Neue A400M-Transportflugzeuge für die Luftwaffe im Gespräch

Lars Hoffmann

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Mitte vergangenen Monats hat die Luftwaffe den letzten der bestellten 53 Transportflieger des Typs A400M erhalten, der aus dem spanischen Sevilla nach Wunstorf überführt wurde. Das Flugzeug, das zunächst mit „Kinderkrankheiten“ und Verzögerungen zu kämpfen gehabt habe, bilde mittlerweile das Rückgrat des deutschen Lufttransports, schreibt die Luftwaffe anlässlich der Übergabe in einer Mitteilung.

Die A400M sei mehr als ein Transportflugzeug. Sie trage bis zu 37 Tonnen Fracht über rund 3.300 Kilometer ohne Tankstopp, könne andere Flugzeuge in der Luft betanken, Fallschirmjäger absetzen, Schwerverletzte als fliegende Intensivstation ausfliegen und, wenn es die Lage verlange, auf unbefestigten Pisten landen, heißt es weiter.

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Wie hartpunkt nun aus gut informierten Kreisen erfahren hat, könnte die Luftwaffe nach der Auslieferung der 53. Maschine womöglich weitere A400M erhalten. Dem Vernehmen nach laufen dazu Gespräche zwischen dem Hersteller Airbus Defence and Space und der Amtsseite. Dabei soll es um eine Anzahl zwischen 10 und 20 Flugzeugen gehen.

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„Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu Gesprächen mit Kunden, die wir möglicherweise führen oder auch nicht“, teilte dazu ein Airbus-Sprecher auf Nachfrage mit. Das Verteidigungsministerium wollte sich ebenfalls nicht zu einer möglichen Beschaffung äußern.

Beobachter gehen davon aus, dass es sich bei der Neubestellung um die modernste Variante der A400M für den taktischen Einsatz mit den damit verbundenen Rüstsätzen handelt. Ein solches Flugzeug ist mit diversen Schutzkomponenten ausgestattet, die in einem Konflikt einen großen Mehrwert bieten würden. Presseberichten zufolge sollten bislang nur 37 A400M auf den taktisch modernsten Rüststand sein oder aufgerüstet werden.

Für die Luftwaffe hätte die Beschaffung den Vorteil, dass sie moderne Maschinen mit Schutzausstattung erhielte, die noch nicht abgeflogen sind. Im Augenblick wird offenbar darüber diskutiert, dass bei einer Neubeschaffung Maschinen aus den ersten Losen auf dem internationalen Markt verkauft werden könnten. Vor dem Hintergrund der Bedrohungslage und einer zu erwartenden Abnutzung im Kriegsfall stellt sich die Frage, ob es nicht zweckmäßiger wäre, auf einen größeren Flugzeugbestand zurückgreifen zu können.

Gegenwärtig arbeitet Airbus überdies daran, das Flugzeug weiterzuentwickeln, etwa als Träger für Lenkwaffen großer Reichweite. Mit einem Kunden, dessen Namen nicht genannt werden könne, entwickele Airbus das „A400M Mothership“, das bis zu 50 mittelgroße Drohnen oder bis zu zwölf Marschflugkörper von der Größe eines Taurus mitführen und aussetzen könne, teilte dazu ein Sprecher des Unternehmens vor wenigen Wochen mit, hartpunkt berichtete. Beobachter gehen davon aus, dass es sich bei dem Kunden um die Bundeswehr handelt. Den Einsatz der A400M als Waffenträger könnte deshalb womöglich zusätzliche Maschinen erfordern.

Um die eigene Verwundbarkeit zu reduzieren, halten es Beobachter für sinnvoll, nicht die gesamte deutsche A400M-Flotte konzentriert auf dem Fliegerhorst Wunstorf zu stationieren. Solche Überlegungen sind nicht neu. Bereits in der Vergangenheit hatte es Planungen gegeben, den Flugplatz Lechfeld zu reaktivieren und dort zusammen mit anderen Nationen eine Multinational Air Transport Unit (MNAU) einzurichten. Da sich dafür seinerzeit allerdings keine Interessenten fanden, wurde das Vorhaben 2022 kurz vor der russischen Vollinvasion in die Ukraine abgesagt.

Sollte die Bundeswehr tatsächlich neue A400M bei Airbus ordern, könnte das Unternehmen seine Produktion, bei der aufgrund fehlender Aufträge immer wieder die Gefahr des Auslaufens bestand, deutlich länger auslasten. Würden beispielsweise 16 Maschinen bestellt, könnten damit die Fertigungslinien für zwei Jahre ausgelastet werden.  

Laut Airbus ist die A400M-Produktion nach augenblicklichem Stand nur bis 2029 gesichert. „Wir arbeiten an der Gewinnung neuer Kunden und Folgebestellungen bestehender Kunden. Einige dieser Kampagnen sind in entscheidenden Phasen, weswegen wir dazu momentan nicht mehr sagen können“, teilte der Airbus-Sprecher dazu mit.

Da es sich bei der Maschine um das einzige große Transportflugzeug handelt, das in Europa gebaut wird, dürfte auch das Verteidigungsministerium ein strategisches Interesse an der Aufrechterhaltung der Kapazitäten haben. Wie aus Kreisen des Bundestages zu vernehmen ist, würde eine 25-Millionen-Euro-Vorlage für neue Transportflieger nicht auf den Widerstand der Parlamentarier stoßen.

Im Falle einer Bestellung wäre Deutschland dann mit Abstand die größte Kundennation der A400M. Die anderen beiden großen Programm-Partner Frankreich und Spanien liegen dahinter. So hat nach Airbus-Angaben Frankreich insgesamt 50 A400M bestellt, von denen 25 bereits ausgeliefert sind, während Spanien 27 Maschinen bestellt hat, von denen 14 bereits ausgeliefert sind.

An der A400M zeigt sich sich die Problematik von europäischen Rüstungsprogrammen, bei denen Produktionsanteile auf die teilnehmenden Nationen nach geplanten Bestellmengen vergeben werden. Wenn ein Land mehr Maschinen als geplant abnimmt, profitiert davon die heimische Wirtschaft nicht proportional, da die Wertschöpfungsanteile der beteiligten Unternehmen kaum noch anzupassen sind.

Lars Hoffmann