Modernisierung F124: Hensoldt liefert erstes Weitbereichsradar – weiterer Fortgang ungewiss

Lars Hoffmann

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Der deutsche Sensorhersteller Hensoldt hat nach eigenen Angaben im Projekt zur Obsoleszenzbeseitigung des Weitbereichssensors auf den Schiffen der Sachsen-Klasse F124 – dabei handelt es sich um den Ersatz des Radars Smart-L Multi Mission (MM) – das erste Radarsystem für die Marinetechnikschule in Parow angeliefert. Wie aus einer Hensoldt-Mitteilung hervorgeht, die vor einigen Tagen veröffentlicht wurde, soll das System in Parow als Test-, Referenz- und Ausbildungsanlage genutzt werden.

Diese Landanlange ermögliche nicht nur die Ausbildung von Nutzern und Servicetechnikern, sondern auch die Erprobung von Weiterentwicklungen, schreibt das Unternehmen. „Die Installation des ersten Weitbereichssensors in der Marinetechnikschule in Parow ist ein wichtiger Schritt im Projekt“, wird Markus Rothmaier, Leiter Naval & Ground Radars bei Hensoldt, in der Mitteilung zitiert. Die Radare bieten seinen Angaben zufolge Höchstleistungen in der Luftraumüberwachung. „Es handelt sich um eines der leistungsfähigsten Radarsysteme, das bisher in Deutschland beschafft wurde. Es kann nicht nur auf Schiffen, sondern auch an Land eingesetzt werden“, so Rothmaier.

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Das Projekt zur Lieferung von insgesamt drei Weitbereichsradaren TRS-4D LR für die Fregatte F124 und einer Anlage für die Marinetechnikschule in Parow startete im Jahr 2021. Zu diesem Zweck ist Hensoldt eine strategische Kooperation mit der IAI-Tochter ELTA Systems Ltd. eingegangen. Mit diesen S-Band-Radaren soll die Marine erstmalig Fähigkeiten im Bereich ballistischer Raketenabwehr (Ballistic Missile Defence – BMD) erhalten.

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Gut informierten Kreisen zufolge ist jedoch keineswegs gesichert, dass es tatsächlich zur Einrüstung der ausstehenden drei Radare in die Fregatten der Klasse 124 kommt. Offenbar gilt die Integration der Sensoren in das bestehende Führungs- und Waffeneinsatzsystem als sehr herausfordernd und damit zeitintensiv. Diese könnte zu langen Liegezeiten führen, während der die Schiffe nicht zur Verfügung stehen. Vor dem Hintergrund der russischen Bedrohung, der laufenden Modernisierung der Fregatten der Klasse 123 sowie der mangelhaften Bewaffnung der F125 müsste die Marine dann womöglich für lange Zeit auf ihre kampfkräftigsten Schiffe verzichten.

Das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw wollte vor einigen Wochen auf Anfrage von hartpunkt zum damaligen Zeitpunkt nicht bestätigen, dass der Einbau der Radare auf den Schiffen der Klasse F124 abgesagt wird. „Die erforderlichen Maßnahmen zum Erhalt der Einsatzreife für die Fregatten F124 wurden eng mit der Marine abgestimmt und richten sich an der notwendigen operativen Verfügbarkeit auf Grundlage der bestehenden Bedrohungslage aus“, teilte eine Sprecherin des BAAINBw damals mit. Dem Vernehmen nach wurde auch die Industrie bis heute nicht über Veränderungen im Programm informiert. Dennoch rechnen Beobachter nicht mehr mit einem Einbau.

Sollte tatsächlich von einer Integration der TRS-4D LR in die Fregatten abgesehen werden, stellt sich die Frage nach der Verwendung der Sensoren. Eine Option könnte sein, die Radare der Luftwaffe zur Nutzung zu übergeben.

Denn wie Hensoldt in der Mitteilung schreibt, hat das Sensorhaus neben dem Projekt für die Deutsche Marine auch den Auftrag für die Modernisierung der landgestützten Luftraumüberwachung im Programm Hughes Air Defence Radar Nachfolge (HADR NF) für die Luftwaffe erhalten. Hier werden die weitgehend baugleichen Radarsysteme TRL-4D LR eingesetzt, die ebenfalls in Kooperation mit der IAI-Tochter ELTA hergestellt werden.

Laut Hensoldt ergeben daraus sich für den Kunden Vorteile bei der logistischen Versorgung und damit dem langfristigen Betrieb der Systeme. Weiterentwicklungen könnten querschnittlich genutzt und damit kostengünstiger eingeführt werden. In beiden Projekten agiert Hensoldt als Auftragnehmer und fertigt die Sende- und Empfangsmodule, wodurch eine Bereitstellung der Komponenten in Deutschland sichergestellt werde.

Lars Hoffmann