Indo Pazifik 2025 – neue Anpassungen der Mehrzweckfregatte „Upgraded Mogami“ für Australien

Alexander Luck

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Der japanische Schiffsbauer Mitsubishi Heavy Industries (MHI) hat auf der Indo Pacific Maritime Exposition 2025 in Sydney ein Modell der „Upgraded Mogami“ für die australische Marine gezeigt. Den Entwurf zierte ein rotes Känguru, als Verweis auf die erfolgreiche Auswahl des Fregattenenwurfes für den Bau von elf Kriegsschiffen für die australische Marine im Rahmen des Vorhabens SEA 3000.  

Die Mehrzweckfregatte mit einer Verdrängung von über 6.000 Tonnen ist Nachfolger der Mogami-Klasse für die japanische Marine (JMSDF) und in Japan als 06FFM bekannt, In Diskussionen mit Offiziellen von MHI und der RAN hat Hartpunkt-Partnerseite Naval News neue Einblicke in Anpassungen für die australische Variante erhalten.

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Die britische Fachpublikation Janes hatte als erstes Fachblatt über die Bestätigung seitens MHI-Offizieller berichtet, die australische Variante der 06FFM mit Seezielflugkörpern des Typs Kongsberg Naval Strike Missile (NSM) auszustatten. Die japanische Marine verwendet stattdessen eine einheimische Entwicklung, bekannt unter dem Namen „Model 17“. Im Juli vergangenen Jahres hatte Naval News bereits berichtet, dass das japanische Verteidigungsministerium eine Anforderung an die Industrie publizierte, NSM in zu diesem Zeitpunkt unbenannte Kriegsschiffe aus japanischer Fertigung einzurüsten.

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ESSM und Mk 54-Torpedos für australische Variante

Wie Naval News nun in Sydney erfuhr, wird es für Australien allerdings nicht nur bei NSM bleiben. Die Variante für die Royal Australian Navy (RAN) wird zudem die Flugkörper vom Typ Evolved SeaSparrow Missile (ESSM) und den Leichtgewichtstorpedo des amerikanischen Typs Mk 54 verwenden. In der japanischen Variante sind beide Systeme bisher nicht eingerüstet. Stattdessen verfügt die JMSDF 06FFM über bis zu 32 Flugkörper des Typs A-SAM, einer einheimischen Entwicklung mittlerer bis hoher Reichweite, sowie den „Modell 97“ benannten Leichtgewichtstorpedo für den Verschuss aus den im Aufbau installierten Dreifachstartern.

MHI-Vertreter sowie der australische Head of Naval Capability, Konteradmiral Stephen Hughes, bestätigten im Gespräch mit Naval News die Anpassungen für SEA 3000. Der australische Minister für die Rüstungsindustrie, Pat Conroy, hatte bereits im August bei der Auswahl des MHI-Entwurfs für SEA 3000 angedeutet, dass die RAN beabsichtigt, ESSM einzurüsten. Conroy hob damals in einer Pressekonferenz hervor, dass die „Upgraded Mogami“ bis zu 128 Flugabwehrflugkörper besitzen wird. ESSM bringt mittels „Quadpacking“ vier Flugkörper in einer Mk 41-Zelle unter, was in 128 Flugkörpern im 32-Zellen-Magazin der 06FFM resultiert.

Ähnlich wie beim NSM vor einem Jahr hat das japanische Verteidigungsministerium jüngst eine Ausschreibung publiziert, um ESSM in japanische Kriegsschiffe einzurüsten, die nicht über das AEGIS-Führungs- und Waffeneinsatzsystem (CMS) verfügen. Ebenso wie die Vorgänger-Mogami besitzt die 06FFM das OYQ-1 CMS von Mitsubishi Electronic (MELCO), welches vor allem Kern-Komponente der einzigartigen 360 Grad-Operationszentrale (CIC) an Bord der beiden Fregatten-Typen ist.

