Unabhängig von der politischen und juristischen Bewertung stellt der US-Spezialkräfteeinsatz „Operation Absolute Resolve“ zur Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro am 3. Januar 2026 rein militärisch gesehen eine Meisterleistung dar, die der Weltöffentlichkeit wieder einmal vor Augen führt, über welche einzigartigen Fähigkeiten die US-Streitkräfte verfügen. Während medial der Einsatz der Kommandosoldaten des US-Spezialkräfteverbandes „Delta Force“ herausgehoben wurde, sind zahlreiche andere Faktoren für den Erfolg eines derart komplexen Einsatzes verantwortlich, bei dem erstmals in der jüngeren Geschichte der Führer eines großen Landes trotz höchster Alarmbereitschaft aus seiner Hauptstadt entführt wurde. Im Folgenden sollen diese Faktoren beschrieben werden.
Wenn Spezialkräfte Geiseln befreien, gesicherte Verstecke und befestigte Stellungen von Terroristen stürmen oder wie im jüngsten Fall gar den Staatschef eines Landes je nach Definition gefangen nehmen oder entführen, stehen zumeist die mit dem Einsatz betrauten Verbände und Kommandosoldaten im Fokus der öffentlichen Diskussion des Spezialkräfteeinsatzes. Dabei wird oftmals übersehen, dass herausragende Schießkünste sowie die generelle Leistungsfähigkeit der Kommandosoldaten nur ein elementarer Baustein eines erfolgreichen Spezialkräfteeinsatzes sind.
Am Ende einer Kommandooperation ist die erwähnte Truppe jedoch nur ein Glied einer langen Kette, die für die Durchführung eines solchen komplexen Vorhabens notwendig ist, wie es die Welt in den rund 2,5 Stunden der Nacht vom 3. Januar 2026 gesehen hat. Die Operation Absolute Resolve zeigt bereits jetzt – auch wenn aktuell nur wenige Informationen bekannt sind –, dass die US-Streitkräfte in dieser Hinsicht in einer eigenen Liga, wenn nicht gar einer eigenen Galaxie „spielen“. Während viele Nationen auf der Welt über ein vergleichbar individuell leistungsfähiges Kettenglied „Kommandosoldat“ verfügen, kann sonst keiner auf die anderen Fähigkeiten zurückgreifen, die für die Durchführung eines solchen Einsatzes notwendig sind.
Für das Gelingen einer solchen Operation ist es nicht nur erforderlich, ein streng gesichertes Objekt stürmen zu können und sich dort bis zu der Zielperson durchzukämpfen. Entscheidend ist die Fähigkeit, die Kommandotruppen überhaupt erst in die Lage zu versetzen, einen solchen Zugriff überraschend und mit kalkuliertem Risiko durchzuführen. Damit dies gelingen kann, müssen Tausende Agenten, Beamte und Soldaten bereits Monate im Voraus bewusst oder unbewusst an einem Strang ziehen und die notwendigen Mittel und Daten für Aufklärung, Übung und Geheimhaltung des Einsatzes bereitstellen. Am Einsatz selbst sind wiederum Tausende von Soldaten beteiligt, die feindliche Stellungen und Kräfte niederhalten und bekämpfen, damit die Kommandotrupps sicher am Zielort infiltrieren, die Zielperson gefangen nehmen und sicher exfiltrieren können.
Beteiligte Elemente an der Operation Absolute Resolve
Nach Aussage des Stabschefs der US-Streitkräfte, General Dan Caine, im Rahmen einer Pressekonferenz nach Abschluss der Operation Absolute Resolve waren neben allen Teilstreitkräften der US-Streitkräfte auch unterschiedliche US-Geheimdienste an dem Einsatz beteiligt.
„Unsere behördenübergreifende Zusammenarbeit begann vor Monaten und baute auf jahrzehntelanger Erfahrung mit der Integration komplexer Luft-, Boden-, Weltraum- und Seeoperationen auf. … Wir beobachteten, wir warteten, wir bereiteten uns vor, wir blieben geduldig und professionell. … Dies war eine gewagte Operation, die nur die Vereinigten Staaten durchführen konnten“, erklärte der US-General auf der Pressekonferenz.
