Ukraine privatisiert einen Teil der Drohnenabwehr

Kristóf Nagy

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In der Ukraine ist nach offiziellen Angaben erstmals eine strahlgetriebene Geran-Angriffsdrohne durch ein privates Luftverteidigungsunternehmen abgefangen worden. Dies gaben sowohl das Verteidigungsministerium der Ukraine als auch der Verteidigungsminister persönlich über ihre Social-Media-Kanäle bekannt. Der Abschuss soll bei einer Geschwindigkeit von über 400 km/h im Raum Charkiw erfolgt sein. Interessant in diesem Zusammenhang: Die privatwirtschaftlich organisierten Drohnenabwehreinheiten sind in die Führungsstruktur der eigenen Luftstreitkräfte integriert und sollen teilweise den Schutz kritischer Infrastruktur vor russischen Drohnenangriffen übernehmen.

Nach Darstellung ukrainischer Stellen operieren bereits 19 private Luftverteidigungseinheiten derzeit insbesondere in der Region Charkiw, wo der Abschuss stattgefunden hat. Offenkundig sind diese Unternehmen mit ihren zur Drohnenabwehr genutzten Systemen in der Lage, konventionelle sowie weiterentwickelte Geran-Angriffsdrohnenvarianten erfolgreich zu bekämpfen, wie das vom Ministerium verbreitete Video zeigt. Der nun gemeldete Erfolg betrifft erstmals ein Ziel mit Jet-Antrieb und deutlich erhöhter Geschwindigkeit sowie der damit gesteigerten Abfangkomplexität. In einem nächsten Schritt soll die Anzahl der privatisierten Drohnenabwehrgruppen offenbar ausgeweitet werden, um mehr Ziele abschießen und schneller reagieren zu können. Im Netzt kursierende Videos deuten darauf hin, dass der spezifische Abwehrerfolg mit einer Waffenstation des Typs Sky Sentinel, und nicht mit einer Abfangdrohne, erzielt wurde.

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Die Entwicklung steht im Kontext einer sich verschärfenden Bedrohungslage. Russland setzt neben mit Verbrennungsmotoren und Luftschrauben ausgestatteten Geran-Systemen zunehmend modernisierte Varianten ein, darunter auch Modelle mit Strahltriebwerk. Diese erreichen signifikant höhere Marschgeschwindigkeiten und Flughöhen, was die Bekämpfung mit bestehenden Mitteln erschwert. Berichte über die iranische Shahed-238 beziehungsweise deren russische Derivate gehen von Geschwindigkeiten im Bereich von mehreren Hundert km/h aus. Parallel intensiviert die Ukraine Entwicklungsbemühungen eigener Abfanglösungen. Selbst überaus kostengünstige Abfangdrohnen erreichen inzwischen Geschwindigkeiten von bis zu 400 km/h und sind gezielt für die Bekämpfung der neuen Geran- sowie Shahed-Varianten ausgelegt.

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Vor diesem Hintergrund gewinnt auch der Ansatz eines privatwirtschaftlichen Akteurs zur Drohnenabwehr an Bedeutung. Durch den Aufbau zusätzlicher Kapazitäten außerhalb der regulären Streitkräfte schafft die Ukraine theoretisch eine Dienstleistung, die im Falle von temporären Bedrohungen, wie sie in den letzten Wochen am Persischen Golf abzeichneten, auch als Service für Dritte angeboten werden könnte. Solche Unternehmen könnten insbesondere kritische Infrastruktur schützen und gleichzeitig militärische Flugabwehrsysteme entlasten. Gleichwohl geht die Ukraine nicht auf ein etwaiges Vergütungsmodell ein, bzw. ob es überhaupt ein solches Modell gibt. Theoretisch wäre auch eine Situation denkbar, wo es den Unternehmen nur zum Selbstschutz erlaubt wird, entsprechende Fähigkeiten aufzubauen und temporär zu betreiben. Es ist zudem unklar, ob die privaten Drohnenabwehreinheiten neben kinetisch wirkenden Abwehrsystemen auch über entsprechende Sensornetzwerke verfügen oder ob dieser für die erfolgreiche Drohnenabwehr notwendige Teil durch die Streitkräfte bereitgestellt wird, beispielsweise durch eine Anbindung an die militärische Luftlage.

Kristóf Nagy