Das US-Spezialkräftekommando USSOCOM treibt die Entwicklung eines neuen Sturmgewehrsystems mit deutlich gesteigerter Reichweite und höherer Geschossgeschwindigkeit voran. Wie aus einer aktuellen Veröffentlichung auf der US-Vergabeplattform SAM.gov hervorgeht, sucht das Naval Surface Warfare Center (NSWC) Crane im Rahmen des Programms „Hypervelocity Improved Capability Assault Rifle“ (HICAR) nach Industriepartnern, um die Leistungsfähigkeit der bisherigen URG – I (Upper Receiver Group – Improved) der US-Spezialkräfte signifikant zu steigern.
Im Zentrum des Vorhabens steht die Forderung nach einem kompakten Sturmgewehrsystem, das sowohl konventionelle, eingeführte Munition im Kaliber 5,56 x 45 mm als auch neuartige „Hypervelocity“-Patronen mit deutlich höherem Gasdruck verschießen kann. Dadurch soll sich die effektive Kampfentfernung von bislang rund 300 Metern auf etwa 600 Meter verdoppeln.
Besonders auffällig sind die in der Ausschreibung genannten technischen Parameter der geplanten Munition. So soll das System unter anderem mit einer als M855A1+ bezeichneten Patrone funktionieren, die mit Kammerdrücken von bis zu 82.000 Psi arbeitet. Zum Vergleich: Die weit verbreitete M855A1 erreicht einen Kammerdruck von knapp 62.000 Psi.
Die daraus resultierende erhöhte Mündungsgeschwindigkeit soll laut USSOCOM eine höhere Energieabgabe auf größere Entfernung im Ziel ermöglichen und so die Zielwirkung sowie die Durchschlagsleistung gegen Deckungen und moderne Schutzwesten verbessern. Insgesamt zielt das Programm darauf ab, die Effektivität kompakter Infanteriewaffen deutlich zu steigern. Gleichzeitig bringt der hohe Gasdruck erhebliche technische Herausforderungen mit sich. In der Ausschreibung wird ausdrücklich gefordert, dass die Waffe diesen höheren Belastungen dauerhaft standhalten muss, ohne dass sich dies negativ auf die Sicherheit, Zuverlässigkeit oder Lebensdauer auswirkt.
Trotz der angestrebten Leistungssteigerung soll das HICAR-Sturmgewehr weiterhin mit den bestehenden USSOCOM-Systemen kompatibel sein. Insbesondere wird die Nutzung vorhandener M4A1-Lower-Receiver ohne Modifikationen gefordert. Auch bestehende Optiken, Laserzielgeräte, Nachtsichtsysteme und weiteres Zubehör sollen weiterhin verwendbar sein. Die technische Anforderung sieht zudem eine Rohrlänge zwischen elf und zwölf Zoll vor. Darüber hinaus muss das neue System sowohl aktuelle M855A1- und Mk262-Patronen als auch zukünftige Munition mit erhöhtem Gasdruck zuverlässig verschießen können.
Das USSOCOM fordert außerdem ein möglichst geringes Gewicht. Idealweise soll das Systemgewicht bei rund 2,9 kg liegen und 3,6 kg nicht überschreiten. Gleichzeitig werden hohe Anforderungen an die Korrosions- und Umweltbeständigkeit, die beidhändige Bedienbarkeit, die Präzision und die Modularität gestellt. Als Zielwert nennt die Ausschreibung eine Präzision von durchschnittlich 1 MOA sowie perspektivisch sogar 0,5 MOA. Für erste Erprobungen soll ein Signaturreduzierer des Typs HUXWRX Flow 556k L Black Magic genutzt werden, später möglicherweise gefolgt von einem speziell für die neue Munition optimierten Signaturreduzierer. Die Mindestlauflebensdauer ist mit 8.000 Schuss angesetzt.
Das Vorhaben wird im Rahmen eines „Commercial Solutions Opening“ (CSO) durchgeführt. Dieses Verfahren soll insbesondere innovativen Unternehmen sowie nicht-traditionellen Rüstungsanbietern den Zugang erleichtern. Der Ablauf gliedert sich in mehrere Phasen. Zunächst müssen interessierte Unternehmen technische Konzepte in Form sogenannter White Paper einreichen. Anschließend werden ausgewählte Anbieter zu Vorführungen und Schießtests eingeladen. Im nächsten Schritt könnten Prototypenaufträge folgen, ehe perspektivisch auch eine Serienbeschaffung ohne erneute Ausschreibung möglich wäre. Die ersten White Paper müssen bis Anfang Juni 2026 eingereicht werden. Für September sind Schießdemonstrationen auf der U.S. Army Marksmanship Unit Parks Range in Fort Moore vorgesehen.
Kristóf Nagy

