Am Einsatz selbst waren neben Spezialkräfteelementen am Boden und in der Luft Caine zufolge in Summe mehr als 150 Luftfahrzeuge beteiligt. Einen genaueren Ablauf der Operation wollte der General nicht öffentlich vorstellen, da es seiner Auffassung nach nicht ausgeschlossen ist, dass eine ähnliche Operation in Zukunft wiederholt werden müsste. Im Vorfeld durchgeführte Truppenverschiebungen, Medienberichte mit Verweis auf anonyme Aussagen von US-Offiziellen sowie im Netz verfügbare Bilder und Videos, die Teile des Einsatzes oder Schäden und Trümmer zeigen, lassen jedoch Rückschlüsse auf die eingesetzten Truppenteile und Waffensysteme zu.
Geheimdienste und Behörden
Offiziellen US-Angaben zufolge war neben dem US-Auslandsgeheimdienst CIA auch der für Signalaufklärung zuständige Geheimdienst NSA (National Security Agency) und die für Geo-Daten-Aufklärung zuständige NGA (National Geospatial-Intelligence Agency) an der Operation Absolute Resolve beteiligt. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass auch weitere Geheimdienste der US-Streitkräfte, wie beispielsweise die Defense Intelligence Agency (DIA), zum Gelingen des Einsatzes beigetragen haben.
Bedingt durch die Sichtweise der US-Administration, dass es sich bei Operation Absolute Resolve um einen Einsatz handelt, bei dem die US-Streitkräfte einen von der US-Justiz gesuchten Kriminellen – Maduro wurde bereits unter der Biden-Regierung angeklagt – verhaftet haben, waren neben den Geheimdiensten auch unterschiedliche Strafverfolgungsbehörden der USA an dem Zugriff beteiligt. Genannt wurde unter anderem das Federal Bureau of Investigation (FBI) und die für die Bekämpfung der Drogenkriminalität zuständige Drug Enforcement Administration (DEA).
Elemente der Streitkräfte
Nach offiziellen Angaben des US-Kriegsministeriums waren an dem Einsatz Flugzeuge der U.S. Air Force, der US-Marine und des U.S. Marine Corps sowie der Nationalgarde beteiligt. „Insgesamt waren letzte Nacht mehr als 150 Flugzeuge, Bomber, Kampfflugzeuge, Aufklärungsflugzeuge und Drehflügler in der Luft. Tausende und Abertausende von Flugstunden wurden absolviert“, erklärte General Caine im Zuge der Pressekonferenz. Explizit genannt wurden Flugzeuge vom Typ F-22, F-35, F-18, EA-18, E-2 sowie B-1-Bomber. Zudem wurde eine nicht näher spezifizierte Anzahl von unbemannten Systemen im Rahmen der Operation eingesetzt. Die Luftfahrzeuge wurden nach Angaben des Pentagons von 20 unterschiedlichen Stützpunkten bzw. seegehenden Plattformen gestartet.
Truppenbewegungen im Vorfeld der Operation deuten darauf hin, dass die Luftfahrzeuge zumindest teilweise von folgenden Plattformen bzw. Standorten eingesetzt wurden:
- Flugzeugträger USS Gerald R. Ford
- amphibisches Angriffsschiff USS Iwo Jima
- Späzialkräfteunterstützungsschiff MV Ocean Trader
- Roosevelt Roads Air Base, Puerto Rico (zumindest für die Rückverlegung einiger Luftelemente)
Neben den genannten Luftfahrzeugmustern sind auf aus Venezuela veröffentlichte Videos auch einige Hubschrauber erkennbar. Deutlich zu erkennen (am sichtbaren Luftbetankungsstutzen) sind Hubschrauber des Typs MH-47 Chinook, die ausschließlich durch das 160th Special Operations Aviation Regiments (Airborne), kurz 160th SOAR, genutzt werden.
Das 160th SOAR, auch als Night Stalkers bekannt, ist das Hubschrauber- und Drohnenregiment des U.S. Army Special Operations Command und bildet mit seinen speziell modifizierten Fluggeräten die Lufttransportkomponente der Spezialkräfte der US-Streitkräfte ab.
