Das chinesische Technologieunternehmen Unitree Robotics hat am Mittwoch mit dem H2-X, Beiname „Kung Fu Legend Guardian“, eine erste „Kampfroboter-Variante“ seiner humanoiden H2-Roboterfamilie vorgestellt. Die angepriesenen Fähigkeiten sollten jedoch kritisch hinterfragt werden.
In einem veröffentlichten Promo-Video wird der Kampfroboter mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert, die er erfolgreich im Nahkampf bewältigen muss. Vieles in dem Video deutet jedoch eher auf eine starke Inszenierung als auf tatsächliche autonome Kampffähigkeiten des Kampfroboters hin. Im gezeigten Video ist der als „Schutzroboter“ beworbene H2-X in der Lage, von vier Meter Höhe zu springen, Autotüren mit Tritten und Schlägen einzubeulen sowie einen Angriff einer mit einem Messer bewaffneten Person abzuwehren. Das System soll auf der H2-Baureihe beruhen, die eine Höhe von etwa 1,8 m aufweist und rund 70 kg wiegt. Unitree gibt die Ausdauer des Kung Fu Legend Guardian mit acht Stunden an.
Angaben zu Preis und Verfügbarkeit des Kampfroboters hat das Unternehmen nicht bekannt gegeben. Es ist zudem unklar, ob die im veröffentlichten Video zu sehenden Manöver auf Basis einer Choreografie ausgeführt wurden oder ob das System autonom gekämpft hat.
Auch wurde nicht offengelegt, ob der H2-X in der Lage ist, Bedrohungen selbstständig zu erkennen und in unbekannter Umgebung sowie unklarer Lage sicher und taktisch angepasst zu agieren. Sowohl der Disclaimer am Schluss sowie die Schnitte in dem Video, beispielsweise beim „Kampf“ gegen den Messerträger, werden als starke Indizien für eine Inszenierung aufgefasst.
Humanoide Roboter werden aktuell von unterschiedlichen westlichen sowie asiatischen Unternehmen entwickelt. Insbesondere in den letzten beiden Jahren wurden dabei signifikante Fortschritte erzielt. Beobachter der Technologie gehen davon aus, dass bald erste Systeme verfügbar sein werden, die in bestimmten Einsatzgebieten zur Verrichtung einfacher Aufgaben geeignet sind. Für den Einsatz auf dem Gefechtsfeld sind diese Systeme aktuell aber nicht geeignet. Der Grund dafür dürfte weniger in der Hardware als in der Software liegen. So ist die Hardware heute schon in der Lage, viele, wenn auch bei Weitem nicht alle im militärischen Alltag auftretenden Herausforderungen erfolgreich zu meistern. Was fehlt, ist die Fähigkeit, eine Situation in Echtzeit militärisch sinnvoll zu beurteilen und taktisch adäquat zu handeln. Hierfür müssten die Systeme mit deutlich leistungsfähigeren KI-Modellen ausgestattet sowie entsprechend trainiert werden.
Ob ein solcher Kampfroboter beispielsweise einen menschlichen Infanteristen oder Aufklärungssoldaten – nur um zwei komplexere und besonders vielseitige Tätigkeitsprofile in den Streitkräften anzusprechen – ersetzen kann, und wann, steht also in den Sternen. Deutlich strukturiertere und somit „einfachere“ Tätigkeiten wie das Aufmunitionieren einer Panzerhaubitze mit Artilleriemunition dürften solche Roboter hingegen bereits in Kürze zuverlässig ausführen können. Damit wären die Systeme jedoch noch lange nicht in der Lage, einen Artilleristen zu ersetzen, sondern könnten diesen nur von bestimmten Tätigkeiten befreien.
Waldemar Geiger
















