Bedarf für Iris-T SLM steigt: Luftwaffe und Heer als Betreiber vorgesehen

Lars Hoffmann

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Die Bundeswehr hat bekanntlich riesige Fähigkeitslücken im Bereich der bodengebundenen Luftverteidigung und ist im Augenblick nicht in der Lage, die eigenen Kräfte sowie die deutsche Zivilbevölkerung angemessen zu verteidigen. Um diesen Missstand zu beheben, soll in den kommenden Jahren dem Vernehmen nach eine umfassende Beschaffung von neuen Luftverteidigungssystemen eingeleitet werden.

Neben neuen Patriot-Feuereinheiten dürfte dabei insbesondere dem deutschen System Iris-T SLM, wobei SLM für Surface Launched Medium Range steht, eine herausgehobene Rolle zukommen. Das von Diehl Defence entwickelte System hat sich in der Ukraine bewährt und wurde mittlerweile neben der Bundeswehr auch von anderen NATO-Streitkräften bestellt. Nachdem für die Luftwaffe bislang sechs Systeme geordert wurden, sollen weitere 44 Feuereinheiten dazukommen, wie hartpunkt bestätigt wurde. Als erstes hatte das Nachrichtenportal CPM Defence-Network Ende vergangenen Jahres über die geplante Beschaffung von 50 Systemen berichtet. Das Verteidigungsministerium wollte diese Zahlen allerdings nicht bestätigen.

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Gut informierte Kreisen berichten nun, dass es im Zusammenhang mit dem Neuaufbau der Heeresflugabwehr eine weitere Neuerung geben soll. Demnach wird das Heer den Planungen zufolge im Rahmen des Luftverteidigungsvorhabens „Nah- und Nächstsbereichsschutz“ (NNbS) die dort integrierten Feuereinheiten des Typs Iris-T SLM selbst betreiben. In der ursprünglichen Konzeption von NNBs war dagegen vorgesehen, dass die Luftwaffe dies übernehmen sollte, während das Heer die darunter angesiedelten Systeme mit kürzerer Reichweite, wie den mit der kleineren Iris-T SLS ausgestatteten Flugabwehrraketenpanzer sowie den Flakpanzer Skyranger – beide auf Boxer-Fahrgestell – betreiben sollte. Dieser Ansatz scheint nun nicht mehr aktuell zu sein.

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Bei NNBs wird großer Wert auf Mobilität gelegt, um die agilen Heeresverbände bei ihren Manövern vor Bedrohungen schützen zu können. Wenn nun alle NNbS-Komponenten einer Teilstreitkräft zugeordnet werden, dürfte dies hinsichtlich der Koordination in der Übung und im Einsatz sicherlich Vorteile mit sich bringen.

Gleichzeitig würde das Heer in Zukunft über Distanzen wirken können, wie es ihm selbst im Kalten Krieg mit Gepard und Roland nicht möglich war. Da die russischen Luftstreitkräfte in der Ukraine ihre Waffen – etwa die gefürchteten Gleitbomben – aus großer Entfernung gegen die ukrainischen Landstreitkräfte einsetzen, ist die Befähigung der an vorderster Front eingesetzten deutschen Heeres-Brigaden zur Wirkung gegen Luftziele auf große Entfernungen ein folgerichtiger Schritt. Wie es heißt, werden die zukünftigen NNbS-Staffeln mit Iris-T SLM voraussichtlich in die integrierte NATO-Luftverteidigung eingebunden.

Ob von den 50 projektierten Iris-T-SLM-Systemen für die Luftwaffe nun einige an das Heer abgegeben werden müssen, scheint in der Diskussion zu sein. Insider gehen allerdings davon aus, dass für die Heeresflugabwehr zusätzliche Einheiten geordert werden. Die Rede ist von bis zu 25 Systemen, womöglich sogar noch mehr. Geklärt werden müsste dann, wie der Zulauf auf Luftwaffe und Heer aufgeteilt wird, zumal die Fertigentwicklung von NNbS noch einige Jahre in Anspruch nehmen wird.

Während die Beschaffungszahlen zunächst hoch erscheinen, dürfte sich diese Wahrnehmung mit Blick auf die Ukraine relativieren. Dort greift Russland quasi täglich das ukrainische Militär und im Winter insbesondere die kritische Infrastruktur und damit die Zivilbevölkerung an, während der Luftverteidigung die Mittel fehlen, dies zu verhindern. Im Kalten Krieg verfügte die Bundeswehr übrigens über mehr als 70 Staffeln an Patriot- und Hawk-Systemen und wurde bei der Luftverteidigung maßgeblich von den Alliierten unterstützt, während die USA eine solche Rolle in Zukunft nicht mehr übernehmen wollen.

Lars Hoffmann