Neben den MH-47G – der Spezialkräftevariante der CH-47 Chinook – sind auch weitere Hubschraubertypen sichtbar, die auf die Präsenz von MH-60 hindeuten. Auch dieser Hubschraubertyp, die Spezialkräfteversion des Blackhawks, wird von Night-Stalker-Piloten geflogen. Neben einer Transportvariante wird der Hubschrauber auch in einer bewaffneten DAP-Variante (Direct Action Penetrator) eingesetzt.
In einem Videoclip ist zudem zu „sehen“, wie Raketen von einem Hubschrauber auf Bodenziele verschossen werden. Was ebenfalls auf den Einsatz der MH-60 DAP hindeutet.
Denkbar wäre auch der Einsatz anderer mit Raketen bewaffneter Hubschraubermuster – wie beispielsweise dem AH-6M Little Bird der 160th SOAR oder dem AH-6M des U.S. Marine Corps. Da diese Hubschrauber jedoch im Gegensatz zu den MH-47 und MH-60 nicht luftbetankungsfähig sind und die Operation mehrere Stunden gedauert hat, scheint der Einsatz dieser Muster eher unwahrscheinlich.
Darüber hinaus ist es sehr wahrscheinlich, dass mehrere weitere Transport-, Tank- und Spezialflugzeuge zum Einsatz kamen, die logistische Unterstützung oder Aufklärung – vielleicht auch Wirkung im elektromagnetischen Spektrum – für die Operation bereitgestellt haben. Bestätigt ist der Einsatz einer C-17A Globemaster III die als MEDEVAC-Flugzeug verletztes Personal aus Puerto Rico in die USA ausgeflogen hat. Weiterhin wurde durch Flugzeugspotter am Tag nach dem Einsatz auf der Roosevelt Roads Air Base in Puerto Rico eine Tarnkappenaufklärungsdrohne vom Typ RQ-170 Sentinel bei der Landung beobachtet. Dies könnte darauf hindeuten, dass das System zur Aufklärung im Rahmen des Einsatzes oder für die Schadensbestimmung (Battle Damage Assessment) nach dem Einsatz genutzt wurde.
Schlussendlich beinhaltete die Operation Absolute Resolve auch den Einsatz eines Bodenelementes, welches die eigentliche Gefangennahme von Maduro übernehmen sollte. Dem US-Sender CBS zufolge – welcher als erster darüber berichtete – handelte es sich dabei um „Delta Force“, einem Spezialkräfteverband des US-Heeres. Delta Force ist umgangssprachlich für „1st Special Forces Operational Detachment-Delta“, auch bekannt als „Combat Applications Group“ (CAG). Der Tier-1-Spezialkräfteverband wurde Ende der 1970er Jahre gegründet und zählt neben der „Naval Special Warfare Development Group“ (DEVGRU) – den meisten bekannt unter der früheren Bezeichnung SEAL Team Six – zu der absoluten Speerspitze der US-Spezialkräfte. Beide Verbände unterstehen operationell dem „Joint Special Operations Comand“ (JSOC) und werden im Gegensatz zu den restlichen Spezialkräfteelementen der US-Streitkräfte nicht im jährlich erscheinenden „Fact Book“ des US-Spezialkräfteverbandes USSOCOM gesondert aufgeführt. (Version 2025 hier als PDF verfügbar).
Weiterhin ist anzunehmen, dass sich weitere Truppenteile im Einsatzraum bereitgehalten haben, um beispielsweise bei Bedarf abgestürzte oder abgeschossene Piloten bergen oder befreien zu können oder die im Einsatz befindlichen Bodenkräfte zu verstärken.
Vorbereitung der Operation Absolute Resolve
Der Einsatz einer solchen Anzahl unterschiedlicher Akteure – Streitkräfte, Geheimdienste und Behörden – erfolgt nicht ad hoc und muss sorgfältig vorbereitet werden. Dies braucht eine Menge Zeit und Ressourcen. Wie General Caine im Rahmen der Pressekonferenz verdeutlichte, wurde die Operation über Monate hinweg vorbereitet und geübt.
