Operative Nutzung erst für 2022 erwartet

Am kommenden Montag will die Deutsche Marine in Wilhelmshaven die erste von insgesamt vier Fregatten der Klasse F125, die Baden-Württemberg, in Dienst stellen. Das in erster Linie für Stabilisierungsaufgaben entworfene Schiff wird die erste Fregatte sein, die mit einem Mehrbesatzungskonzept betrieben wird. Aufgrund diverser technischer Probleme mit den Waffensystemen geht das BMVg allerdings davon aus, dass die operative Nutzung der Baden-Württemberg erst 2022 beginnen kann.

Wie es im jüngsten Rüstungsbericht des BMVg heißt, bestehen noch immer  Einschränkungen bei  den Waffenfunktionsketten des Schiffes. Betroffen seien davon das schwere Maschinengewehr, die Flugkörper des Typs RAM in Verbindung mit der Eloka-Anlage sowie das 127mm-Geschütz in Verbindung mit der Munition. Aufgrund dieser Defizite und weiterer „Restpunkte“ werde eine  operative Nutzung und damit die Wahrnehmung von Einsatzaufgaben voraussichtlich erst 2022 möglich sein, schreiben die Autoren des Berichts. Dies dürfte eine Verzögerung von etwa zwei Jahren gegenüber den ursprünglichen Planungen darstellen. Insider gehen jedoch davon aus, dass bestimmte Waffensysteme trotz Einschränkungen genutzt werden können.

Laut Bericht beeinträchtigen die bisherigen Verzögerungen und die Einschränkungen bei den Waffenfunktionsketten den Verfügungsbestand an Fregatten, was die durchhaltefähigen Besetzung der Einsätze und einsatzgleichen Verpflichtungen, aber auch Ausbildungsvorhaben betreffe.

Einsatzausbildungszentrum fehlt

Darüber hinaus wirke sich die Nichtverfügbarkeit des Einsatzausbildungszentrums Fregatte/Einsatzgruppenversorger (EAZ F/ EGV) auch auf die Bordbesatzungen, deren Einsatzausbildung und auf die querschnittliche Ausbildungsunterstützung für MKS180, aller weiteren Fregatten und der EGVs aus, heißt es in dem Bericht weiter.

Nach Aussage eines Sprechers des BMVg sind zum jetzigen Zeitpunkt grundsätzlich vier  Besatzungen auf dem Ausbildungsstand, um sicher am Seeverkehr im Rahmen der Erprobung der Spitzentechnologie teilzunehmen. Die fünfte Besatzung werde gerade aufgestellt und ausgebildet. Das Einsatzausbildungszentrum wird laut Sprecher absehbar ab Anfang der 2020er Jahre, zum Beispiel  mit einem Brückentrainer, kontinuierlich aufwachsen und seine volle Leistungsfähigkeit in den weiteren Jahren erreichen.

„Das Einsatzausbildungszentrum wird auch weiterhin als absolut notwendig erachtet. Denn das Einsatzausbildungszentrum trägt entscheidend dazu bei, dass die Marine unabhängig von der Verfügbarkeit der Schiffe die Ausbildung bis zu einem sehr hohen Level gewährleisten kann“, schreibt er in einer Stellungnahme. „Natürlich haben wir diese Erfahrungen in neueren Rüstungsprojekten wie der Entwicklung der Fregatte MKS-180 mit berücksichtigt. Auch hier ist eine Intensivnutzung durch ein Mehr-Besatzungskonzepts vorgesehen.“ Und daher werde hier selbstverständlich eine adäquate Ausbildung mit verhandelt und auch alle notwendigen Mittel einschließlich eines vergleichbaren Einsatzausbildungszentrums beschafft, so der Sprecher.

Besatzungsstärke deutlich verringert

Das in Wilhelmshaven beheimatete Typ-Schiff der Baden-Württemberg-Klasse soll bis zu zwei Jahre  im Einsatzgebiet ohne planmäßigen Werftaufenthalt verbleiben. Laut Hersteller thyssenkrupp Marine Systems (tkMS) wird diese lange Stehzeit durch hochkomplexe Systeme und rund 28.000 Sensoren ermöglicht.  Dank des hohen Automatisierungsgrads können die Schiffe zudem mit einer Besatzungsstärke von nur 120 Männern und Frauen zur See fahren, während ältere Fregatten der Deutschen Marine fast doppelt so viel Personal benötigen.

Mit den Fregatten der Klasse 125 gewinnt die Marine nach eigener Angabe  die Fähigkeiten zur weitreichenden taktischen Feuerunterstützung von Heereskräften an Land sowie zur Abwehr asymmetrischer Bedrohungen. Mit den vier so genannten Buster-Booten und den Bordhubschraubern verfügt jede Fregatte über umfassende Verbringungsmittel.

Mit den eingeschifften Marinehubschraubern sind die Schiffe zudem in der Lage, in einen U-Jagd-Verbund eingebunden zu werden. Ausgelegt sind die Fregatten für Hubschrauber der NH90-Größe. Durch ihre großzügigen Einschiffungskapazitäten eignen sich die Schiffe auch gut zur Verbandsführung, wie es heißt.

Wie tkMS auf Nachfrage erläuterte, soll das zweite Schiff der F125-Klasse, die Nordrhein-Westfalen, noch im laufenden Jahr an den Kunden übergeben werden. Die Ablieferung der dritten und vierten Fregatte soll innerhalb der kommenden zwei Jahre erfolgen. Gebaut werden die Schiffe von der ARGE F125, die  sich aus thyssenkrupp Marine Systems als dem federführenden Unternehmen und der Bremer Fr. Lürssen Werft zusammensetzt.
lah/13.6.2019