Vom Nächstbereich zum raumdeckenden Schutz – Diehl Defence entwickelt Drohnenabwehr-Fahrzeug Kinetic Defence Vehicle weiter

Waldemar Geiger

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Ursprünglich als eine hochautomatisierte und -mobile Drohnenabwehrlösung für den taktischen Einsatz unterhalb des Nah- und Nächstbereichsschutzes entwickelt, stattet Diehl Defence sein „Kinetic Defence Vehicle” (KDV) derzeit mit weiteren Effektoren aus, um dem System eine Fähigkeit zum kostengünstigen, raumdeckenden Schutz vor Drohnen zu verleihen. Der Fokus des Systems soll dabei weiterhin auf der im Vergleich zu klassischen Flugabwehrmitteln günstigen Drohnenabwehr liegen, für die Abwehr von Marschflugkörpern, ballistischen Raketen oder Kampfflugzeugen wird das System weiterhin nicht vorgesehen.

Wie es aus Unternehmenskreisen heißt, arbeitet man daran unterschiedliche kinetische Abfangdrohnen in das System zu integrieren, die die Drohnenabwehrfähigkeit des KDV sowohl in hybriden Szenarien als auch im Kriegseinsatz signifikant erweitern sollen. Neben der Integration des von Diehl Defence selbst entwickelten Drohnenabwehrflugkörpers Cicada, welcher als „Dual-use“-Wirkmittel für die militärischen sowie behördlichen Markt ausgelegt ist, soll offenbar auch eine kinetisch wirkende und einsatzbewährte Abfangdrohne eines anderen Anbieters in das System integriert werden, mit der feindliche Drohnen der NATO Klasse II (<600kg) auf Entfernung von weiter als 20 km abgeschossen werden können. Mit weiteren Details zum Namen der Abfangdrohne oder des Unternehmens hält sich der Rüstungskonzern derzeit noch bedeckt.

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Dem Vernehmen nach soll das KDV neben dem Primäreffektor für den Nahbereich – stabilisierte Waffenstation – sowie der dazugehörigen Sensorik – Optronik und Radar – eine zweiköpfige Besatzung (Fahrer und Systembediener) und abhängig von der Größe der jeweiligen Abfangdrohne rund 10 bis 20 Abfangdrohnen aufnehmen können. Eine Anbindung an das übergeordnete Luftlagebild soll dabei Aufklärungsreichweite des KDV signifikant erhöhen und zur Voreinweisung der Abfangdrohnen dienen. Die Anbindung an das Luftlagebild kombiniert mit der hohen Beweglichkeit des Fahrzeuges und der Fähigkeit auch während der Fahrt wirken zu können soll die effektive Bekämpfungsreichweite der Abfangdrohnen, abhängig vom Anflugvektor der feindlichen Drohne, maximal ausreizen. Zudem wird es dem System möglich sein, die Abfangdrohne auch während der Flugphase zu steuern.

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Mit der Nutzung des Primäreffektors in Kombination mit der als Urban Drone Defence (UDD) bezeichnete Drohnenabwehrmunition des Fürther Munitionsherstellers RWS sowie der wiederverwendbaren Cicada-Variante mit einer Netznutzlast soll das Kinetic Defence Vehicle auch in Friedenszeiten zum Schutz kritischer Infrastruktur beitragen, ohne dass eine Umgebungsgefährdung durch den Abfangvorgang verursacht wird. Die UDD-Munition soll je nach Variante eine effektive Drohnenbekämpfung gegen Kleinstdrohnen auf Entfernungen von 100 bzw. 300 Metern erlauben, wobei der Gefahrenbereich auf 400 bzw. 1.000m begrenzt ist. Damit ließe sich auch eine kinetische Drohnenabwehr auch im dicht besiedelten Innenstadtbereich realisieren.

Für höher fliegende oder weiter entfernte Drohnen käme die Cicada zum Einsatz. Die Reichweite der Cicada wird von Diehl Defence mit bis zu 5 km angegeben, wobei der Antrieb selbst auch höhere Reichweiten zulässt. Die Beschränkung liegt eher beim Sensor. Wird die Zielaufklärung über einen externen Sensor vorgenommen, kann die Cicada auch Reichweiten signifikant über 5 km erzielen, die genaue Distanz hält der Hersteller jedoch unter Verschluss. Die Steuerung der senkrecht startenden (und auch landenden) Cicada erfolgt über einen gehärteten Up- und Downlink. Sobald die Zieldrohne erreicht wird, schleudert die Cicade der Zieldrohne ein Netz entgegen.