US-Medienberichten zufolge hat die CIA bereits im Sommer 2025 operative Kräfte in das Land eingeschleust hat, die dann damit begannen, genaue Bewegungs- und Aufenthaltsprofile von Maduro anzulegen. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass der US-Auslandsgeheimdienst bereits seit längerem vor Ort aktiv ist und sich über die Jahre ein Netzwert an Informanten aufgebaut hat.
Zudem berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, dass in den USA eine exakte Nachbildung von Maduros gesichertem Aufenthaltsort errichtet wurde, in der die Spezialkräfte seit mehreren Monaten den Zugriff trainiert haben. „Eliteeinheiten der US-Streitkräfte, darunter die Delta Force der Army, bauten eine exakte Nachbildung von Maduros Unterschlupf und übten, wie sie in die stark befestigte Residenz eindringen würden“, heißt es in dem Bericht. Ein solches Vorgehen wäre kein Präzedenzfall, auch bei dem Zugriff der DEVGRU auf den Compound von Osama Bin Laden wurde ein Replikat der Unterkunft aufgebaut, um die Mission immer wieder einstudieren zu können.
Weiterhin kann davon ausgegangen werden, dass Stützpunkte und Stationierungsorte der Sicherungs- und Streitkräfte Venezuelas aufgeklärt und überwacht wurden, so dass eine präzise und umfangreiche Zielliste generiert werden konnte und die Planungen und Vorbereitungen für die umfangreiche Luftoperation zur Unterstützung des Spezialkräfteeinsatzes beginnen konnten.
General Caine zufolge wurde Anfang Dezember ein Zustand an Aufklärung und Training erreicht, der den Einsatz unter Beibehaltung des größtmöglichen Überraschungsmomentes bei gleichzeitiger Minimierung des Risikos für Zivilisten und die eingesetzte Truppe ermöglichte. Wie Caine ausführte, wurde der Einsatz unzählige Male vorexerziert, nicht um einen richtigen Weg zu finden, sondern um zu versichern, dass man nicht scheitern würde. Danach war Geduld gefragt, bis passendes Wetter für den Einsatz vorhanden war. US-Präsident Trump zufolge war die ursprüngliche Durchführung der Mission für Weihnachten geplant, konnte jedoch aufgrund des unpassenden Wetters nicht in die Tat umgesetzt werden.
Alles in Allem waren mit den Planungen und Vorbereitungen des Einsatzes sicherlich mehrere Hundert, wenn nicht Tausend Agenten, Beamten und Soldaten unter Einhaltung der strengsten Geheimhaltung beteiligt, bevor der Einsatzbefehl an größere Truppenverbände ergangen ist.
Durchführung der Operation Absolute Resolve
Nach Ausführung des US-Generalstabschefs erfolgte der Einsatzbefehl um 22:46 Uhr EST (Nordamerikanische Ostküstenzeit) am 2. Januar 2026, was 23:46 Uhr Ortszeit in Caracas, bzw. 04:56 Uhr deutscher Zeit (3. Januar) entspricht. Danach setzten sich unterschiedliche Elemente gemäß einem exakt synchronisierten Plan in Bewegung, um den anrückenden Helikopterverband inklusive der darin befindlichen Kommandosoldaten und US-Vollzugsbeamten zu decken. Dabei wurden sowohl kinetische als auch nicht kinetische Effekte eingesetzt, die die venezolanische Luftverteidigungssysteme, Kommunikationsknoten sowie kurzfristig mobilisierungsfähige Streitkräfteelemente zerstört oder zumindest gestört haben.
„Als die Nacht hereinbrach, starteten die Hubschrauber mit der Einsatztruppe, zu der auch Polizeibeamte gehörten, und begannen ihren Flug nach Venezuela in einer Höhe von 100 Fuß über dem Wasser. Als sie sich der venezolanischen Küste näherten, begannen die Vereinigten Staaten, verschiedene Effekte von SPACECOM, CYBERCOM und anderen Teilen der institutionenübergreifenden Gruppe zu kombinieren, um einen Weg über dem Land zu schaffen. Diese Streitkräfte wurden von Flugzeugen der United States Marines, der United States Navy, der United States Air Force und der Air National Guard geschützt. Zu den Streitkräften gehörten F-22, F-35, F-18, EA-18, E-2 und B-1-Bomber sowie andere Unterstützungsflugzeuge und zahlreiche ferngesteuerte Drohnen“, beschrieb Caine den Start der Mission.
