Lightweight Shoulder Launched Munition (SLM-LW) – U.S. Army sucht leichtere schultergestützte Mehrzweckwaffe

Waldemar Geiger

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Mit der AT4CS TW hat die U.S. Army erst im Sommer 2024 eine schultergestützte Mehrzweckwaffe im Rahmen des Vorhabens Individual Assault Munition beschafft, um der Truppe eine „Allzweckwaffe“ gegen eine breite Zielkategorie bereitzustellen. Nun wird offenbar eine noch leichtere schultergestützte Mehrzweckwaffe gesucht. Wie aus einer Veröffentlichung auf der US-Vergabeplattform SAM.gov hervorgeht, sucht das US-Heer im Rahmen einer Marktanalyse potenzielle Lieferanten, die Interesse an der Herstellung und Lieferung einer leichten, schultergestützten Waffe (Lightweight Shoulder Launched Munition – SLM-LW) haben und über die entsprechenden Technologien verfügen. Gleichwohl wird darauf verwiesen, dass die Marktanalyse keine verbindliche Beschaffungsabsicht der U.S. Army darstellt, auch wenn die Ergebnisse dazu beitragen sollen, die Beschaffungsmethode festzulegen, falls ein Bedarf für das Waffensystem definiert wird.

Der Sinn und Zweck des Waffensystems wird wie folgt beschrieben: „Die SLM-LW ist eine Einzellader-Einwegwaffe, die in der Lage ist, multiple Ziele zu bekämpfen (leicht gepanzerte Fahrzeuge, Erd- und Holzbunker, Stahlbeton, Lehmziegel- und dreifach gemauerte Bauwerke).“ Weiterhin wird ausgeführt, dass die geforderte Lösung eine Verbesserung gegenüber bestehenden SLM-Systemen darstellen soll, insbesondere durch ein geringeres Gewicht. „Sie wird es Soldaten ermöglichen, Einsätze in urbaner Umgebung durchzuführen und dabei Gegner zu bekämpfen, die durch verschiedene leicht gepanzerte Fahrzeuge und bauliche Strukturen geschützt sind, und zwar mit erhöhter Durchschlagskraft (hinter Mauern) und geringerer Belastung für den einzelnen Soldaten. Die geforderte Lösung wird Tag und Nacht auf kurze Distanz wirksam sein und die Fähigkeit bieten, Ziele sicher aus geschlossenen Räumen heraus zu bekämpfen“, heißt es in der Mitteilung.

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Gesucht wird eine einschüssige, schultergestützte Mehrzweckwaffe mit einem Maximalgewicht von umgerechnet 6,8 Kg, einer Maximallänge von 106,68 cm und einer effektiven Kampfentfernung von 30 bis 200 m (oder weiter). Zudem muss das System aus dem inneren von Gebäuden verschießbar sein. Gefordert wird außerdem ein Technologiereifegrad der Waffe von mindestens TRL 8 in Kombination mit einem Produktionsreifegrad von mindestens MRL 8 (Vorhandensein einer Pilot-Fertigungsanlage/-linie).

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Beim Lesen der Leistungsforderung an die SLM-LW kann man durchaus ein Déjà-vu bekommen. Bis auf die Gewichtsforderungen stimmt die Forderungslage mit der des Individual Assault Munition-Vorhabens (IAM) überein. Bei der IAM wurde ein Maximalgewicht von rund 9,07 kg zugelassen.

SLM-LW als Ersatz oder Nachfolge für die IAM?

Wie hartpunkt im August 2024 berichtete, hatte die U.S. Army die US-Tochter des schwedischen Rüstungskonzerns Saab mit der Lieferung der zukünftigen XM919 Individual Assault Munition beauftragt. Geschlossen wurde ein Rahmenvertrag mit einer Laufzeit bis 2029 und einem Gesamtvertragsvolumen von knapp 500 Millionen US-Dollar.