Hervorzuheben ist, dass die australische Marine bisher Mk 54 nicht von Kriegsschiffen verwendet, sondern lediglich von den U-Jagd-Hubschraubern, speziell dem MH-60R. Auf der Hobart-Klasse sowie den zukünftigen Fregatten der Hunter-Klasse ist stattdessen der europäische MU90-Leichtgewichtstorpedo in Verwendung.

Japanische Exportbeschränkungen als Motivation für Anpassung

MHI-Offizielle begründen die Veränderungen interessanterweise damit, dass Japan aus politischen Gründen keine Waffensysteme exportiert, und auch für das in der Vergangenheit als strategisch bedeutsame bilaterale SEA 3000-Abkommen keine Ausnahme machen wird. Grundlegende Beschränkungen, die einen solchen Verkauf nach Australien unmöglich machen würden, sind interessanterweise in Japan nicht in Kraft. Rüstungsexport-Beschränkungen konzentrieren sich vielmehr auf international übliche Aspekte, wie Embargos durch die Vereinten Nationen, Konfliktgebiete sowie, historisch, Staaten unter kommunistischer Herrschaft.

Die Kommentare auf der Indo Pazifik 2025 sind das erste Mal seit dem Beginn des Vorhabens, dass eine derartige Beschränkung als Thema im Kontext von SEA 3000 benannt wurde. Zudem haben mehrere japanische Regierungen in der jüngsten Vergangenheit diesbezügliche Beschränkungen zunehmend reduziert, um das Land wettbewerbsfähiger in globalen Rüstungskooperationen zu machen.

Rätsel um weitere australische Modifikationen

Weitere Details zu Anpassungen für die australische „Upgraded Mogami“ bleiben bisher unklar. Conroy hatte im August auch davon gesprochen, dass die Verwendung amerikanischer Waffensysteme, die bei der RAN in Verwendung sind, dadurch erleichtert wird, dass das OYQ-1 CMS ein Lockheed Martin-Produkt sei. Worauf diese Darstellung im technischen Detail basiert, bleibt unklar.

Der Minister teilte in diesem Zusammenhang mit, dass die „Upgraded Mogami“ in der Lage sein wird Flugkörper vom Typ SM-2, SM-6 und Tomahawk einzusetzen. Keines dieser Waffensysteme ist bisher auf dem Entwurf eingerüstet. Das Mk 41 in „Strike“-Baulänge erlaubt prinzipiell den Einsatz dieser Typen, ähnlich wie beim ESSM.

Allerdings wären weitere, erhebliche, Anpassungen notwendig, um einen Betrieb zu ermöglichen, für SM-2 und SM-6 insbesondere in Bezug auf das an Bord eingerüstete Aufklärungs- und Feuerleitradar, einer verbesserten Variante des auf Mogami eingesetzten Typs OPY-2. Derzeit gibt es keine Informationen von japanischer Seite zur beabsichtigten Integration der drei genannten Waffensysteme.

RAM folgt SeaRAM als neuer RAN-Standard

Unverändert in der australischen Spezifikation dagegen bleibt das 127 mm-Bordgeschütz des amerikanischen Typs Mk 45, sowie der SeaRAM-Starter auf dem Hangar-Dach. Das Mk 45 ist bereits das Standard-Geschütz der Australischen Marine. SeaRAM hingegen ist ein neues Waffensystem für Australien.

Nach Informationen von Naval News beabsichtigt die RAN in diesem Zusammenhang, RIM-116 RAM querschnittlich einzuführen, um das bisherige Standard-Nahbereichsverteidigungssystem Phalanx zu ersetzen. Die Hunter-Klasse wird als erstes RAN-Kampfschiff den Mk 144-Starter zum Verschuss von 21 RAM-Flugkörpern erhalten. Im Unterschied zu SeaRAM ist RAM direkt in bordeigene Sensorik integriert und weist eine verbesserte Reichweite auf.

Australien folgt hier dem amerikanischen Trend, RAM konsequent zum Ersatz von Phalanx einzurüsten, in der Erkenntnis, dass jüngste Konflikte wie im Roten Meer bessere Fähigkeiten zur Verteidigung im Nah- und Nächstbereich gegen Drohnen und Flugkörper erfordern.

