Elbit Systems plant deutlichen Kapazitätsaufbau in Deutschland

Lars Hoffmann

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Das Verteidigungsunternehmen Elbit Systems Deutschland will in den kommenden Jahren sein Engagement in Deutschland massiv erweitern und bereitet den Kauf weiterer Liegenschaften und einen Aufwuchs des Personalbestandes vor. „Im Augenblick rechnen wir damit, dass unser Personalstand perspektivisch auf ein Vielfaches der aktuellen Zahl anwachsen wird“, sagt Marian Rachow, CEO von Elbit Systems Deutschland, am Rande der Messe Enforce Tac in Nürnberg. Wie er weiter ausführt, könnte sein Unternehmen womöglich bis zu fünf neue Standorte eröffnen. Rachow geht davon aus, dass es sich voraussichtlich um die Umnutzung bestehender Liegenschaften oder um Greenfield-Projekte handeln wird.

Es sei die Strategie seines Unternehmens, die gesamte Wertschöpfung für ein Produkt im Kundenland anzusiedeln, betont er. Dies habe man bereits mit dem Soldatenfunkgerät für das Vorhaben Digitalisierung landbasierter Operationen (D-LBO) demonstriert, wo seit Ende vergangenen Jahres nach Aussage des Elbit-Geschäftsführers neben der Fertigung auch die gesamte Zulieferkette in Deutschland funktioniert.

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Einen starken Impuls für das Deutschland-Geschäft verspricht sich Elbit Systems Deutschland vom Raketenartilleriesystem EuroPULS, das für die Bundeswehr beschafft werden soll. Gut informierten Kreisen zufolge hat das Heer einen Bedarf von 250 Systemen plus der dazugehörigen Munition. Wie bei anderen deutschen Rüstungsprojekten könnte das Vorhaben so ausgestaltet werden, dass auch andere Nationen in den Vertrag einsteigen können. Dann würde gegebenenfalls ein zusätzlicher dreistelliger Bedarf dazukommen.

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„Wir wollen Deutschland zu einem Technologie-Hub für EuroPULS machen“, sagt Rachow. Elbit Systems Deutschland befindet sich nach eigenen Angaben in Gesprächen mit Partnern hierzulande, dabei dürfte Diehl Defence bereits als gesetzt gelten. Beim Werfer und der Integration in das Artillerieführungssystem ADLER bringt sich KNDS Deutschland bereits ein. Dem Vernehmen nach will Elbit bei einer späteren Fertigung der Raketen für das EuroPULS-System in Deutschland einen wertigen Produktionsanteil übernehmen.

Nach Aussage von Rachow handelt es sich bei EuroPULS um eine risikofreie Lösung, die schnell bereitgestellt werden könne, da das gesamte Know-how im Elbit-Konzern vorhanden sei. Nach Einschätzung von Beobachtern hat die Bundeswehr unter anderem einen Bedarf für die Rakete Extra mit einer Reichweite von 150 Kilometern. Damit könnte die Abstandsfähigkeit des Heeres gegenüber dem gegenwärtig betriebenen System MARS, dessen maximale Reichweite mit eingeführter Munition bei 84 Kilometern liegt, deutlich gesteigert werden. Perspektivisch sollen noch größere Reichweiten dazukommen, wie beispielsweise der Predator Hawk für bis zu 300 km. Darüber hinaus arbeitet MBDA Deutschland an einer Joint Fire Support Missile, die auch in EuroPULS integriert werden könnte.

Elbit Systems hat überdies die Loitering Munition mit der Bezeichnung SkyStriker im Portfolio, die in Zukunft auch mit einer EuroPULS-Rakete verschossen werden soll und dann erst tief im feindlichen Hinterland zum Einsatz kommt. Der Vorteil: Die Loitering Munition muss nicht erst gegenerische Luftverteidigungsriegel durchfliegen und hat im Einsatzgebiet deutlich mehr Treibstoff zur Verfügung, was sich in Operationszeit übersetzt.

Neben der Raketenartillerie sieht Elbit Systems auch für sein aktives Schutzsystem (Active Protection System; APS) für gepanzerte Fahrzeuge mit der Bezeichnung Iron Fist Potenzial in Deutschland. Die Vorteile des APS liegen laut Hersteller in dem im Vergleich zu anderen Systemen geringen Gewicht von rund 500 kg, der Abwehrmöglichkeit selbst von extrem schnellen kinetisch wirkenden Wuchtgeschossen und den geringen Kosten für den eingesetzten Interceptor. So könnte Iron Fist nach Angaben des Unternehmens selbst auf Fahrzeugen wie dem Boxer oder dem Dingo eingesetzt werden. Laut Elbit ist Iron Fist überdies in der Lage, Drohnen und Loitering Munition zu bekämpfen. Zur Detektion und Feuerleitung wird dem Hersteller zufolge ein kombiniertes System aus Radar- und elektrooptischen Sensoren eingesetzt. Typischerweise verfügt ein mit Iron Fist ausgerüstetes Fahrzeug über zwei schwenkbare Werfer, die jeweils zwei Wirkkörper enthalten. Wird ein anfliegendes Projektil entdeckt, löst das System den Ausstoß des Wirkkörpers aus, der vor dem angegriffenen Fahrzeug umsetzt und dadurch das Projektil zerstört oder ablenkt.

Das Unternehmen verfügt als einer der drei großen israelischen Rüstungskonzerne auch über zahlreiche Produkte im Marine-Segment, von denen einige auch der Deutschen Marine angeboten werden. Dazu hat das Unternehmen erst im Sommer vergangenen Jahres einen neuen Standort in Norddeutschland eröffnet.

Insbesondere im Bereich des Elektronischen Kampfes (Electronic Warfare; EW) sieht Elbit Chancen auf dem deutschen Markt. Man wolle in diesem Bereich hierzulande wachsen und sei auch zum Technologietransfer bereit, sagt Sebastian Bauer, Vice President Business Development und Marketing bei Elbit Systems Deutschland. Er weist darauf hin, dass die eigenen EW-Lösungen skalierbar seien und damit etwa auch auf kleineren Marineschiffen eingesetzt werden könnten. Dem Vernehmen nach hat Elbit auch bereits EW-Technologie an die Deutsche Marine geliefert.  Die eigene EW-Suite ist dem Hersteller zufolge bereits in das Führungs- und Waffeneinsatzsytem (FüWES) CMS 330 bei der Royal Canadian Navy integriert. CMS 330 wurde als zukünftiges Standard-FüWES der Bundeswehr ausgewählt.

Darüber hinaus verfügt Elbit über ein bewährtes unbemanntes Oberflächenfahrzeug mit der Bezeichnung Seagull, das modular mit verschiedenen Missionsausstattungen versehen werden kann. Größere Versionen der Seagull sind gegenwärtig in Produktion. Das gesamte geistige Eigentum und Design liegt bei Elbit Systems. Die Kernkompetenz von Elbit ist der autonome und ferngesteuerte Betrieb des Schiffes in verschiedenen Konfigurationen (MCM, ASW, ISR, MS). Das Unternehmen möchte dieses Know-how insbesondere seinen deutschen Kunden durch einen Technologietransfer an Elbit Systems Deutschland zur Verfügung stellen.

Lars Hoffmann