Drohnenabwehr statt Schützenpanzer – Estland ordnet seine Beschaffungsprioritäten neu

Waldemar Geiger

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Die estnischen Streitkräfte werden eine geplante Beschaffung von Schützenpanzern im Wert von 500 Millionen Euro abbrechen und die Mittel stattdessen in die Drohnenabwehr investieren. Dies geht aus einer Erklärung des estnischen Verteidigungsministers Hanno Pevkur vom 9. April hervor.

Verteidigungsminister Pevkur bestätigte die Entscheidung nach aktualisierten militärischen Empfehlungen des Oberbefehlshabers der Streitkräfte, der der Drohnenabwehr Priorität einräumte.

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„Zusätzliche Mittel werden zweifellos in die ‚Augen und Ohren‘ der Luftverteidigung fließen, um das Situationsbewusstsein zu verbessern; diese Bereiche werden in den kommenden Jahren erhebliche Leistungssteigerungen erfahren“, erklärte Pevkur.

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Welche Systeme genau beschafft werden sollen, ging aus Pevkurs Erklärung nicht hervor. Er verwies lediglich darauf, dass die Zuweisung der freigewordenen Mittel auf der Grundlage der Empfehlungen des Oberbefehlshabers der Streitkräfte, Generalmajor Andrus Merilo, erfolgen werden. Es wird erwartet, dass Merilo seine Empfehlungen in naher Zukunft vorlegen wird, aus denen die Beschaffungsprioritäten für die nächsten vier Jahre hervorgehen sollen.

Das baltische Land plante ursprünglich, gemeinsam mit Norwegen, Finnland, Litauen, den Niederlanden und Schweden neue Schützenpanzer vom Typ CV9035 Mk IV zu beschaffen, und hat dafür Finanzmittel in Höhe von 500 Millionen Euro allokiert. Diese Pläne werden nun offenbar aufgegeben oder zumindest auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. Stattdessen soll nun ein Programm zur Finanzierung einer Lebensdauerverlängerung der bestehenden CV9035-Flotte aufgelegt werden. Dieses Programm zielt darauf ab, die Fahrzeuge für ein weiteres Jahrzehnt einsatzfähig zu halten und den Bedarf an einer umfassenden Erneuerung bis in die 2030er Jahre hinauszuzögern.

Die Maßnahme beschreibt die Herausforderung kleiner Staaten bei der Herstellung der Verteidigungsfähigkeit. Trotz hoher Verteidigungsausgaben – aktuell investiert Estland bereits 3,4 Prozent des Bruttoinlandproduktes in Verteidigung und hat zudem beschlossen, diese bis 2029 auf 5,4 Prozent zu erhöhen – bleibt die Handlungsfähigkeit des Landes beschränkt, alle Fähigkeitslücken und materiellen Defizite gleichzeitig zu schließen. Bei einem aktuellen Bruttoinlandsprodukt von etwa 40 Milliarden Euro entsprechen 3,4 Prozent rund 1,5 Milliarden Euro. Aus diesen Mitteln muss neben der Beschaffung neuer Systeme auch der aktuelle Betrieb der Streitkräfte finanziert werden.

Waldemar Geiger