Mehler Protection hat aktives Drohnenabwehrsystem für den Nahbereich entwickelt

Waldemar Geiger

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Mehler Protection hat ein neues aktives Plattform-Schutzsystem mit dem Namen SCILT zur Abwehr von Drohnen im Nahbereich entwickelt und stellt dies erstmals auf der Fachmesse Enforce Tac in Nürnberg vor. Das System solle nach Angaben des Unternehmens Landfahrzeuge vor Drohnen schützen, die aus kurzer Distanz und in flachen Anflugwinkeln angreifen. Sowohl Kamikaze-, FPV-Drohnen als auch Loitering Munition werden den Angaben zufolge mit kosteneffizienter Effektorik auf eine Entfernung von bis zu 75 m bekämpft.

SCILT sei als dedizierter letzter Schutz für einzelne Fahrzeuge konzipiert worden und schließe die Lücke zwischen großen mobilen Flugabwehrsystemen und passivem Fahrzeugschutz. Das System wirkt laut Hersteller im Nah- und Nächstbereich und ist darauf ausgelegt, sowohl Einzelziele als auch mehrere gleichzeitige Bedrohungen im unmittelbaren Gefahrenbereich zerstörend abzuwehren.

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Nach Angaben von Mehler Proteciton kann SCILT sensorunterstützt durch Optronik, Radar oder Bilderkennung oder vollständig autonom betrieben werden. In der ersten Version arbeite das System jedoch bewusst in der „Man-in-the-Loop“-Architektur. Die Effektormodule nutzen laut Hersteller marktverfügbare Standardmunition im Schrotkaliber – von Gummigeschossen bis hin zu Hartkern-, Wolframkarbid‑Fragment- und panzerbrechenden Varianten. Dieses Effektspektrum ermögliche kontrollierte Gefahrenbereiche und eine skalierbare Wirkung je nach Szenarioanforderungen, während kosteneffiziente Effektoroptionen den Einsatz sowohl gegen einzelne Drohnen als auch gegen mehrere gleichzeitige Bedrohungen unterstützen.

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Das System kombiniert laut Mitteilung Effektormodule, Sensoren und Bedienlogik direkt auf dem Fahrzeug und ermöglicht so die Wirksamkeit gegen Drohnen, die sich aus seitlichen und frontalen Richtungen sowie in flachen Anflugwinkeln nähern. Sensorpakete können den Angaben des Herstellers zufolge elektro‑optische und weitere Nahbereichsaufklärungssensoren umfassen, um Detektion und operatorische Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Ein SCILT-Gesamtsystem besteht aus mehreren Aufklärungs-/Wirkeinheiten, die mit überlappenden Wirkbereichen an mehreren Stellen des Fahrzeuges positioniert werden. Das Gesamtgewicht der Einheiten, die für den Schutz eines Fahrzeuges benötigt werden, liegt bei rund 180 kg. Jede Einheit verfügt neben mehreren Rohren, die mit je einer Kaliber 12 Schrotpatrone geladen werden, über die benötigte Aufklärungssensorik sowie eine Rechnereinheit. Sollte eine Einheit ausfallen, bleibt die Funktionalität des Restsystems dadurch weiterhin erhalten. SCILT ist weiterhin so konzipiert, dass beschädigte Einheiten auch im Feld ausgetauscht werden können. Dadurch dass mehrere Rohre den gleichen Wirksektor aufweisen, ist auch die Bekämpfung von mehreren Zielen nacheinander möglich, ohne dass eine Nachladevorgang nötig wird.

Das Funktionsprinzip wird vom Hersteller wie folgt beschrieben: Das SCILT-Steuerungssystem überwacht den Nahbereich des Fahrzeuges und gibt einen ersten Alarm aus, sobald eine Bedrohung aufgeklärt wurde. Die zweite Alarmstufe wird dann ausgelöst, wenn das System die Annährung der Bedrohung wahrnimmt. In einem dritten Schritt kommt die Bekämpfungsempfehlung sobald die Drohnenbedrohung in den optimalen Bereich der SCILT-Wirkreichweite einfliegt. In einem solchen Fall muss einer der Bediener im Fahrzeug auf Auslöseknopf drucken. Dazu können auch mehrere Knöpfe im Fahrzeug verteilt angebracht werden, so dass die Aufgabe durch die gesamte Besatzung wahrgenommen werden kann. Die Zündung des Abfeuerungsmechanismus erfolgt elektronisch. Auch die Schlagbolzensicherung ist elektronisch, so dass das Abwehrsystem bei Trennung der Energiezufuhr automatisch in einem sicheren Zustand verbleibt. Bei Bedarf kann die Systemlogik so eingestellt werden, dass bestimmte Wirkbereiche permanent oder temporär ausgeschaltet werden, um keine Bedrohung für eigene Kräfte darzustellen, beispielsweise im Rahmen einer Kolonenfahrt.

SCILT wird laut Hersteller über einen Fahrzeugdatenbus gesteuert und lässt sich in bestehende Fahrzeugarchitekturen integrieren. Die Entwicklung des Systems laufe bereits seit rund eineinhalb Jahren. Mehler Protection hat nach eigenen Angaben 48 Erprobungskampagnen durchgeführt, darunter Untersuchungen zur Außen- und Zielballistik, Temperaturverhalten, Auslösesicherheit sowie Fragmentdichte. Die erste Version von SCILT wird nach Angaben des Unternehmens ab Sommer 2026 als Effektorpaket mit Sensorpaketen und Bedieneinheiten verfügbar sein, das in verschiedene Fahrzeugkonfigurationen integriert werden kann.

Waldemar Geiger