Neben den sogenannten 25-Millionen-Euro-Vorlagen für die Beschaffung neuer Sturmgewehre, Aufklärungsdrohnen, Geländefahrzeuge und Sprechsätze hat der Haushaltsausschuss des Bundestages gestern noch siebe weitere Projekte mit einem Gesamtvolumen von mehr als 2,5 Milliarden Euro abgesegnet.
Uranos KI: Gefechtsfeldaufklärung für die Brigade Litauen
Mit Uranos KI werde ein neuartiges System zur Überwachung großer Räume an der NATO-Ostflanke mit Künstlicher Intelligenz (KI) entwickelt und beschafft, schreibt das BMVg. Das Ziel sei die Aufstellung eines KI-gestützten Aufklärungsverbunds unbemannter Systeme für die taktische Ebene (Kampftruppenbataillone) zur Gefechtsfeldaufklärung. KI-gestützt werden dabei laut Ministerium große Mengen von Daten auf in der Luft und am Boden eingesetzten Sensorplattformen gesammelt und aufbereitet, um die Informationsüberlegenheit auf dem Gefechtsfeld zu erlangen. Uranos KI soll zunächst die Panzerbrigade 45 in Litauen erhalten. Später wird das System den Angaben zufolge allen Brigaden zur Verfügung stehen.
Erreicht werde das mit der Integration von marktverfügbaren Einzelkomponenten in ein Gesamtsystem. Zunächst werden den Angaben des Ministeriums zufolge parallel von zwei Herstellern acht Gesamtsysteme beschafft. Die Anfangsbefähigung soll demnach zwischen 2026 und 2028 erreicht werden. Damit werde die Grundlage für den weiteren Ausbau des Systems geschaffen, um danach weitere Heeresbrigaden auszustatten.
Gut informierten Kreisen zufolge sollen Airbus Defence and Space zusammen mit Quantum System sowie das auf KI spezialisierte Tech-Unternehmen Helsing beauftragt werden. Dem Vernehmen nach beläuft sich der Finanzbedarf für den Abschluss beider Rahmenvereinbarungen auf insgesamt rund 136 Millionen Euro, hier sind jedoch Optionen für jeweils zehn weitere Systeme pro Anbieter enthalten. Fest beauftragt wird erstmal nur die Entwicklung und Lieferung von jeweils vier Systemen pro Anbieter. Während Helsing in einem ersten Schritt etwa 34 Millionen Euro erhalten soll, beläuft sich der erste Anteil für Airbus und Quantum Systems auf ca. 23 Millionen Euro beläuft.
Medienberichten zufolge haben die beiden Anbieter sich im Wettbewerb gegen zwei weitere Angebote – Rheinmetall und Hensoldt – durchgesetzt.
Sturmgewehre
Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat der Änderung eines bestehenden Rahmenvertrages mit Heckler & Koch zugestimmt, aus dem die Bundeswehr zukünftig bis zu 250.000 Sturmgewehre vom Typ G95A1 bzw. G95KA1 im Gesamtwert von etwas mehr als 800 Millionen Euro abrufen kann.
Gleichzeitig wurden am Mittwoch etwas mehr als 250 Millionen Euro für den Abruf von etwas weniger als 80.000 Sturmgewehren aus dem Rahmenvertrag freigegeben.
Laser-Licht-Module
Auch beim Rahmenvertrag für das Laser-Licht-Modul (LLM) wurde eine Vertragsanpassung gebilligt. Der ursprüngliche Rahmenvertrag wurde bereits im Juli 2021 mit der Rheinmetall Tochter Soldier Electronics geschlossen und beinhaltete die Herstellung und Lieferung von etwa 130.000 Laser-Licht-Modulen des Typs LLM-VarioRay der neusten Generation mit einem potenziellen Wert von bis zu 178 Millionen Euro geschlossen.
Diese Rahmenvereinbarung wird nun gut informierten Kreisen zufolge ebenfalls auf bis zu 250.000 Laser-Licht-Module mit einem maximalen Auftragswert von fast 500 Millionen Euro angepasst. Gleichzeitig wurde dem Abruf von ca. 130.000 LLMs aus dem Rahmenvertrag zugestimmt und dafür 255 Millionen Euro freigegeben.
Sprechsätze mit Gehörschutzfunktion
Gebilligt wurde weiterhin der dritte Abruf von sogenannten Sprechsätzen mit Gehörschutzfunktion (SMG) sowie zusätzlicher dazugehöriger Ausrüstung im Wert von rund 140 Millionen Euro aus einem bestehenden Rahmenvertrag mit Rheinmetall Electronics GmbH.
