Niederlande betrachten Aegis-System für ihre neuen Luftverteidigungsfregatten

Lars Hoffmann

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Das niederländische Verteidigungsministerium beabsichtigt die Beschaffung von neuen Luftverteidigungsfregatten in der Nachfolge der Schiffe der „De Zeven Provinciën“-Klasse. Im Frühjahr 2024 hatte der damalige Staatssekretär im Verteidigungsministerium in Den Haag angekündigt, dass bei dem Vorhaben die niederländische Industrie sowie Damen Naval und Thales maßgeblich beteiligt werden sollen. Andere Nationen könnten sich an das Projekt anschließen, so der Staatssekretär damals.

Die Bundeswehr hatte sich zu dem Zeitpunkt bereits entschieden, für ihre zukünftigen Luftverteidigungsfregatten der Klasse 127 auf das amerikanische Führungs- und Waffeneinsatzsystem (FüWES) Aegis zu setzen und nicht wie bei der Vorgängerklasse (F124) mit den Niederlanden zu kooperieren. Auf letzterer sind wie auf den Fregatten der „De Zeven Provinciën“-Klasse Radare von Thales Netherlands integriert.

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Mittlerweile betrachten jedoch auch die Niederlande das Aegis-System. Wie ein Sprecher des niederländischen Verteidigungsministeriums auf Nachfrage von hartpunkt mitteilte, hat sein Ministerium bereits im Januar einen sogenannten Letter of Request (LOR) for Price and Availabilty an die US-Seite geschickt habe. Im April sei die Antwort aus den USA eingetroffen.

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Im Rahmen des FMS-Prozesses (Foreign Military Sales) handelt es sich bei einem solchen LOR in der Regel um eine Informationsanfrage zum Erhalt einer groben Orientierung über Kosten und mögliche Liefertermine. Der LOR muss nicht in einem Vertrag münden.

Dem Sprecher zufolge will das niederländische Verteidigungsministerium die erhaltenen Informationen nutzen, um eine finale Entscheidung für die neuen Luftverteidigungs- und Kommando-Fregatten der Marine zu treffen. Sein Haus werde das niederländische Parlament gemäß dem üblichen Verfahren als Erstes über alle weiteren Schritte informieren. Ob die Beschaffung eines Aegis-FüWES in den Niederlanden tatsächlich ins Auge gefasst wird, bleibt also abzuwarten.

Beobachter wollen nicht ausschließen, dass das Ministerium die Informationen vor allem für die Bewertung einer möglichen niederländischen Eigenentwicklung nutzen will. Gegen die Beschaffung von Aegis könnte sprechen, dass in dieses FüWES lediglich die Radare Spy-6 von Raytheon sowie Spy-7 von Lockheed Martin integriert sind, wobei nur ersteres von der U.S. Navy für ihre Schiffe genutzt wird. Damit würde der nationale Radarhersteller Thales Netherlands mit eigenen leistungsfähigen Produkten das Nachsehen haben.

Bei der Nutzung von Aegis stellt sich mittlerweile die Frage, ob nach den Erfahrungen des Iran-Krieges und dem dabei offenkundig gewordenen Verbrauch von Abwehrflugkörpern bei niedrigen Produktionskapazitäten die Verwendung des Spy-6 für europäische Marinen eine zweckmäßige Entscheidung ist. Da dieses Radar in einem Program of Record der U.S. Navy läuft, dürfte die Integration von europäischen Flugkörpern nach Einschätzung von Experten kaum möglich sein.

Lockheed Martin dagegen hatte in der Vergangenheit damit geworben, dass das Spy-7 auch für Lenkflugkörper aus europäischer Produktion geeignet sei. Damit wäre Europa nicht davon abhängig, ob genug Raketen in den USA produziert werden und Washington bereit ist, diese auch zu liefern. Vielmehr könnten europäische Verteidigungsministerien die Verfügbarkeit bestimmter Flugkörper aufgrund der eigenen Produktionskapazitäten festlegen. Ein erstes Beispiel für die fatale Abhängigkeit von den USA gibt es bereits: Die Schweiz musste schmerzlich feststellen, dass die US-Regierung die Lieferung des Patriot-Luftverteidigungssystems kurzerhand um mehrere Jahre verschieben kann.

Lars Hoffmann