„Als sich die Truppe Caracas näherte, begann die gemeinsame Luftkomponente mit der Demontage und Deaktivierung der Luftabwehrsysteme in Venezuela und setzte Waffen ein, um den sicheren Durchflug der Hubschrauber in das Zielgebiet zu gewährleisten“, führte Caine weiter aus. „Das Ziel unserer Luftkomponente ist, war und wird immer sein, die Hubschrauber und die Bodentruppe zu schützen, sie zum Ziel zu bringen und wieder nach Hause zu bringen“, so der US-General.
„Als die Truppe den letzten Punkt eines Höhenrückens überquerte, die sie im Rahmen der Annährung zur Deckung genutzt hatte, kamen wir zu dem Schluss, dass wir das Überraschungsmoment vollständig aufrechterhalten hatten. Als die Hubschrauberflotte in geringer Höhe auf das Ziel zusteuerte, erreichten wir Maduros Anwesen um 1:01 Uhr Eastern Standard Time bzw. 2:01 Uhr Caracas-Zeit.“ Dies entspricht 7:01 Uhr deutscher Zeit am 3. Januar 2026.
Zu diesem Zeitpunkt begann die Operation der Kommandosoldaten am Boden. „Die Einsatzkräfte landeten auf Maduros Gelände und bewegten sich schnell, präzise und diszipliniert auf ihr Ziel zu. Sie riegelten das Gebiet ab, um die Sicherheit der Bodentruppen zu gewährleisten, während diese die gesuchten Personen fassten. Bei ihrer Ankunft im Zielgebiet gerieten die Hubschrauber unter Beschuss, woraufhin sie mit überwältigender Feuerkraft und in Notwehr zurückschossen. Eines unserer Luftfahrzeuge wurde getroffen, blieb aber flugfähig, und wie der Präsident heute bereits sagte, kehrten alle unsere Luftfahrzeuge zurück, und das betreffende Luftfahrzeug blieb während der restlichen Mission einsatzfähig“, beschrieb Caine der Fortgang der Mission im Rahmen der Pressekonferenz.
„Während die Operation am Boden lief, versorgten unsere Luft- und Bodenaufklärungsteams die Bodentruppen mit Echtzeit-Updates, um sicherzustellen, dass diese sich ohne unnötige Risiken sicher in der komplexen Umgebung bewegen konnten. Die Truppen wurden dabei durch taktische Luftnahunterstützung aus der Luft geschützt“, so Caine. „Maduro und seine Frau, die beide unter Anklage standen, gaben auf und wurden vom Justizministerium in Gewahrsam genommen, unterstützt von unserem unglaublichen US-Militär, das mit Professionalität und Präzision ohne Verluste an US-amerikanischen Leben vorging. Nachdem die angeklagten Personen gesichert waren, begann die Truppe mit den Vorbereitungen für den Abzug. Hubschrauber wurden angefordert, um die Einsatztruppe zu exfiltrieren, während Kampfflugzeuge und ferngesteuerte Flugzeuge aus der Luft Deckung und Unterdrückungsfeuer lieferten. Als die Truppe begann, aus Venezuela auszuweichen, kam es zu mehreren Gefechten zur Selbstverteidigung. Die Truppe konnte erfolgreich ausweichen und kehrte zu ihren schwimmenden Startbasen zurück. Um 3:29 Uhr Eastern Standard Time [was 9:29 Uhr deutscher Zeit entspricht A.d.R.] befand sich die Truppe mit den gesuchten Personen an Bord über Wasser, und sowohl Maduro als auch seine Frau wurden an Bord der USS Iwo Jima gebracht“, führte Caine den Ablauf des Einsatzes abschließend aus.