Damit darf die Bundeswehr 50.000 weitere SMGs samt zusätzlicher Ausrüstung beschaffen. Über weitere Details berichtete hartpunkt hier.
Wolf 2
Daneben hat der Haushaltsausschuss die 25-Mio-Vorlage für den Abruf von 1.744 weiteren Geländefahrzeugen des Typs Wolf 2 aus einem bestehenden Rahmenvertrag mit Mercedes-Benz im Wert von rund 380 Millionen Euro gebilligt, hartpunkt berichtete.
Joint Strike Missile
So kann die Bundeswehr weitere Marschflugkörper des Typs Joint Strike Missiles (JSM) für den Kampfjet F-35 beschaffen. Bereits im Juni hatte der Haushaltsausschuss grünes Licht für die Beschaffung der JSM in einer Kooperation mit Norwegen gegeben, hartpunkt berichtete. Mit der Erhöhung der Stückzahlen komme die Bundeswehr auch den Forderungen der NATO-Fähigkeitsziele zur Munitionsbevorratung nach.
Die JSM verfügt den Angaben zufolge über ein fortschrittliches Missionsplanungssystem zur optimalen Nutzung der See- und Landgeografie. Sie nutzt ein hochpräzises Navigationssystem und die automatische Zielerkennung wird durch einen Infrarot-Bildsucher unterstützt. Der Flugkörper ist so konzipiert, dass er auch in den internen Waffenschächten der F-35 mitgeführt werden kann. Der Hersteller gibt die Reichweite mit mehr als 350 km an, die Luftwaffe mit bis zu 560 km. Die Joint Strike Missile ist sowohl in der Lage See- als auch Landziele zu bekämpfen.
Aufklärungsdrohne für den Nahbereich
Zudem darf die Bundeswehr einen Rahmenvertrag mit dem deutschen Drohnenhersteller Quantum Systems für die Lieferung von bis zu 747 Twister-Aufklärungsdrohnen im Gesamtwert von bis zu ca. 86 Millionen Euro schließen.
Weitere Vorhaben
Überdies hat der Haushaltsausschuss für die Fliegerhorst Jagel für eine Testphase stationierten Drohnen des Typs German Heron TP (GHTP) einer wesentlichen Erhöhung des monatlichen Flugstundenkontingents zugestimmt.
Wie das BMVg ausführt, wird die bewaffnungsfähige Drohne für Aufklärungsaufgaben genutzt und kann zur Unterstützung von Bodentruppen eingesetzt werden. Sie sei eine Übergangslösung bis zur Einführung der Eurodrohne. Insgesamt fünf Drohnen wurden auf der Grundlage eines Betreibervertrags geleast. Die Luftfahrzeuge könnten künftig einen wichtigen Beitrag zur Landes- und Bündnisverteidigung leisten und beispielsweise auch bei der Überwachung kritischer Infrastruktur eine Rolle spielen.
Laut Verteidigungsministerium muss der Prozessor des Seeraumüberwachungsradars der Marineversionen des Hubschraubers NH-90 altersbedingt neuentwickelt werden. Dieser sei verantwortlich für die Erzeugung der Radarsignale sowie die Verarbeitung der Radarechos. Die am NH-90-Projekt teilnehmenden Länder Deutschland, Belgien, Italien und Niederlande beteiligen sich an der Investition der Neuentwicklung. Der deutsche Anteil wurde nun durch den Haushaltsausschuss bewilligt.
Zudem hat der Ausschuss die Finanzmittel zur Neuentwicklung und Lieferung von speziellen Sonderbetriebsmitteln und Testgeräten (Special to Type Tooling and Test Equipments, STTE) für das Eurofighter-Radar freigegeben, wie aus der Mitteilung hervorgeht. Die Testgerätschaften seien nötig für die Reparaturfähigkeit des Radars, die altersbedingt ersetzt werden müssen. Alle vier Eurofighter-Partnernationen beteiligen sich an der Ersatzbeschaffung. Das Radar ist der wichtigste Sensor zur Zielerfassung, Zielverfolgung und Zielbekämpfung. Es unterstützt den effektiven Einsatz der Luft-Luft-Lenkflugkörper und liefert die Zielunterstützung für die 27-Millimeter-Bordkanone des Kampfjets.
Lars Hoffmann und Waldemar Geiger

















