Jagdbomberdrohne: Aus Dreikampf wird Vierkampf

Lars Hoffmann

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Bisher galten Airbus Defence and Space sowie Kratos mit der XQ-58 Valkyrie, Boeing und Rheinmetall mit der MQ-28A Ghost Bat sowie Helsing mit der CA-1KA (Kinetic Attack) in Fachkreisen als die drei gesetzten Kandidaten bei der Auswahl einer zukünftigen Jagdbomberdrohne der Bundeswehr. Jetzt ist jedoch offenbar ein vierter heißer Anwärter hinzugekommen: Das US-Unternehmen General Atomics Aeronautical Systems (GA-ASI) mit der Gambit 6.

GA-ASI hatte schon früh Interesse an dem Wettbewerb um die neue Drohne mit ihren Fähigkeiten für den Luft-Boden-Einsatz gezeigt. Aufgrund der Beteilung der Gambit 6 an einem Programm für neue Collaborative Combat Aircraft (CCA) der U.S. Air Force wurden Details zu dem unbemannten Flugzeug bislang jedoch eingestuft. Damit war es GA-ASI untersagt, tiefergehende Informationen an die deutschen Beschaffungsbehörden zu übermitteln, weshalb die Maschine offenbar nicht weiter betrachtet wurde.

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Diese Situation hat sich jedoch mittlerweile geändert. Bereits im Vorfeld der Luftfahrausstellung ILA in Berlin haben die US-Behörden offenbar die Geheimhaltungsauflagen für das CCA-Vorhaben gelockert. Einem Bericht von Aviationweek zufolge erwartet GA-ASI nun die Exportlizenz zum Weitergeben von Informationen über die Gambit 6 an ausgewählte Kunden. GA-ASI bestätigte die Informationen auf Nachfrage von hartpunkt.

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Damit dürfte ein Player mit langjähriger Erfahrung in der Entwicklung und Nutzung von unbemannten Flugzeugen in den Wettbewerb um die Jagdbomberdrohne eintreten. Die Gambit 6 verfügt laut Hersteller über Stealth-Eigenschaften und einen internen Waffenschacht.

Gegenwärtig ist noch nicht ganz klar, wie der Wettbewerb um die Jagdbomberdrohne weitergeht. Bei der Einführung von Loitering Munition hat das Bundeswehr-Beschaffungsamt einen innovativen Ansatz verfolgt, bei dem nach umfangreichen Tests an insgesamt drei Unternehmen Anfangsaufträge vergeben wurden. Erst wenn sich die beschafften Systeme in der Praxis bewähren, würde eine größere Folgebeauftragung ausgelöst.

Beobachter wollen nicht ausschließen, dass ein solches Vorgehen auch bei der Jagdbomberdrohne gewählt werden könnte. Dabei könnte dann womöglich mehr als ein Anbieter den Zuschlag erhalten. Der positive Nebeneffekt: Die Bundeswehr bindet sich nicht auf Gedeih und Verderb an einen einzelnen Anbieter. Ohnehin wird in Fachkreisen davon ausgegangen, dass die Jagdbomberdrohne lediglich den Einstieg in die neue Technologie darstellt. Weitere unbmannte Flugzeuge verschiedener Klassen und Fähigkeitskategorien dürften folgen. So entwickelt Airbus beispielsweise auf eigene Kosten dass CCA Ravenstorm, dessen Konzept auf der ILA ausgestellt wird.

GA-ASI selbst verfügt bereits über einen großen industriellen „Fußabdruck“ hierzulande und baut in Deutschland die Do228 NXT. Auf der ILA unterschrieb das Unternehmen gestern mit der INTEC Group ein Memorandum of Understanding (MoU), wonach INTEC die Architektur und Integration von Missionssystemen, die Indienststellung sowie logistische Unterstützungsleistungen für die Gambit-Serie erbringen soll. Die Zusammenarbeit ziele darauf ab, souveräne Fähigkeiten bereitzustellen, teilte das Unternehmen mit.

GA-ASI führt nach eigenen Angaben derzeit Flugtests mit dem CCA YFQ-42A für die US-Luftwaffe durch und wurde vom U.S. Marine Corps für dessen CCA-Bewertungsprogramm ausgewählt.

Lars Hoffmann