Mobilität

Als Trägerplattform für das hochmobile Kinetic Defence Vehicle kommt der Enok AB der im bayerischen Friedberg ansässigen ACS Armoured Car Systems GmbH zum Einsatz. In der Bundeswehr wird die Plattform derzeit unter der Bezeichnung Caracal für die Luftlandetruppe eingeführt. Erste Serienfahrzeuge sollen nun dem Vernehmen nach 2026 der Truppe zulaufen. Als Generalunternehmen für das Vorhaben fungiert die Rheinmetall.

Die Mercedes-Benz-G-Plattform der Baureihe 464 bietet nicht nur eine hohe Mobilität auf der Straße und im Gelände, in der Variante Enok AB/Caracal ist das Fahrzeug zudem voll auf die Lufttransportfähigkeit – bis hin zur Innen- und Außenlastfähigkeit in schweren Transporthubschraubern – ausgelegt, was die strategische Verlegefähigkeit des KDV erheblich erhöht. Damit eignet sich das hochmobile Drohnenabwehrsystem nicht nur für den Einsatz zum Schutz von Objekten und Räumen im Kriegsfall bzw. in Zeiten hybrider Bedrohungen, es könnte auch zum Schutz eines Evakuierungsverbandes im Rahmen von militärischen Evakuierungsoperationen vor der zukünftig sicherlich zunehmenden Drohnenbedrohung beitragen.

Aufklärung und Wirkung

Die Grundplattform für das Kinetic Defence Vehicle bildet weiterhin ein Backbone von Diehl Defence samt der integrierten Sensorik, welche aus einem Radar des US-Herstellers Echodyne sowie einem optischen Detektionssystem von Diehl besteht. Das Optikpaket besteht aus mehreren Kameras, welche je nach Konfiguration eine passive Detektion von Drohnen in einem Sektor von 120 bis 360 Grad ermöglichen. Die Echtzeitbilder werden permanent ausgewertet und anfliegende Drohnen und Loitering Munition als Kontrast zum Hintergrund erkannt. Einmal aufgeklärt wird mittels des Radars die Fluggeschwindigkeit der Bedrohung ermittelt und so eine entsprechende Vorhaltemarke für die Waffe errechnet.

Im Zuge der EnforceTac 2025 wurde zudem ein weiteres Sensorpaket – bestehend aus dem Kamerasystem Vision Flex von OpenWorks in Verbindung mit dem Radarsystem EchoGuard von Echodyne samt einer Intelligenz (AirScout) von Walaris – auf einem teleskopierbaren Mastsystem von ACS Armoured Car Systems integriert. Mittels des Sensorpakets soll es möglich sein, Drohnen sowohl tagsüber als auch nachts auf eine Entfernung von bis zu 12.000 Metern zu detektieren. Sensorik und Effektorik sollen dem Vernehmen nach über eine Vernetzung verfügen, so dass durch den Sensorturm aufgeklärte Ziele automatisiert an die Waffenstation übergeben werden und diese ohne Zutun des Bedieners auf das Ziel geschwenkt wird. Der Bediener ist dann im Anschluss für die Freigabe des Waffeneinsatzes zuständig.

Die Bekämpfung im Nächstbereich erfolgt mittels einer Maschinenwaffe, die auf der stabilisierten Waffenstation R400 des australischen Herstellers Electro Optic Systems (EOS) – in Europa vertreten durch Diehl Defence – integriert ist. Die Stabilisierung erlaubt es, dass das Fahrzeug auch während der Fahrt Drohnen zielsicher mit der Maschinenwaffe bekämpfen kann. Ein auf der Waffenstation integrierter Wettersensor erhöht die Präzision des Waffeneinsatzes auf weitere Distanzen.

Als primärer Effektor des Anfang 2024 erstmals öffentlich vorgestellten Fahrzeuges diente eine Minigun vom Typ M134D – in der Bundeswehr ist die Waffe als MG6 eingeführt – im Kaliber 7,62 x 51 mm. Diese Lösung bietet eine Bekämpfungsreichweite vor rund 1.000 bis 1.200 Metern.

Mit der Integration der elektrisch angetriebenen Maschinenwaffe vom Typ 503D im Kaliber 12,7 mm x 99 (.50 BMG), hartpunkt berichtete, kann die Bekämpfungsreichweite auf rund 2.000 Meter gesteigert werden.

Waldemar Geiger