielle Zielhilfen als auch Munition für bereits eingeführte Waffen. Die nun angestoßene Beschaffung kann als konkrete Umsetzung dieser Forderung gewertet werden.
Die Besonderheit der „L Variant“ liegt in ihrem Wirkprinzip. Anstelle eines einzelnen Projektils zerlegt sich die Patrone nach dem Verlassen des Rohres in mehrere Teilgeschosse. Dadurch entsteht ein streuender Wirkbereich, der die Trefferwahrscheinlichkeit gegen kleine, schnell manövrierende Drohnen deutlich erhöhen soll. Das Konzept ähnelt in seiner Wirkung einer Schrotladung, bleibt jedoch mit Standardgewehren des Kalibers 5,56 mm kompatibel.
Hersteller der Munition ist das US-Unternehmen Drone Round LLC mit Sitz in Queen Creek im US-Bundesstaat Arizona. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung von Spezialmunition zur Bekämpfung kleiner Drohnen spezialisiert.
Nach Unternehmensangaben setzt die Drone Round auf ein patentiertes Mehrprojektil-Konzept. Der Ansatz verfolgt das Ziel, vorhandene Infanteriewaffen ohne technische Änderungen für die Drohnenabwehr – hier vor allem im Rahmen der Selbstverteidigung – nutzbar zu machen. Neben Varianten für das Kaliber 5,56 mm entwickelt das Unternehmen nach eigenen Angaben auch Lösungen für weitere Kalibergruppen.
Ähnliche Patronen wurden in den letzten Jahren sowohl von ukrainischen als auch russischen und zuletzt westeuropäischen Herstellern vorgestellt. Industriekenner wiesen bezüglich solcher Produkte jedoch immer wieder auf teilweise massive Kosten und sehr stark limitierte Produktionskapazitäten hin. Drone Round scheint diese Faktoren adressiert zu haben (zumindest auf den ersten Blick), wobei keine Details zu Volumina und Preis bekannt sind.
Die Munition kann laut dem Beschaffungsdokument ohne Änderungen an den vorhandenen Waffen eingesetzt werden. Sie ist für die beim Marine Corps eingeführten Sturmgewehre M4, M4A1 sowie M27 vorgesehen. Hierdurch könne die Fähigkeit kurzfristig bis auf Trupp- und Gruppenebene eingeführt werden.
Nach Darstellung des Marine Corps soll die neue Munition nicht bestehende Drohnenabwehr-Systeme ersetzen. Vielmehr wird sie als letzte kinetische Verteidigungsschicht verstanden, wenn elektronische Störsysteme oder andere Abwehrmittel nicht verfügbar sind oder versagt haben. Ziel ist es, Infanteristen eine unmittelbare Reaktionsmöglichkeit gegen anfliegende Drohnen auf kurze Distanz zu geben.
Insbesondere im Rahmen des USMC-Konzepts der „Distributed Maritime Operations“ und der „Expeditionary Advanced Base Operations“ könnten kleine, isoliert operierende Marineeinheiten von einer solchen Fähigkeit profitieren. Diese Kräfte verfügen häufig nicht über umfangreiche Luftverteidigungsmittel, sind jedoch zunehmend durch Aufklärungs- und Ladungsträgerdrohnen bedroht.
Kristóf Nagy

















