Diehl Defence, ein deutscher Anbieter von Lenkflugkörpern sowie bodengebundenen Luftverteidigungssystemen, und der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin haben heute eine Vereinbarung geschlossen, die das Potenzial zur Kombination der Luftverteidigungsfähigkeiten beider Unternehmen für internationale Überwasser-Kampfschiffprogramme auf der ganzen Welt umfasst.
Anlässlich der diesjährigen Berliner Sicherheitskonferenz haben Helmut Rauch, CEO von Diehl Defence, und Chandra Marshall, Vice President bei Lockheed Martin, am Veranstaltungsort der Konferenz ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet, wie beide Partner in einer Pressemitteilung schreiben.
Nach der heute Absichtserklärung wollen beide Unternehmen die Möglichkeit der Integration von Lenkflugkörpern der Iris-T-Familie in das Aegis-Waffensystem und das MK41-Vertikalstartsystem eingehend prüfen.
Wie Helmut Rauch im Gespräch mit Journalisten nach der Vertragsunterzeichnung ausführte, geht es zunächst um die Integration der Iris-T SLM und perspektivisch des Hyperschallabwehrflugkörpers HYDEF, der gegenwärtig im Rahmen des European Defence Fund maßgeblich von Diehl mitgestaltet wird. Sollten sich Kunden für die Iris-T SLS oder die noch nicht fertigentwickelte Iris-T SLX interessieren, sei auch hier eine Prüfung denkbar. Der Diehl-Defence-CEO geht davon aus, dass – basierend auf den Erfahrungen mit dem Test von Iris-T SLM auf den Fregatten der Klasse 125 – eine Integration in zehn Monaten möglich sein dürfte. Man sei bereit, wenn ein Kunde den Auftrag gebe. Seinen Worten zufolge kommt beispielsweise die zukünftige Luftverteidigungsfregatte 127 der Deutschen Marine als Trägerschiff für die Iris-T SLM in Frage. Die F127 wird als erstes deutsches Kriegsschiff das Aegis-System erhalten und mit Mk-41-Senkrechtstartsystemen ausgerüstet. Rauch sieht kein Problem darin, dass es sich bei der Ausstattung der F127 um ein Program of Record der U.S. Navy mit Aegis, Mk 41 sowie Spy-6-Radar von Raytheon handelt. Er erwartet, dass sowohl Iris-T SLM als auch HYDEF integriert werden können. Außer einer möglichen Anpassung der Software sei keine Veränderung der IR-Suchkopfs vorgesehen, sagte er. Neben der Deutschen Marine, haben seinen Worten zufolge auch andere Marinen in Europa Interesse an der Nutzung der Iris-T SLM gezeigt. Details wollte Rauch jedoch nicht nennen.
Technische Hindernisse bei der Integration der Flugkörper in das Aegis-Führungssystem sehen weder Diehl noch Lockheed Martin. Beide Partner unterstrichen in diesem Zusammenhang die fruchtbare Zusammenarbeit in der Vergangenheit und ihre umfassende Expertise. Erste Simulationen hinsichtlich der Integration wurden offensichtlich schon durchgeführt. Aegis sei von der Systemarchitektur sehr offen ausgelegt und könne mit unterschiedlichen Effektoren und Sensoren interagieren, betonte Chandra Marshall bei dem Gespräch. Idealerweise könnte eine Integration mit dem Spy-7-Radar von Lockheed Martin umgesetzt werden, weil dann die eigene Technik-Infrastruktur genutzt werde könne, sagte sie. Der Lockheed-Martin-Managerin zufolge würde für die Integrationsarbeiten voraussichtlich eine kleinere containerisierte Version des Aegis nach Deutschland gebracht. Einmal abgeschlossen, könnten die Ergebnisse auch auf größer Aegis-Systeme übertragen werden.
Nach Aussage von Marshall soll auch die Integration der Iris-T in den Launcher Mk 70 untersucht werden. Hierbei handelt es sich um eine containerisierte Version des MK 41 für Landanwendungen, die allerdings auch auf Schiffe verbracht werden kann. Insbesondere Schiffe ohne Vertical Launch System kommen als Träger in Frage. Der Mk-70-Launcher ist auch für den Verschuss der Boden-Boden-Version des Marschflugkörpers Tomahawk vorgesehen.
„Dadurch, dass Diehl Defence und Lockheed Martin ihr Know-how und ihre Fähigkeiten bündeln, können Marinen weltweit vom Optimum für Flugabwehrsysteme auf ihren Überwasser-Kampfschiffen profitieren. Wir sind stolz darauf, unsere Zusammenarbeit mit Lockheed Martin auf dem Gebiet der Lenkflugkörper und der Luftverteidigungsanwendungen zu intensivieren“, betonte Rauch.
„Diese strategische Zusammenarbeit ist ein weiterer Beweis für die Skalierbarkeit und die erhöhte Kapazität unserer Programme, welche IAMD-Fähigkeiten der nächsten Generation und die Sicherheit des 21. Jahrhunderts in die Welt bringen“, so Chandra Marshall.
Diehl Defence und Lockheed Martin haben bereits in der Vergangenheit bei verschiedenen Projekten zusammengearbeitet. Vor kurzem haben beide Unternehmen eine Absichtserklärung über die Zusammenarbeit bei der globalen Lieferkette für Lenkflugkörper für das Patriot-System unterzeichnet.
Lars Hoffmann


