Die Erklärungen des US-Generalstabschefs machen deutlich, dass der hubschraubergestützte Spezialkräfteeinsatz von auf See befindlichen Einsatzbasen – vermutlich der USS Iwo Jima und dem Späzialkräfteunterstützungsschiff MV Ocean Trader begonnen wurde. Die Stadtmitte von Caracas selbst liegt rund zehn Kilometer von der Küste der Karibischen See entfernt. Videos aus Caracas deuten darauf hin, dass der Helikopterverband aus mindestens neun Maschinen bestand, davon mindestens zwei MH-47.
Die Ausführungen des Generals deuten zudem darauf hin, dass neben dem für den Zugriff zuständigen Spezialkräfteelement weitere Kräfte vor Ort am Boden waren, die für die bodengestützte Aufklärung zuständig waren. Dabei kann es sich sowohl um Kräfte der CIA als auch des US-Spezialkräftekommandos handeln, die im Vorfeld des Einsatzes in die Hauptstadt infiltriert waren und entsprechende Beobachtungspunkte für die Echtzeitüberwachung einsatzkritischer Punkte und Räume bezogen hatten.
In den Stunden und Tagen nach dem Angriff veröffentlichte Bilder sowie Satellitenaufnahmen belegen, dass die US-Flugzeuge mehrere Stellungen und Einrichtungen der Sicherheitskräfte Venezuelas in Caracas und der unmittelbaren Umgebung mit präzisen Bombenangriffen zerstört haben. Dabei wurden sowohl mehrere Flugabwehrsysteme als auch Liegenschaften – samt der darin befindlichen Gefechtsfahrzeuge – der in Caracas stationierten Streitkräfte zerstört.
Die Beteiligung des US-Weltraumkommandos sowie der US-Cyberkommandos in Kombination mit dem Hinweis auf den Einsatz spezifischer Flugzeugtypen wie der EA-18 und der E-2 ist ein wichtiger Indikator dafür, dass neben der physischen Zerstörung von Kommunikationseinrichtungen und -netzen auch eine nichtkinetische Störung der venezolanischen Kommunikations- und Führungsstrukturen sowie Radaraufklärungsfähigkeiten erfolgt ist, die die Koordination von Maßnahmen gegen den Spezialkräfteeinsatz verhindern oder zumindest erschweren sollte.
In Summe haben die Zerstörung von Kasernen, Führungseinrichtungen sowie Flugabwehrsysteme in Kombination mit der breitflächigen Störung der Kommunikationsinfrastruktur dazu geführt, dass der venezolanische Sicherheitsapparat mitten in der Nacht und in der Kürze der Zeit keine effektive Gegenwehr organisieren konnte und die US-Truppen nur durch vereinzelte Maßnahmen und mit begrenzten Mitteln bei der Durchführung ihrer Operation gestört werden konnten. Neben dem gelungenen Überraschungsmoment ist wohl auch die Zerschlagung der Führungsstruktur der entscheidende Punkt, dass die US-Tuppen die Mission ohne Verluste an Personal und Material beenden konnten. Gleichwohl wurde mindestens ein Hubschrauber beschädigt sowie nach Angaben des US-Präsidenten eine unbekannte Anzahl an US-Soldarten verwundet.
Bewertung der Operation Absolute Resolve
Auch wenn Venezuela sicherlich nicht als Militärmacht klassifiziert werden kann, war das Land und der Sicherheitsapparat durch die stetig zunehmende US-Truppenpräsenz in der Region hochalarmiert. Trotzdem ist es dem Land nicht gelungen, den US-Einsatz zu stören, geschweige denn, diesen zu verhindern.
Der Einsatz zeigt nicht nur, wie wichtig einsatzbereite und schlagkräftige Spezialkräfte sind. Er verdeutlicht vielmehr die Bedeutung von einsatzbereiten und hochausgebildeten Streitkräften allgemein, die in der Lage sind, koordiniert und gemeinsam am selben Strang in dieselbe Richtung zu ziehen, um gemeinsam zum Gelingen einer hochkomplexen Mission beizutragen. Das Zusammenspiel zwischen Zugriffskräften und Unterstützern auf allen Ebenen muss reibungslos funktionieren. Die Operation Absolute Resolve offenbart zudem die hohe Bedeutung von geheimdienstlichen Aktivitäten zur Vorbereitung und Planung solcher Einsätze.