Im Rahmen des Vorhabens Individual Assault Munition beabsichtigte die U.S. Army, ein neues schultergestütztes Waffensystem zu beschaffen, mit dem sowohl Strukturen, befestigte Stellungen als auch leicht gepanzerte Fahrzeuge bekämpft werden sollen. Ziel des Vorhabens war es, nicht nur die Letalität zu steigern, sondern gleichzeitig auch Kosten im Bereich Ausbildung, Logistik und Lebenszyklus zu reduzieren. Dazu sollte die IAM gleich mehrere parallel in Nutzung befindliche Systeme der Typen M72 Light Anti-Armor Weapon, M136 AT4 Light A, M136A1 AT4 Confined Space und die gegen Feldbefestigungen entwickelte M141 Bunker Defeat Munition ersetzen.

Als IAM ausgewählt wurde die AT4CS TW von Saab. Dabei handelt es sich um eine Variante der AT4 mit einem Tandem-Gefechtskopf (Tandem Warhead – TD). Das „CS“ in dem Namen steht für confined space. Confined space bedeutet, dass die Waffe auch aus geschlossenen Räumen heraus eingesetzt werden kann, da die erhebliche und potenziell tödliche Rückstoßflamme der Waffe durch den Einsatz einer dispersiblen Gegenmasse reduziert wurde. Nach Angaben von Saab wiegt die AT4CS TW rund 9 kg und hat eine effektive Reichweite von 200 m.

Neben der AT4CS TW von Saab soll dem Vernehmen nach auch der US-Rüstungskonzern General Dynamics Ordnance and Tactical Systems in Partnerschaft mit der deutschen Dynamit Nobel Defence (DND) die RGW60 und RGW90 angeboten haben.

Auf Nachfrage von hartpunkt erklärte Ellen Lovett, eine Sprecherin für die U.S. Army, dass der Saab Inc. vergebene Auftrag für die Individual Assault Munition „weiterhin gültig ist und sich nach wie vor in der aktiven Umsetzungsphase” befindet. Zudem verwies sie darauf, dass es sich bei der ,SLM-LW Sources Sought‘ ausschließlich um eine routinemäßige Marktforschungsmaßnahme zur Bewertung der aktuellen Fähigkeiten der Branche handelt. „Dies spiegelt weder Probleme mit dem Saab-Auftrag wider, noch deutet es darauf hin, dass das IAM-Projekt ersetzt wird“, so die Sprecherin. Gleichwohl gesteht sie ein, dass sich viele Fähigkeitsanforderungen überlappen und der wesentliche Unterschied in der Gewichtsobergrenze liegt.

Beobachter der IAM-Ausschreibung gehen dennoch davon aus, dass die Marktsichtung nicht ins Blaue hinaus erfolgt, und sehen in diesem Zusammenhang eine hohe Realisierungswahrscheinlichkeit der SLM-LW-Beschaffung. Denn mindestens die RGW60 von DND dürfte die geforderten Ansprüche voll und ganz erfüllen. Die in der IAM-Ausschreibung beteiligte RGW60 ASM (Anti Structure Munition) wiegt nur 6,7 kg und wirkt gegen das geforderte Zielspektrum in einem Reichweitenband von 15 bis 300 m.

Ein weiterer potenzieller Kandidat wäre unter Umständen eine Variante der M72 FFE des norwegischen Nammo-Konzerns. Dem Vernehmen nach arbeiten die Norweger seit geraumer Zeit an der Entwicklung einer M72-Munition, die gegen das geforderte Zielspektrum wirken kann.

Die AT4 von Saab oder die RGW90 von DND dürften hingegen aufgrund der maximalen Gewichtsbeschränkung von 6,8 kg aus der Betrachtung fallen, vorausgesetzt, dass die Anforderungen im Rahmen des Beschaffungsverfahrens mit denen der Marksichtung korrespondieren.

Waldemar Geiger