Der US-Rüstungskonzern General Atomics plant die rasche Bereitstellung eines europäischen unbemannten Kampfflugzeugs – auch als Collaborative Combat Aircraft (CCA) bezeichnet, das auf einer US-Plattform basiert. Wie das Unternehmen heute mitteilt, soll das CCA in Europa moniert und mit europäischen Missionssystemen ausgestattet werden. Dazu will General Atomics seine unabhängigen US-amerikanischen und deutschen Luft- und Raumfahrttochtergesellschaften zu einem gemeinsamen Team zusammenführen. Erst gestern hatte Airbus Defence and Space angekündigt, bei der Entwicklung von CCA mit dem US-Unternehmen Kratos zusammenarbeiten zu wollen.
Der Mitteilung von General Atomics zufolge basiert das neue Flugzeug auf dem Prototyp YFQ-42A der US-Luftwaffe, der derzeit in Bodentests getestet wird und dessen Erstflug für diesen Sommer geplant ist. Es wurde von General Atomics Aeronautical Systems, Inc. (GA-ASI) in San Diego, Kalifornien, entwickelt und gebaut. Die Anpassung und Fertigung der europäischen Missionssysteme in Europa werde von der deutschen Luft- und Raumfahrttochter von General Atomics, General Atomics Aerotec Systems GmbH (GA-ATS) mit Sitz in Oberpfaffenhofen bei München, unterstützt. Neben General Atomics mit der YFQ-42A befindet sich nur noch das Unternehmen Anduril mit der YFQ-44 im Wettbewerb des CCA-Vorhabens der U.S. Air Force. Rheinmetall hatte vor wenigen Wochen auf der Paris Air Show eine Kooperation mit Anduril, unter anderem bei CCA, angekündigt.
Laut General Atomics soll die Nutzung der Fähigkeiten seiner Luft- und Raumfahrtunternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks einen schnellen Start für die Entwicklung unbemannter Kampfflugzeuge in Europa bieten und einen Weg aufzeigen, um die von den europäischen Nationen festgelegten schnellen Beschaffungsfristen einzuhalten.
„Wir freuen uns darauf, unser Know-how im Bereich unbemannter Flugsysteme mit der Expertise der europäischen Verteidigungsindustrie im Bereich Luftsensoren und Waffensysteme zu kombinieren, beginnend mit unserer eigenen Tochtergesellschaft GA Aerotec Systems GmbH in Deutschland“, wird Linden Blue, CEO von GA-ASI, in der Mitteilung zitiert. „Mit einem bewährten CCA-Design, das bereits heute in Produktion ist, werden diese Systeme in großer Stückzahl mit europäischen High-Tech-Komponenten geliefert, um eine erschwingliche Massenproduktion für die Kampfflugzeuge der NATO aufzubauen und aufrechtzuerhalten.“
GA-ASI ist nach eigenen Angaben der weltweit führende Hersteller von unbemannten Flugsystemen und hat in drei Jahrzehnten mehr als 1.200 Flugzeuge ausgeliefert. Das Unternehmen hat drei Typen von unbemannten Kampfflugzeugen entwickelt, darunter den MQ-20 Avenger (2009) und die XQ-67A Off-Board Sensing Station (2024) der US-Luftwaffe. Der Kampfflugzeugtyp YFQ-42A wurde laut Hersteller auf Basis der XQ-67A in kurzer Zeit entwickelt und soll nur 18 Monate nach seinem Vorgänger fliegen.
GA-ATS ist ein deutsches Unternehmen für Flugzeugbau, Wartung, Reparatur und Überholung. Seit mehr als 40 Jahren werden am Firmensitz Flugzeuge hergestellt und gewartet. Das Unternehmen führt MRO-Arbeiten an NH-90-Hubschraubern für die Bundeswehr durch, baut, wartet und modifiziert das Mehrzweckflugzeug Do-228 und überholt das Turboprop-Triebwerk TPE-331-10, das sowohl in der Do-228 als auch in den unbemannten Flugzeugen MQ-9A/B zum Einsatz kommt.
Ein neues gemeinsames Kampfflugzeug für Europa, das auf der YFQ-42A basiere, werde von diesen bisherigen Erfolgen profitieren, erklärte Blue. Die europäischen Nationen seien für die Vereinigten Staaten und das eigene Unternehmen unverzichtbare und unersetzliche Verbündete.
Lars Hoffmann













