Hellbender UL – Prämiere des neuen „ultraleichten“ Gefechtshelmes von Galvion erfolgt in Deutschland

Waldemar Geiger

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Der kanadische Helmspezialist Galvion, der zusammen mit seinem ehemaligen Partner Rheinmetall den Galvion Viper P2 als aktuellen Standardgefechtshelm der Bundeswehr geliefert hat, wird Ende Februar in Nürnberg im Rahmen der Enforce Tac zum ersten Mal den neuen, rund 20 Prozent leichteren Gefechtshelm Hellbender UL – das UL steht für ultraleicht – öffentlich zeigen. In einem Gespräch mit Jonathan Blanshay, Gründer und Chairman von Galvion, hatte hartpunkt die Gelegenheit, im Vorfeld erste technische Details zu dem Helm zu bekommen sowie sich über weitere Besonderheiten des Helmes auszutauschen.

Soviel vorweg: Die Mid/Full-Cut-Variante des Helms wiegt in der mittleren Größe nur 1,1 Kilogramm und ist damit 270 Gramm leichter als der derzeitige Viper-P2-Gefechtshelm der Bundeswehr im gleichen Schnitt und bei gleicher Größe. Diese Gewichtsersparnis mag nach wenig klingen, entspricht jedoch rund der Hälfte des Gewichts einer Nachtsichtbrille. Sie trägt daher maßgeblich zu einem besseren Tragekomfort und einer geringeren Nackenbelastung sowie Ermattung des Trägers bei.

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Blanshay zufolge hat Galvion die vergangenen fünf Jahre an dem neuen Helm gearbeitet und dabei viel Nutzerfeedback in das neue Design einfließen lassen – der Hellbender-Helm ist u. a. der Standardgefechtshelm der israelischen Streitkräfte und zukünftig auch des U.S. Marine Corps. Das Ergebnis ist nicht nur rund 20 Prozent Gewichtsersparnis bei gleichzeitig größeren Schutzabdeckung des Kopfes aufgrund einer optimierten Helmschalengeometrie, sondern auch ein neues Design der Innenausstattung für zusätzlichen Tragekomfort und einer besseren Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Kopfgrößen und -formen.

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Technische Angaben des Hellbender UL gemäß Galvion
(leichte Abweichungen im Zuge der weiteren Entwicklung möglich)
GrößeSmallMediumLargeX-Large
Umfang< 570 mm540 bis 590 mm560 bis 615 mm590 bis 650 mm
Systemgewicht Mid/Full Cut1,06 kg1,10 kg1,15 kg1,28 kg
Systemgewicht High Cut1,0 kg1,04 kg1,09 kg1,21 kg
Systemgewicht (nominal) beinhaltet lackierte Helmschale, Shroud, Rails und Apex-Innenausstattung

Um diese Leistung zu erreichen, wurde bei der Produktion der Helmschale unter anderem auf ein besonders leichtes Material zurückgegriffen – eine neue Mischung aus Polyethylen und weiteren Materialien, die mit innovativen Fertigungstechniken verarbeitet wird. „Wir gehen davon aus, dass der Hellbender HL das beste Verhältnis in punkto Gewicht zu Schutzleistung seiner Klasse aufweist“, erklärt Blanshay. Seiner Angabe nach hält der aus Polyethylen gefertigte Helm einem V50-Splitterbeschuss (1.1g FSP) mit 850 m/s stand. Zudem erfüllt er  nach Aussage von Galvion mit Leichtigkeit  die Anforderung der NIJ 0106.01 / NIJ 0101.06 IIIA. Die ballistische Halteleistung wurde dem Galvion-Chairman zufolge durch unabhängige Beschussinstitute in den Vereinigten Staaten bestätigt. Weitere unabhängige Tests in der Europäischen Union soll in  Kürze folgen. Man sei zuversichtlich, dass der neue Helm sogar in einem Maß vor Beschuss schützt, das über die üblichen Spezifikationen und Produktanforderungen hinausgeht. Das Kopfschutzsystem ist voll salzwasserbeständig und im Temperaturband von minus 51°C bis plus 71°C einsetzbar. „Der Helm hat die meisten Tests durchlaufen, die wir jemals bei einem Produkt durchgeführt haben“, so der Galvion-Gründer, dessen Unternehmen seit fast 25 Jahren militärische Kopfschutzsysteme entwickelt und an zahlreiche NATO-Länder liefert. Neben der Bundeswehr, zählen unter anderem auch die kanadischen, britischen, dänischen, niederländischen, schwedischen, norwegischen, israelischen Streitkräfte sowie das US-amerikanische U.S. Marine Corps zu den Kunden des kanadischen Herstellers, der seine Helme stets nach Reptilien oder Amphibien benennt. Der Name Hellbender steht beispielsweise für einen in Nordamerika beheimateten Riesensalamander, der im Deutschen Schlammteufel genannt wird.

Helmschnitte des Gefechtshelmes Hellbender UL von Galvion
Bild: Galvion

Die Einsatzerfahrungen der US-Marineinfanterie sowie der israelischen Streitkräfte (IDF), die beide die klassische Hellbender-Variante als Standardgefechtshelm eingeführt haben, haben Blanshays Angabe nach neben dem Einsatz eines neuen Materials maßgeblich zur Weiterentwicklung und Verbesserung des Helmsystems beigetragen. So hätten beispielsweise aktuelle Einsatzerfahrungen die Nackenpartie – zwischen Helmschale und Weste – als eine mögliche Schwachstelle aufgezeigt. Daraufhin haben die kanadischen Entwickler eine neue Helmschalengeometrie designt, die eine größere Nackenfläche abdeckt, ohne jedoch die Beweglichkeit des Kopfes einzuschränken.

Den Hellbender HL hat der kanadische Mittelständer gemäß seinem Chairman für den europäischen Markt entwickelt. Darauf angesprochen, ob Galvion das Hellbender HL-Kopfschutzsystem – zu dem neben dem Helm auch ein passendes Visier und ein Kinnschutz angeboten werden – auch im Rahmen der aktuell laufenden Bundeswehrausschreibung anbietet, wollte Blanshay keinen Kommentar abgeben. Gleichwohl erklärte er, dass interessierte Bundeswehrwehrsoldaten herzlich eingeladen sind, den Helm bei seiner Weltpremiere in Nürnberg am eigenen Leib auszuprobieren und sich selbst von dem Tragekomfort und dem geringen Gewicht zu überzeugen.

Für den angesprochenen hohen Tragekomfort sorgt die neue als „Apex“ bezeichnete Innenausstattung, die sich aus einem Liner für die Stoßdämpfung (erfüllt die Arbeitsschutznorm EN397) sowie einem Pads-basierten Komfort-Liner zur Verhinderung von Druck- und Scheuerstellen und einem Gurt-/Haltebandsystem zusammensetzt. Mit den vier Helmgrößen sowie dem Gurt-/Haltebandsystem ist man dem Galvion-Gründer zufolge in der Lage, 99 Prozent aller Kopfgrößen und Formen passgenau zu bedienen. „Der Helm kann zudem mit allen gängigen Nachtsichtbrillen, Gehörschutz- bzw. Sprechsatzsystemen sowie ABC-Schutzmasken mittels der vorhandenen Schnittstellen kombiniert werden“, führt Blanshay abschließend aus.

Weitere relevante Merkmale des Helmes sind eine Reparatur- und Aufbereitungsfähigkeit, die Galvion eigenen Angaben zufolge für einige Kunden bereits für die aktuelle Helmgeneration durchführt.

Waldemar Geiger