Neben der Ausführung dieser hochkomplexen Operation scheint insbesondere die Vorbereitung, Planung und Übung des Einsatzes eine Meisterleistung zu sein. So dürfte es wohl niemanden, der sich mit den Vorgängen in der Region vertraut gemacht hat, überrascht haben, dass die USA einen Militäreinsatz gegen Venezuela starten würden. Gleichwohl wurde die Welt durch den Spezialkräfteeinsatz buchstäblich überrumpelt.
Obwohl eine große Zahl an Menschen in unterschiedlichen Verwendungen an der Vorbereitung, Planung, Übung sowie Durchführung der Operation beteiligt gewesen ist, ist es den USA gelungen, die Geheimhaltung über den Einsatz bis zur letzten Sekunde aufrecht zu erhalten. Selbst nachdem der Einsatz offenbar mehrere Tage nach hinten verlegt werden musste, konnte die operationelle Sicherheit gewahrt werden. Ein wichtiger Indikator dafür, welche Dinge aus Sicht des Missionserfolges aus geheimhaltungstechnischer Sicht tatsächlich entscheidend sind. Es ist nicht entscheidend zu verschleiern, wie viele Kampfflugzeuge und welche Munition beschafft wurden oder welche Preise einzelne Waffensysteme oder Munitionsarten haben. Selbst die Existenz spezifischer Fähigkeiten oder deren Präsenz im Raum ist von geringerem Belang, schließlich sollte sich selbst bis nach Venezuela herumgesprochen haben, dass die US-Streitkräfte über leistungsfähige Luft- und Spezialstreitkräfte mit jahrzehntelanger gemeinsamer Operationserfahrung verfügen. Auch über die Verlegung entsprechender Truppenverbände und Einsatzmittel in die Region wurde medial extensiv berichtet. Entscheidend war es, die eigene Absicht geheimzuhalten, obwohl in der heutigen vernetzten Welt fast jeder Flug auf unterschiedlichsten Wegen fast schon in Echtzeit nachverfolgt werden kann.
Weder von politischer noch von geheimdienstlicher oder militärischer Seite ist auch nur ein Krümel einer Information nach draußen gelangt, der den Einsatz aus der vergangenen Perspektive in irgendeiner Art und Weise verraten haben könnte. Den US-Geheimdiensten ist es gelungen, unerkannt ganz Caracas auszuspähen und jedwede einsatzkritische Information zu Tage zu fördern. Die US-Spezialkräfte konnten sich über Wochen und Monate auf den Einsatz vorbereiten und sich für diesen in der Region zu positionieren, ohne dass deren lange „Abwesenheit“ bzw. „Präsenz“ in irgendeiner Art und Weise bemerkt worden wäre. Selbst als kurz vor Einsatzdurchführung auch Einsatzbefehle für reguläre Truppenverbände vorbereitet und im Anschluss ausgeteilt wurden, konnte die Geheimhaltung der Mission und der damit einhergehende Überraschungseffekt aufrechterhalten werden.
Den US-Streitkräften ist es buchstäblich gelungen, den Spezialkräfteeinsatz in der täglichen Streitkräfteaktivität der eigenen Truppen zu „verstecken“, obwohl die ganze Welt genau jene Truppen mit Argusaugen betrachtet hat.
Alles zusammen muss man konstatieren, dass die US-Streitkräfte mit der Operation Absolute Resolve eine Meisterleistung abgeliefert haben, die in puncto Koordinierung großer und heterogen zusammengesetzter Truppenkörper und Mittel sowie Aufrechterhaltung der operationellen Sicherheit über einen langen Zeitraum hinweg seinesgleichen sucht. Selbst wenn auch eine Portion Glück mit im Spiel gewesen sein wird, muss man selbst bei der aktuell recht dürftigen Informationslage feststellen, dass das Glück in diesem Fall tatsächlich auf der Seite des Tüchtigen war.
Waldemar Geiger

















