Kanada will Rüstungsindustrie aufbauen und wünscht sich Deutschland als Partner

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Kanada befindet sich nach Aussage von Industrieministerin Melanie Joly gegenwärtig im Handelskrieg, der durch Zölle der US-Regerierung ausgelöst wurde. Insbesondere seien die Branchen Aluminium, Stahl, Automotive und die Forstwirtschaft betroffen. Die kanadische Regierung unterstütze diese Sektoren und die dort beschäftigten Arbeitnehmer, sagte die Ministerin heute in ihrer Rede auf der Hannover-Messe.

Um die Abhängigkeit von den USA zu vermindern und neue Jobs zu schaffen, wird ihren Worten zufolge eine neue Rüstungsindustriestrategie umgesetzt. „Natürlich hat Kanada lange, lange Zeit nicht so viel in die Verteidigung investiert, wie es hätte tun sollen“, räumte die Ministerin ein.  Allerdings werde in diesem Jahr erstmals seit dem Fall der Berliner Mauer wieder ein Anteil zwei Prozent des BIP für Verteigung ausgegeben, insbesondere in der Arktis.  

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Aufgrund des Handelskrieges, „in dem im Grunde unsere Arbeitnehmer an vorderster Front stehen“, müsse Kanada seine Investitionen in die Verteidigung nutzen, um wirtschaftliche Impulse zu setzen und Innovationen anzukurbeln, vor allem im verarbeitenden Gewerbe. „Es ist unsere größte Industriestrategie seit dem Zweiten Weltkrieg“, betonte Joly. Diese werde durch ein Budget von 500 Milliarden Dollar gestützt, um das Land bis 2035 auf fünf Prozent des BIP zu bringen, entsprechend den Anforderungen der NATO. Die neue Strategie werde 125.000 Arbeitsplätze in Kanada schaffen. Das Ziel sei es, die Exporte um 50 Prozent zu steigern und die Einnahmen der kanadischen Unternehmen um 240 Prozent zu erhöhen. Die Zeiten, in den 72 Cent für jeden Dollar an Verteidigungsinvestitionen an US-Firmen gingen, seien vorbei, unterstrich Joly. Dies biete Chancen für andere Partner.

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Die gesamte Verteidigungsindustriestrategie basiere auf drei Worten: bauen, Partnerschaften eingegen, kaufen. „Unser Ziel ist es, in Kanada bauen zu können. Wir wissen, dass wir auf unseren Werften die Schiffe und die Eisbrecher bauen können.“ Bei Satelliten gebe es MDA Space und Telesat. Bombardier liefere Flugzeuge, KI komme von Cohere und für Datensicherheit sei BlackBerry zuständig. Bei Ausbildung und Simulation gebe es CAE, ein Unternehmen, das ebenfalls in Deutschland ansässig sei. „Aber wenn wir in Kanada nicht bauen können, dann gehen wir Partnerschaften ein“, kündigte die Ministerin an. Ein Beispiel sei das Aufklärungsflugzeug „Globaleye“, das im Grunde eine Partnerschaft zwischen Bombardier und der schwedischen Firma Saab sei. „Wir müssen mehr solche kanadisch-deutschen Partnerschaften eingehen“, forderte die Politikerin.

Wenn keine eigene Produktion vorhanden und und keine Partnerschaft möglich sei, werde man kaufen, etwa U-Boote und Kampfflugzeuge. „Aber wenn wir das tun, schaffen wir Arbeitsplätze im eigenen Land und können lokale Lieferketten aufbauen.“

Der Ministerin zufolge wird überdies eine neue Organisation für die Verteidigungsindustrie eingerichtet, die Defence Investment Agency. „Damit wollen wir die Beschaffung wirklich beschleunigen, aber vor allem mehr Vertrauen zwischen der Industrie und den kanadischen Streitkräften schaffen und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis erzielen.“ Sie betonte die Bedeutung Europas für ihr Land: Kanada sei das einzige nicht-europäische Land, das Teil des SAFE-Abkommens der EU sei, und habe ein Abkommen mit der Europäischen Weltraumorganisation über 500 Millionen Dollar unterzeichnet, damit kanadische mit europäischen Unternehmen zusammenarbeiten können.

„Im Mittelpunkt unserer Strategie für die Verteidigungsindustrie steht geistiges Eigentum. Wir wollen in der Lage sein, mehr geistiges Eigentum zu entwickeln. Wir wollen geistiges Eigentum besitzen, wir wollen die Kontrolle darüber haben. Und gleichzeitig tätigen wir die richtigen Investitionen in Forschung und Entwicklung“, so Joly. Damit werde ein völlig neues Innovationsumfeld geschaffen.

Kanada stehe an einem Wendepunkt. Es gehe um einen kompletten Kulturwandel. „Und wir wissen, dass Sicherheit und Wirtschaft Hand in Hand gehen, aber wir schaffen eine neue Industrie. Und das wollen wir natürlich gemeinsam mit unseren besten Verbündeten tun.“ Dabei stehe Deutschland natürlich ganz besonders im Fokus, betonte Joly.

Der Ministerin zufolge stehen in den kommenden Jahren große Beschaffungen an, die bereits teilweise vergeben seien  Bei der Marine 12 U-Boote, 15 Zerstörer der River-Klasse, sechs Arktis- und Küstenpatrouillenschiffe sowie zwei schwere Polareisbrecher; bei der Luftwaffe seien es Kampfflugzeuge, Hubschrauber und deren Ausbildung; im Weltraum gehe es Kommunikationssatelliten und deren Betrieb und Start. Und bei der Armee um jede Menge Munition. Für Deutschland dürfte es dabei von großer Bedeutung sein, wer den Zuschlag beim U-Boot-Programm erhält: TKMS oder Hanwha.
lah