„Zero change“ als Frage der Perspektive

Die verschiedenen Veränderungen auf „Upgraded Mogami“ für Australien machen die bisher kommunizierte Festlegung auf „zero change“, also keinerlei Anpassungen und den Kauf der Fregatten quasi „von der Stange“ zunehmend fragwürdig. Ein gewisses Maß an Anpassungen beim Erwerb ausländischer Entwürfe ist im Marinebereich die Norm, und aufgrund der unterschiedlichen Standards nationaler Streitkräfte praktisch unvermeidbar.

Allerdings hatte die australische Regierung im Kontext von SEA 3000 wiederholt betont, dass man im Unterschied zu Vorhaben der Vergangenheit ein Zeichen setzen wolle, solche Veränderungen möglichst komplett zu vermeiden. Stephen Hughes meinte in diesem Zusammenhang anlässlich des Combined Naval Events (CNE) in Farnborough im Jahr 2024, dass ein „zero change“-Ansatz unerlässlich sei, um die neuen Fregatten im zeitlich ambitionierten SEA 3000-Vorhaben zu beschaffen. „Gleichgültig, welchen Entwurf wir wählen, und welchen Standard wir damit wählen, dies müssen wir dann einführen. Wir müssen Disziplin beim Erwerb dieser Fähigkeit zeigen.“, so Hughes vor einem Jahr.

Auf der Indo Pazifik 2025 will Hughes in den jüngst kommunizierten Anpassungen keinen Widerspruch zu „zero change“ sehen. Stattdessen betont der Head of Naval Capability, dass die „Redundanz in der Zahl der Waffensysteme“ auf 06FFM die Einrüstung von bei der australischen Marine im Einsatz befindlichen Typen wie ESSM ermögliche. Hughes leitet dies aus dem Vorhandensein des Mk 41 VLS ab. Zudem lehnte der Konteradmiral sich in seinen Bemerkungen an Conroys Stellungnahme hinsichtlich des CMS an, mit der Bemerkung, die Anpassungen seien durch das „Erbe“ von OYQ-1 unproblematisch.

Ambitioniertes Bauprogramm stellt Werften vor Herausforderungen

MHI wird die ersten drei „Upgraded Mogami“ für die RAN in Japan bauen. Die Übergabe des ersten Schiffs wird von Canberra bisher konsistent für 2029 kommuniziert. Die verbleibenden acht Einheiten sollen danach in Henderson, Western Australia, von einer einheimischen Werft in Kooperation mit MHI gebaut werden und nach 2034 zulaufen. Eine Vertragsunterzeichnung mit MHI steht trotz der Ankündigung im August allerdings bisher aus und wird nun für 2026 erwartet.

Der Bau der acht Fregatten auf heimischen Werften in Western Australia stellt eine erhebliche zusätzliche Herausforderung im Rahmen von SEA 3000 dar. Die australische Regierung hatte Ende August mit dem Schiffsbauer Austal Australia das „Strategische Schiffbau-Abkommen“ (Strategic Shipbuilding Agreement, oder SSA) unterzeichnet. Austal als Generalunternehmer soll in diesem Rahmen zwei Klassen von Landungsschiffen für die australische Heer unter dem Vorhaben LAND 8710 liefern. Das Projekt besteht aus dem Landing Craft Medium (LCM), für 18 Boote basierend auf einem Entwurf der australischen Firma Birdon, sowie acht Landing Craft Heavy (LCH), basierend auf einem Entwurf von Damen. LCM ist derzeit etwa zwei Jahre verspätet, begründet durch Schwierigkeiten in der Entwurfsphase und einer problematischen Zusammenarbeit zwischen Birdon und Austal.

