Die Deutsche Marine will mit der Einführung des kanadischen Führungs- und Waffeneinsatzsystems (FüWES) CMS 330 den Wildwuchs in diesem Bereich beenden und ein querschnittliches System für die Flotte einführen. Dazu wurde in der vergangenen Woche eine Regierungsvereinbarung zwischen Deutschland und Kanada geschlossen. Die deutsche Seite bezifferte die Kosten für die Einführung und langjährige Nutzung auf mehr als eine Milliarde Euro.
Für die Deutsche Marine und den Hersteller des CMS 330, Lockheed Martin Canada, wird es in Zukunft auch darum gehen, Sensoren und Effektoren in das neue FüWES zu integrieren, die von der Bundeswehr genutzt werden aber noch nicht in dem System abgebildet sind.
Glenn Copeland, General Manager Lockheed Martin Canada, geht davon aus, dass als erstes die Fregatten der Klasse 125 das neue FüWES erhalten. Diese hinsichtlich iher Luftverteidigung mangelhaft ausgerüsteten Schiffe werden voraussichtlich auch mit Boden-Luft-Flugkörpern des Typs Iris-T SLM ausgestattet, nachdem kürzlich ein Testschießen mit diesem Flugkörper vor Norwegen erfolgreich verlaufen ist. Um die volle Funktionalität zu erreichen, ist es erforderlich, die Iris-T SLM in das CMS 330 zu integrieren.
Nach Einschätzung von Copeland wird diese Integration keine Schwierigkeit darstellen. „Zufälligerweise haben wir in den vergangenen anderthalb Jahren viel Arbeit investiert, um zu sehen, wie dieses Raketensystem mit CMS 330 zusammenarbeitet. Und es hat geklappt“, so der Manager. So sei eine vollständige Simulation eines Iris-T-Schießens in den eigenen Entwicklungslabors dargestellt worde. Der Test sei „zur vollsten Zufriedenheit“ verlaufen, sagte Copeland vergangene Woche in einem Gespräch mit hartpunkt.
Wie der Manager weiter ausführte, fand die Simulation im Rahmen eines anderen Vorhabens statt. So arbeite Lockheed Martin Canada gegenwärtig daran, das für den Einsatz auf Schiffen entwickelte CMS 330 auch für Luftverteidigungslösungen an Land zu modifizieren, wobei Diehl Defence als ein Partner fungiert. So plane das kanadische Verteidigungsministerium, die bodengebundene Luftverteidigung in den kommenden Jahren zu modernisieren und dabei möglichst auf nationale Komponenten zurückzugreifen, erläuterte Copeland. Da Kanadas Regierung die intellektuellen Kern-Eigentumsrechte am CMS 330 hält, kommt dieses laut Copeland hinsichtlich Effektoren und Sensoren agnostische Führungssystem auch für die Luftverteidigung an Land in Frage. Möglicherweise könnten dann für eine kanadische Lösung auch die Iris-T SLM und ein Radar von Hensoldt eingebunden werden.
Hensoldt – und hier insbesondere der ehemalige ESG-Bereich – ist auch im deutschen CMS-330-Projekt bereits Partner von Lockheed Martin Canada. So soll Hensoldt als lokaler Service-Provider und Schnittstelle zur deutschen Amtsseite fungieren. Das Unternehmen unter anderem das Training für Marineangehörige übernehmen.
Laut dem Manager von Lockheed Martin hat die kanadische Regierung über eine Milliarde Dollar in das CMS 330 und dessen Vorgängerversion CCS 330 investiert. Deutschland werde sogar eine etwas modernere Version mit gemeinsamem Kern erhalten, um die Einheitlichkeit der Flotte und eine höhere Kosteneffizienz zu gewährleisten.
Vorgesehen ist das FüWES auch als zweites System unterhalb des auf die Luftverteidigung besonders spezialisierten Systems AEGIS von Lockheed Martin USA in den zukünftigen Fregatten der Klasse 127. Wie Copeland erläutert, wurde der Vertrag für die Beschaffung und Nutzung des CMS 330 zwischen dem BAAINBw und der Canadian Commercial Cooperation (CCC) geschlossen, die wiederum Lockheed Martin Canada beauftragt hat.
Seiner Aussage zufolge geht es jetzt im ersten Schritt in den kommenden 12 bis 18 Monaten darum, die Basis für die Nutzung des CMS 330 in Deutschland zu legen, was unter anderem die Erstellung von umfassenden technischen Dokumenten beinhaltet. In diesem Zusammenhang wurden bereits 48 Aufgaben identifiziert, von denen 42 als geeignete Kandidaten für den Beginn des Prozesses angesehen werden.
Ab dem Jahr 2028 sind offenbar die ersten Maßnahmen zur Einrüstung des CMS 330 auf ausgewählten Schiffen und Booten vorgesehen. Nach Einschätzung von Copeland eine herausfordernde aber machbare Zeitplanung. „In Chile haben wir die Umrüstung der ehemaligen britischen Schiffe der Duke-Klasse auf das CMS 330 in weniger als 24 Monaten abgeschlossen, wobei die Subsysteme innerhalb dieses Zeitraums installiert und in Betrieb genommen wurden“, betont er.
Lars Hoffmann


















