Die United States Army unterzieht sich derzeit einer grundlegenden Transformation im Rahmen der umfassenden Reforminitiative Army Transformation Initiative (ATI). Dies erläuterte der Stabschefs der Army, General Randy A. George, vor Pressevertretern bereits im September dieses Jahres. Ein zentrales Element dieser Transformation ist die Umstrukturierung der klassischen Infanterie-Brigaden – den Infantry Brigade Combat Teams (IBCTs) – hin zu sogenannten Mobile Brigade Combat Teams (MBCTs). Der jüngste Bericht des US-Fachmediums Army Times vom 16. Oktober 2025 liefert dabei wichtige Einblicke in die operationalen Konsequenzen.
Mit dem Schreiben „Letter to the Force: Army Transformation Initiative“ vom 1. Mai 2025 legten das US-Kriegministerium sowie die Army-Führung den Rahmen für die ATI fest. Darin heißt es u. a., dass alle IBCTs in Mobile Brigade Combat Teams überführt werden sollen, um Mobilität und Schlagkraft in einer schlankeren Formation zu erhöhen.
Die Gründe hierfür lägen im Wandel der Einsatzbedingungen: Die Bedrohungslage der Zukunft – insbesondere im sogenannten „Large-Scale Combat Operations“-Umfeld – verlange nach höherer Beweglichkeit, Integration von Plattformen wie unbemannten Luftsystemen (UAS), neuen kinetischen und nicht-kinetischen Effektoren sowie nach kürzeren Entscheidungs- und Wirkzyklen.
Schlüsselmerkmale der Mobile Brigade Combat Teams
Laut dem Army Times-Bericht werden in den kommenden zwei Jahren 25 IBCTs in MBCTs transformiert. Im Einzelnen lassen sich gleich mehrere, signifikante strukturelle und materielle Veränderungen erkennen. So erhält jede MBCT eine „multifunctional reconnaissance company“ (MFRC) sowie eine „multi-purpose company“, welche Aufklärung und Feuerkraft auf die niedrigere taktische Ebene verlagert. In der Praxis soll beispielsweise beim 116th Infantry Brigade Combat Team (Virginia National Guard) eine Versuchsaufstellung erprobt werden. Diese besteht aus drei Infanteriebataillonen mit eigener logistischer Unterstützung, einer Multi-Purpose-Company zur Unterstützung mit integrierter Aufklärung, indirektem Feuer, Drohnenabwehr und Komponenten der elektronischen Kampfführung sowie einer MFRC zur Brigadeaufklärung.
Im Fokus der Entwicklung liegt zweifelsohne die Erhöhung der Mobilität und die Verbesserung der Präzision. So soll die Infanteriegruppe durch das neue Infantry Squad Vehicle (ISV) ein leichtes und hochmobiles Fahrzeug erhalten und so die Fähigkeit zur schnellen Verlegung am Boden bekommen. Gleichzeitig verschiebt sich die Bewertung der Überlebensfähigkeit durch den Wegfall passiver Panzerung und integrierter kinetischer Wirkmittel. Um dies zu kompensieren, soll die Präzision der Effektoren drastisch verbessert werden. Dass dies bereits jetzt Realität ist, zeigen Übungsdurchgänge des US-Heeres, bei dem durch die kombinierte Nutzung von Drohnen und Loitering Munition, welche 90 Prozent der Feueraufträge übernahmen, eine um 300 Prozent höhere Effektivität bei 50 Prozent geringerem Munitionsverbrauch nachgewiesen werden konnte. Diese Erkenntnis führt laut einem „Congressional Research Service“-Dokument zufolge zur mittelfristigen Streichung von System wie dem Kampfhubschrauber AH-64D, oder den geschützten Fahrzeugen des Typs HMMWV und JLTV.
Neben den materiellen Änderungen soll laut einem Bericht des US-Kongresses auch die Führbarkeit der Einheiten enorm verbessert und beschleunigt werden. So sollen die bereits bestehenden C2 (Command and Control) -Knoten durch die Integration von Künstlicher Intelligenz ertüchtigt werden. Zudem sollen Führungsstrukturen gestrafft und redundante Funktionen nach dem Leitbild „Every role must sharpen the spear or be cut away“ gestrichen werden.
Die Umstellung von IBCTs zu MBCTs markiert einen der umfassendsten Reformschritte der U.S. Army seit vielen Jahren. Wird diese Transformation erfolgreich umgesetzt, zeichnet sich eine nach neuem US-Verständnis moderne Infanterie-Brigade ab, die agil, vernetzt und technologisiert Kampfhandlungen durchführen kann. Gleichermaßen hängt der Erfolg jedoch maßgeblich von der Umsetzung ab. Materielle Ausstattung, Ausbildung, innovativer und leichter Schutz, Doktrin und Ressourcen müssen im Gleichschritt vorankommen.
Auswirkungen auf die NATO
Die Umstellung der U.S. Army auf Mobile Brigade Combat Teams ist weit mehr als eine interne Reform – sie markiert potenziell einen Paradigmenwechsel in der Kriegführung der US-Landstreitkräfte. NATO-Partner werden daher wohl nicht umherkommen ihre Strukturen, Ausbildung, Technik und Doktrin schrittweise anzupassen, um die operative Kompatibilität zu wahren.
Für das Bündnis eröffnet sich damit die Chance, eine neue Generation verbundener, adaptiver Streitkräfte zu entwickeln – ein Ansatz, der nicht frei von Risiken ist und Mobilität, Datenintegration und Präzision über Masse stellt und gleichzeitig hohe Anforderungen an Führung, Technologie und Vertrauen in gemeinsame Prozesse stellt.
Die Abkehr von schwer gepanzerten Systemen mit hoher Feuerkraft (Schützenpanzer) ist eine dieser mit Risiken verbundenen Veränderungen. Insbesondere, da dieser Trend im Ukrainekrieg nicht zu beobachten ist. In diesem Zusammenhang ist jedoch anzumerken, dass die U.S. Army nicht für die Neuauflage des Ukrainekonfliktes plant, sondern eine komplexe Bedrohung aus einem Krieg in Europa und einem sich verschärfenden Konflikt mit China im Pazifik begegnen will. Beide Szenarien setzen schnelle Verlegbarkeit, hohe taktische Mobilität, gepaart mit maximaler Letalität und einer möglichst geringen logistischen Belastung voraus. Aspekte, welche die dargelegte Struktur dezidiert zu adressieren versucht.
Kristóf Nagy
