Auf der Indo Pazifik 2025 hat nun die Bauwerft Civmec, ebenso wie Austal in Henderson beheimatet, mit einem detaillierten Modell ihrer Liegenschaften und der Präsentation zum Bau der Arafura-Korvetten ihre diesbezüglichen Kompetenzen unterstrichen. Im Gespräch mit betonte Sam Webb, Civmec-Manager für Regierungsgeschäfte, dass das Unternehmen zusammen mit BAE-Maritime in South Australia eine von zwei Bauwerften im Land mit erwiesener Expertise im Bau von Kampfschiffen aus Stahl sei. Die Darstellung ist ein Verweis darauf, dass Austal im Gegensatz zu Civmec vor allem Expertise im Bau von Schiffen aus Aluminium hat, und mit den Patrouillenbooten der Guardian-Klasse erst in jüngster Vergangenheit Einheiten mit Stahlrumpf baut. Civmec baut derzeit die verbliebenen vier von sechs Korvetten der Arafura-Klasse für die australische Marine, und hatte jüngst die erste in Henderson gebaute Einheit, die zukünftige HMAS Pilbara, zu Wasser gelassen.

Civmec bewirbt Kapazität, Austal mit Hanwha und MHI zwischen den Stühlen

Das Werftenmodell von Civmec zeigte zwei Fregatten der Mogami-Klasse in der Endfertigungshalle des Schiffbauers. Webb erklärte im Gespräch mit dem Autor, dass Civmec in der Lage sei, an bis zu vier Fregatten zeitgleich zu arbeiten. Civmecs Anlagen sind in Henderson einzigartig, da Schiffe in Fregatten-Größe komplett innerhalb der Hallen endgefertigt werden können. Austal beabsichtigt, Module für Marineeinheiten, die größer als Patrouillenboote sind, in Hallen zu bauen. Daran anschließend erfolgt die Endfertigung unter freiem Himmel auf dem im Vergleich zu Civmec deutlich kompakteren Werftengelände.

Die australische Regierung und Austal haben bisher keine genauen Abmachungen bezüglich der Fertigung von „Upgraded Mogami“ in Henderson getroffen. Unter Berücksichtigung der genannten Landungsschiff-Bauvorhaben dürfte erheblicher Druck auf Austal lasten, überzeugend darzulegen, wie die Werft den straffen Zeitplan für SEA 3000 realisieren kann.

Zusätzlich zu Fragen von Kapazität und Kompetenz beschäftigt Austal derzeit ein weiteres Problem hinsichtlich der Eigentumsverhältnisse der Werft. Der koreanische Werftenkonzern Hanwha Ocean hatte im Maerz 2025 einen Anteil von 9,9 Prozent an Austal Australia erworben. Hanwha Ocean gehörte zu den Bietern für SEA 3000, bevor Australien den Wettbewerb im November 2024 auf MHI und TKMS reduzierte. Inzwischen hat Hanwha kommuniziert, die Eignerschaft bei Austal auf 19.9 Prozent ausweiten zu wollen.

Basierend auf der Austal-Eigentumsstruktur würde Hanwha damit eine Mehrheitsbeteiligung erhalten, was für den japanischen Konkurrenten und SEA 3000-Gewinner MHI eine rote Linie in der Kooperation mit Austal darstellt. Die japanische Regierung hatte zuletzt wiederholt Bedenken in Canberra hinsichtlich derartiger Schritte angemeldet.

Unter Betrachtung dieser Herausforderungen dürften die Anstrengungen von Civmec, am Bauvorhaben für „Upgraded Mogami“ beteiligt zu werden, zusätzliches Gewicht erhalten. Weitere Schritte und Ankündigungen zu diesem Prestige-Vorhaben für die Royal Australian Navy werden im ersten Quartal nächsten Jahres erwartet.

Alexander Luck ist Analyst für Rüstungspolitik mit Schwerpunkt Marine und Luftfahrt. Sein Fokus liegt auf dem indopazifischen Raum, besonders Entwicklungen in China, Ostasien und Australien. Eine Version dieses Artikels in englischer Sprache erschien erstmalig am 15.11.2025 auf der hartpunkt-Partnerseite Naval News.